Eine Woche nach dem Massenmord in Orlando sind nach unserem Aufruf fünfzig Menschen in Zürich zusammengekommen. Zwischen dem jüngsten und dem ältesten lagen sechzig Lebensjahre. Die Meinungen und Lebenserfahrungen waren vielfältig. Aber wir sind überzeugt, dass wir uns gemeinsam schützen müssen. Dafür stehen wir füreinander hin. Und nach dem Reden soll jetzt das Handeln im Zentrum stehen. Dafür haben wir folgende Punkte zusammengetragen. 

Du kannst dir auch das PDF herunterladen, ausdrucken und über deinem Bett aufhängen.

Beim Sportschauen und Sporttreiben

Wir fühlen uns nicht sicher: Queerfeindliche Beschimpfungen sind an der Tagesordnung, sei es beim Sportschauen oder Sporttreiben. Die Folge sind Unwohlsein und Unsicherheit in der Umziehkabine und Homo- und Transphobie auf Sportplätzen.

Das wollen wir alle tun: Wir wollen auf Anfeindungen sofort reagieren. Wenn wir Fans sind, dann arbeiten wir in Fangruppen, die Solidarität und Akzeptanz vorleben.

Das will die Milchjugend tun: Wir wollen bei den Dachverbänden nachfragen, ob und wie das Thema Sport verfolgt wird.

Wir wollen die vielfältigen Angebote von queeren Sportgruppen bekannt machen.

In der Schule

Wir fühlen uns nicht sicher: Falschsexuelle Jugendliche verbringen einen Grossteil ihrer Zeit in der Schule und erleben im Alltag Homo- und Transphobie.

Das wollen wir alle tun: Wir gehen in unserer Schule offen und selbstbewusst mit dem Thema um. Wir scheuen uns nicht, es anzusprechen. Wir suchen Ansprechpersonen, um im Schulalltag Verbündete zu haben, z.B. Lehrer_in, Mitschüler_innen oder Schulsozialarbeiter_in.

Das will die Milchjugend tun: Wir wollen an möglichst vielen Kantonsschulen Gruppen gründen, um sichere Räume zu schaffen und die Sichtbarkeit zu stärken. Wer eine Gruppe gründen will, soll sich bei cora@milchjugend.ch melden.

Am Arbeitsplatz

Wir fühlen uns nicht sicher: Am Arbeitsplatz sind viele von uns in einer schwierigen Position: Die Abhängigkeit vom Goodwill der Arbeitgeber und Mitarbeiter_innen lässt es nicht immer zu, offen zu sein oder in homo- und transphoben Situationen zu reagieren.

Das wollen wir alle tun: Wir sprechen Homo- und Transphobie mit Arbeitskolleg_innen an, denen wir vertrauen. Sie können uns unterstützen, wenn wir es im Team thematisieren.
Wir vernetzen uns mit Gleichgesinnten und nutzen Anlaufstellen im Unternehmen. Wir fordern bei Vorgesetzten unsere Rechte ein und holen uns dafür Unterstützung.

Das will die Milchjugend tun: Wir wollen auch an Berufsschulen Gruppen gründen, um sichere Räume zu schaffen. Wer eine Gruppe gründen will, soll sich bei Cora@milchjugend.ch melden.

Wir wollen mit Jugendverbänden von Gewerkschaften Kontakt aufnehmen.

An queeren Partys und Veranstaltungen

Wir fühlen uns nicht sicher: Eigene Veranstaltungen sind toll, weil sie uns zusammenbringen und einen geschützten Raum bieten. Leider gibt es aber auch innerhalb der Community Diskriminierungen. An Partys kommt es zu sexueller Belästigung.

Das wollen wir alle tun:

  • Unisex-Toiletten anbieten.
  • Einfache Sprache bei Regeln und Diskussionen, um alle einbeziehen zu können.
  • Selbst aktiv werden und sich einbringen, wenn uns etwas stört, zum Beispiel Party-Veranstalter_innen ansprechen.
  • Person dabei haben, zu der ich gehen kann, wenn ich mich unsicher fühle.

Das will die Milchjugend tun: Wir wollen bei allen Veranstaltungen darauf achten, Begriffe zu verwenden, damit sich alle willkommen fühlen. Wir wollen an allen Veranstaltungen auf Konsens-Prinzipien aufmerksam machen (no means no). Wir wollen an allen Veranstaltungen eine Ansprechperson bei Unwohlsein haben.

In Online- und Offline-Diskussionen

Wir fühlen uns nicht sicher: Gehässigkeiten, Angriffe, Beleidigungen, Abwertungen: Diskussionen, egal ob online oder offline, sind manchmal sehr verletzend. Oft sind wir auch überfordert: Wir haben nicht immer für alles eine gute Antwort bereit.

Das wollen wir alle tun: Egal ob offline oder online:  Wir verlassen die Diskussion bei Unwohlsein. Wir müssen uns nicht rechtfertigen! Wenn wir diskutieren, versuchen wir selbstbewusst und gelassen zu bleiben, um uns selbst zu schützen. Das können wir zum Beispiel, indem wir

  • Betroffenheit schaffen, sich auf Erfahrungen von queeren Leuten beziehen
  • Vergleiche machen, um Verständnis zu erreichen
  • Proaktiv informieren und aufklären, aber auch deutlich widersprechen

Das will die Milchjugend tun: Wir wollen die besten Antworten auf die häufigsten Vorwürfe sammeln, damit wir alle von unserem gemeinsamen Wissen profitieren können.

Wir wollen Erfahrungen von falschsexuellen Jugendlichen sichtbar machen, damit wir uns alle davon stärken können.

An Bahnhöfen und im öffentlichen Verkehr

Wir fühlen uns nicht sicher: Kein Ort wurde so häufig genannt, wie der Bahnhof. In diesem öffentlichen Raum haben die meisten von uns, besonders abends, schon Beschimpfungen oder sogar körperliche Angriffe erleben müssen.

Das wollen wir alle tun: Wir nehmen Rücksicht auf unser eigenes Empfinden. Wir müssen nicht immer mutig hinstehen. Wenn wir mutig sind, können wir Händchenhalten oder Regenbogenbuttons tragen und uns so erkennbar geben. Wenn wir in eine schwierige Situation kommen, können wir

  • Verbündete ansprechen, zum Beispiel ein Heteropaar bitten, zu tun, als ob man sich kennt
  • Im Bus zuvorderst sitzen
  • Einen Motivator für das eigenes Selbstbewusstsein dabei haben, z. B. eine Playlist
  • Zur Bahnhofsecurity gehen

Das will die Milchjugend tun: Wir wollen eine politische Aktion machen, um die Problematik zum medialen Thema zu machen.