Von: Rico, 18 Handelsschüler

Von: Rico, 18
Handelsschüler

Teenager, sexuell verwirrt, wer kennt das nicht? Ich habe lange gebraucht, um mir klar zu werden, wer ich bin und was ich genau will. Vor einem Jahr wurde mir dann bewusst, dass ich homosexuell bin, und ich begann, es Schritt für Schritt meinen Freunden, welche mir sehr nahe stehen, offen zu erzählen.

Es war schön zu wissen, dass sie hinter mir standen, auch wenn ich wusste, dass ich noch lange nicht bereit war, es meinen Eltern zu erzählen. Ein halbes Jahr später waren alle aufgeklärt. Alle ausser meiner Familie. Ich wusste, dass ich es nicht mehr lange geheim halten konnte. Und so kam es dazu, dass mich meine Stiefmutter eines Morgens darauf ansprach.

Mir fiel ein Stein vom Herzen und ich bejahte nur. Ich war froh, dass ich es nicht mehr erzählen musste, auch wenn es mich ein bisschen störte, dass sie es durch den Dorfklatsch erfahren hatte. Doch eine Hürde hatte ich noch. Es war daran, es meiner Mutter und meinem Bruder zu erzählen. Ich sass wie auf heissen Kohlen, obwohl ich wusste, dass sie es sicher auch bereits ahnten. 

Als ich es endlich sagte, war ich erleichtert. Meine Mutter reagierte cool und gelassen, so wie sie halt ist. Und mein Bruder, ja mein Bruder ist seit meinem Outing ein Bruder geworden und wir streiten uns nicht mehr. Woran das liegt, ich weiss es nicht. Doch ich glaube, auch mein Bruder wurde reifer und mein Outing war einfach der Auslöser für unsere bessere Beziehung zueinander.

Seit ich reinen Tisch gemacht habe mit allem und auch immer wieder offen damit umgehe, merke ich, wie froh ich bin, dass ich mich geoutet habe und dass das Leben so einfach schöner ist.


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