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Der Jugend erste Male

Dieses Mal: Sich zum ersten Mal wohlfühlen in Schale

Erzählt von Lucien, 21

Irgendwann in der Pubertät wurde mir unwohl, wenn ich Röcke oder lange Kleider trug. Ich tat es trotzdem, zum Beispiel an meiner Diplomfeier und am Abschlussball der Schule. Ich erinnere mich gut daran, wie ich vor dem Garderobenspiegel im Kleidergeschäft stand – in einem violetten Kleid, das eigentlich ganz schön war, aber nicht für mich. Rückblickend war es falsch, das Kleid zu kaufen, weil es jetzt in meinem Schrank hängt und darauf wartet, weggegeben zu werden (will jemand ein wirklich schönes violettes Kleid, Grösse M/L?). Die Fotos von diesen Abenden schaue ich mir nicht mehr gerne an, weil die Person auf dem Bild nicht ich bin. Aber damals habe ich mir nicht überlegt, dass es auch anders gegangen wäre. Irgendwie gehörte es dazu. Als ich realisierte, dass ich trans bin, konnte ich endlich meinen eigenen Stil finden und damit aufhören, in die Norm Frau passen zu wollen. Mit kurzen Haaren und anderen Kleidern geht es mir seither viel besser. Ein wirklich tolles Erlebnis war, als ich mich zum ersten Mal seit meinem Stilwechsel wieder in elegante Kleidung schmeissen musste. Denn seit letzten Sommer spiele ich Bratsche in einem Laienorchester, und wie es sich an klassischen Konzerten gehört, müssen wir uns jeweils elegant kleiden. Eigentlich finde ich das ganze Drumherum bei klassischen Konzerten etwas übertrieben – aber es gab mir die Gelegenheit, meinen neuen Stil auszuprobieren. Ich lieh mir die Anzughosen meines Bruders, kaufte mir schöne Schuhe und ein schwarzes Hemd aus der Männerabteilung und trug meinen Binder. Zwar wurde ich immer noch als Frau gelesen, aber ich fühlte mich wie befreit – selbstsicherer und irgendwie schön. Das blieb nicht unbemerkt: Eine Freundin meiner Familie, die mich schon kannte, als ich noch nicht einmal krabbeln konnte, sagte zu mir: «Du strahlst echt etwas aus!», und fragte mich, wie ich mich fühlte. «Super», antwortete ich über beide Ohren grinsend. Sie weiss nicht, dass ich trans bin, deshalb freute ich mich umso mehr über ihre Reaktion. Ähnlich ging es mir im Orchester: Zuerst warich unsicher, ob die Leute komisch reagieren würden, da viele schon älteren Semesters sind. Aber ihnen ist mein Stil egal, sie akzeptieren mich so wie ich bin. Das hat mir gezeigt, dass ich mir früher viel zu stark einen Kopf darum gemacht habe, was ich trage und was nicht und was andere denken könnten. Aber jetzt weiss ich: Es ist nie zu spät, aus den Normen auszubrechen und herauszufinden, was zu einem passt – ob trans oder nicht. Es zu machen kann befreiend und wunderschön sein.

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Carol

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Carol

Ein intensives, fast beklemmendes Buch über eine Frauenliebe im Amerika der 50er.

Emma, 24   Studentin aus Bern

Emma, 24

Studentin aus Bern

Carol – das ist die elegante, mysteriöse Frau, die eines Tages in der Spielwarenabteilung eines grossen New Yorker Warenhauses auftaucht und Therese ab dem ersten Blickkontakt völlig in ihren Bann zieht. Patricia Highsmiths Roman, ursprünglich unter einem anderen Titel herausgegeben und auch unter einem Pseudonym, beginnt ein paar Tage vor diesem ominösen Treffen, an einem der ersten Arbeitstage von Therese in ebenbesagtem Warenhaus. So kennen wir die Protagonistin bereits ein wenig – Therese, nicht Carol, ist diejenige, der wir im Verlauf der Geschichte folgen. Therese ist eine 19-jährige angehende Bühnenbildnerin, die aber noch keinen guten Praktikumsplatz gefunden hat und sich mit kleinen Jobs über die Runden schlägt. Sie ist in einer Beziehung mit einem Kunststudenten, den sie zwar mag, aber nicht liebt. Sie wirkt ein wenig verloren – und dann trifft sie Carol.

Therese verhält sich wie eine typische Frischverliebte: Sie will Carol unbedingt wiedersehen, kann ihre Augen und ihre Gedanken nicht von ihr lassen, findet Gefallen an den unscheinbarsten Gesten Carols. Trotz der Tatsache, dass die Liebe zwischen Frauen im New York der 1950er Jahre als etwas Unsittliches und Amoralisches galt, wird sich Therese ziemlich rasch bewusst, dass es das ist, was sie für Carol empfindet. Mit einem sachlichen aber vorantreibenden Erzählstil gelingt es der Autorin gut, Thereses starke Gefühle und damit verbundene Verwirrung aufzuzeigen, ohne dabei sentimental zu werden.

In mancherlei Hinsicht ist der Roman ein Vorreiter: Zumindest in der amerikanischen Literatur ist es das erste Mal, dass eine lesbische Liebesbeziehung so seriös und ohne zu viele Klischees erzählt wurde, dazu mit einem recht optimistischen Ende (lesbische Charaktere in Bücher, Filmen etc. endeten lange und manchmal sogar heute noch in Tod, Bitterkeit oder gar Heterosexualität...). Wer nicht so gern liest, kann sich übrigens auch die hübsche Filmadaption ansehen, die 2015 erschienen ist.

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Serientipp: Queer Eye

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Serientipp: Queer Eye

Witzig, rührend und wunderschön queer – viel mehr als nur ein Make-Over.

Cora, 22   Studentin aus Olten

Cora, 22

Studentin aus Olten

Unter dem Titel «Queer Eye for the Straight Guy» wurde von 2003 bis 2007 in den USA eine erfolgreiche Reality-Show ausgestrahlt, in der heterosexuelle Männer von fünf Schwulen (den «Fab Five») ein Makeover erhielten. Die Sendung spielte mit dem üblichen Stereotyp, dass sich schwule Männer besser mit Mode, Körperpflege, Inneneinrichtung und Kultur auskennen, wohingegen hetero Männer sich grundsätzlich nicht dafür interessierten (oft zum Leidwesen ihrer Partnerinnen). Für diese Stereotypisierung wurde die Show oft kritisiert.

Nun, 11 Jahre später, hat Netflix eine Neuauflage der Show gestartet – mit dem abgekürzten Titel «Queer Eye». Auf den ersten Blick ist das Konzept der Show genau gleich, doch stimmt das nur teilweise. Die queeren Verbesserungen der hetero Garderobe, der Inneneinrichtung oder der Haarschnitte sind schön anzuschauen; ihre wirkliche Stärke liegt jedoch an ganz anderen Orten.

Im Gegensatz zum Original beschäftigt sich Queer Eye viel mehr mit Männern und Männlichkeit an sich. Die besten Momente sind die, in denen sich die meist sehr verschlossenen Kandidaten durch die Gespräche mit den Fab Five öffnen, verletzlich zeigen, emotionaler werden und eine neue Art der Maskulinität erfahren. Sie werden selbstbewusster, stärker und liebevoller im Umgang mit sich selbst und anderen. Manche von ihnen zeigen am Ende auch viel mehr Offenheit gegenüber Homosexualität, eines der selbsterklärten Ziele der Sendung: «Die ursprüngliche Show wollte mehr Toleranz, wir kämpfen für Akzeptanz», sagt einer der Fab Five.

Die zweite grosse Stärke ist, in meinen queeren Augen, dass die Fab Five so queer sein können, wie sie wollen. Natürlich handelt es sich weiterhin um fünf schwule cis Männer, aber durch ihre diversen kulturellen Hintergründe und ihre eigenen Persönlichkeiten zeigen sie durchaus, dass es keine richtige Art gibt, queer zu sein.

Die erste Staffel mit 8 Folgen findet sich auf Netflix.

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Fragestunde

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Fragestunde

Kürzlich fand ich heraus, dass ich mich als Non-Binär identifiziere. Wie etabliere ich am besten meine Non-Binarität in meinem Freundeskreis und beider Verwandtschaft? Und wie werde ich am besten ernstgenommen?

Lou, 16

Hallo Lou,

Non-Binäre Identitäten sind noch immer für viele Mitmenschen nicht greifbar, denn sie passen in keine der Kisten, die wir in unseren Hirnen kultivieren. Eine effektive Art neue Denkmuster zu generieren ist ein Namenswechsel, denn mit einem neuen Namen kannst du eine neue Identität markieren. Mit einem Namenswechsel (oder auch ohne!) kommen zumeist auch neue Pronomen dazu, wobei hier ein Knackpunkt liegt: Wenn du dir unsicher bist, ist empfehlenswert in einem Safe Space (wie z. B. in der Milchjugend) neue Namen, Pronomen oder Kleidung auszuprobieren, bis du findest, was zu dir passt. Sobald du dir sicher bist, wie du am liebsten angesprochen wirst, kannst du das konsequent in deinem näheren Umfeld etablieren. Wenn du eher zur Fluidität tendierst und auch gerne zwischen Namen und Pronomen wechselst, ist gut, deinen Mitmenschen Klarheit darüber zu geben. Denn mangelndes Verständnis führt zu fehlendem Ernstnehmen. Sobald du dir bewusst bist, was deine Identität ist, kannst du auch dafür einstehen, dass sie von deinem Umfeld ernstgenommen wird. Weiter hilft auch, dass du Non-Binäre Freunde oder Vorbilder deinem Umfeld näherbringst, um ihnen zu zeigen, wie vielfältig Non-Binarität ist. Was es am meisten braucht ist Energie, um die Aufklärungsarbeit tagtäglich zu leisten – sei dir deinen Bedürfnissen bewusst, höre auf deinen Körper, gönne dir Pausen und verzweifle nicht an den Menschen, bei denen es dir nicht auf Anhieb gelingt, ihre Kisten umzuformen. Akzeptanz ist schnell eingefordert, doch neue Denkmuster brauchen Zeit.

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Fragestunde

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Fragestunde

Ein Freund von mir arbeitet seit neustem in einer Gay Sauna, will mir aber nichts davon erzählen. Was genau ist eine Gay Sauna und gibt es sowas auch für FLINT*-Menschen?

Kari, 19

Hey Kari,

Eine Gay Sauna, oder auch Schwulen-Sauna genannt, ist ein Sauna Club exklusiv für MSM (Männer*, die Sex mit anderen Männern* haben). Es ist also eine Sauna in der es erlaubt ist, Sex zu haben und das egal wo (je nach der eigenen Komfort-Zone). Voyeurismus, Darkrooms, Slings, Gloryholes, Orgien, Sex mit komplett unbekannten Menschen: Alle Facetten des schnellen sexuellen Vergnügens sind möglich. Natürlich gibt es oft auch Kontaktzonen, wo «sittlich» miteinander geredet wird, doch wird es von den Meisten aus sexuellen Gründen besucht. Da Sex – und vor allem schneller, «treuloser» Sex – immer noch ein Tabuthema ist, kann es schon schwierig sein, offen und unbeschwert über seinen Job in der Gay Sauna zu berichten. Nebst den Gay Saunas und den Saunas, wo Sex nicht erlaubt ist, gibt es Sauna Clubs, die oft Teil von Swingerclubs sind. Die Norm in solchen Kontexten ist beinahe immer heterosexuell und lesbische Kontakte kommen zumeist nur als Fantasiebefriedigung der heterosexuellen Cis-Männer vor. Falschsexuelle FLINT*- Menschen (Frauen, Lesben, Inter, Nonbinär, Trans*) haben also tatsächlich keinen Sauna Club, der explizit für sie ist. Doch eine Sauna zu bauen, ist gar nicht so schwer, sicher wird es in den nächsten Jahren jemenschen geben, der so etwas aufbaut.

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Queere Töne

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Queere Töne

Es gibt Lieder, die hören wir auf jeder Pride und auf jeder falschsexuellen Party. Einige sind aus den 80ern des letzten Jahrhunderts, andere ganz neu. Was hat es mit diesen Liedern auf sich? Wir haben ein paar für euch zusammengestellt – und recherchiert, warum gewisse Lieder für unsere Community so wichtig sind.

Darja, 23   Studentin aus Zürich

Darja, 23

Studentin aus Zürich

Tobi, 23   Student aus Zürich

Tobi, 23

Student aus Zürich

«Queer Anthems» sind Lieder, die zur falschsexuellen Community gehören wie Glitzer und Regenbogenflaggen. Dabei muss der_die Sän- ger_in nicht queer sein, und auch der Songtext muss sich nicht zwingend um das Thema drehen: Viele der Lieder auf unserer Liste waren nicht queer «gemeint». Wir haben sie queer gemacht. In den Liedern geht es oft darum, eine schwierige Zeit zu überstehen. Es geht um Einsamkeit, Herzschmerz und Ausgeschlossensein. Aber vor allem handeln sie vom Feiern und Stark werden, vom Tanzen und Lieben. Häufig werden sie von extravaganten, starken Frauen gesungen; häufig sind es bekannte Popsongs. Wir haben diese Lieder, um uns zu feiern, um zu uns zu stehen. Deshalb dürfen sie ruhig auch ein wenig kitschig, trashig und überdreht sein.

Wir haben unsere Lieblingsauswahl für euch zusammengestellt. Die Liste ist aber keineswegs vollständig, und vielleicht haben wir deinen Liebling ausgelassen. Das ist aber kein Problem – komm einfach an die nächste Molke 7, dann hörst du ihn bestimmt wieder! Und bis dahin findest du einige unserer liebsten queeren Hymnen auf der Playlist milchjugend.ch/jugendpride.

Dancing on my own (2010) – Robyn

«I'M GIVING IT MY ALL, BUT I'M NOT THE GIRL YOU'RE TAKING HOME / I KEEP DANCING ON MY OWN» Du stehst in einem Club, und die Person, die du magst, küsst nicht mehr dich, sondern jemensch anderen: Aber du hältst durch, tanzt die ganze Nacht weiter, auch wenn dir das Herz dabei bricht. Trotz allem Schmerz geht es in diesem Lied ums Überleben, und darum, dass Tanzen manchmal Überleben bedeutet: Robyn gibt dir in all der Verzweiflung das Gefühl, dass du es schaffen kannst. Ausserdem ist sie – obwohl selbst nicht falschsexuell – eine Lesbenikone. Wenn dir also eine Party bevor steht, auf der du dein_e Ex triffst, und du weisst, dass er_sie jemensch anderen mitbringt: Denk an Robyn. Wenn sie das schafft, schaffst du es auch.

 

Dancing Queen (1976) – ABBA

«YOU CAN DANCE / YOU CAN JIVE / HAVING THE TIME OF YOUR LIFE» Die Plateauschuhe, der viele Glitzer und natürlich «Dancing Queen» – ABBA ist grossartig falschsexuell! In «Dancing Queen» geht es um die Magie der Nacht: Du drehst dich und fühlst nur den Beat, und du bist siebzehn und das einzig Wichtige ist grade, dass die Musik weiterläuft. 2006 vereinigten sich ABBA übrigens für kurze Zeit wieder, um Geld für die Pride in Warschau zu sammeln, die vom dortigen Präsident verboten werden sollte. Sie meinten, sie hätten einen grossen Teil ihrer noch immer währenden Berühmtheit der falschsexuellen Community zu verdanken. Gern geschehen.

 

The Greatest (2016) – Sia

«I'M FREE TO BE THE GREATEST,I'M ALIVE» Im Musikvideo zu diesem Lied von Sia sieht man die junge Tänzerin Maddie Ziegler, die weint, tanzt und sich Regenbogenfarbe über die Wan- gen streicht. Das Musikvideo bezieht sich auf die Erschiessung von 49 Falschsexuellen in einem Nachtclub in Orlando 2016. Trotz des schweren Themas ist «The Greatest» eine unverzichtbare Gay-Hymne: Denn das «stamina», das Durchhaltevermögen, das Sia beschreibt – «I'm running out of breath, but I got stamina» – bedeutet auch, dass wir es schaffen können, wenn wir zusammenhalten und füreinander einstehen.

 

Girls Just Want to Have Fun (1983) – Cyndi Lauper

«I WANNA BE THE ONE TO WALKIN THE SUN / OH GIRLS, THEY WANNA HAVE FUN» Beim ersten Hören ist dieser Song ein harmloses Lied. Doch wer genauer hinhört erkennt die feministischen Untertöne: Manche Männer* nehmen sich eine schöne Frau* und verstecken sie vor der Welt, doch Cyndi Lauper möchte frei sein und in der Sonne spazieren. In einer Welt, in der Frauen* immer noch viel weniger Möglichkeiten haben, ist es geradezu revolutionär, einfach nur Spass haben zu wollen. Cyndi Lauper, die mit ihren schrillen Outfits und Frisuren die 80er-Jahre aufwirbelte, setzt sich denn auch schon lange für LGBT*s ein und unterstützt obdachlose Queers mit mehreren Touren und sogar einer eigens gegründeten Stiftung. So ist ihr der Platz unter unseren Ikonen sicher.

 

I Want to Break Free (1984) – Queen

«I'VE FALLEN IN LOVE FOR THE FIRST TIME / AND THIS TIME I KNOW IT'S FOR REAL» Allein schon das Musikvideo kündigt an, wie queer der Song ist: Freddy Mercury, als Frau verkleidet – aber mit Schnauz – staubsaugt sein biederes Vorstadthaus, um sich schliesslich zuerst in einen Mann, dann in ein nonbinäres, mythisches Wesen zu verwandeln, dass in einer fulminanten Ballettszene die Geschlechtergrenzen aufbricht. Es geht darum, Grenzen zu sprengen, auszubrechen, aus dem Schrank zu kommen und sich selbst zu sein. Freddie Mercury, der Sän- ger der Band Queen, war selber bisexuell, wagte aber zeitlebens kein Coming-out. Er starb leider sehr früh an AIDS, doch bleibt er für immer als grosses queeres Idol in unserem Gedächtnis.

 

Smalltown Boy (1984) – Bronski Beat

«YOU LEAVE IN THE MORNING / WITH EVERYTHING YOU OWN» Die Band Bronski Beat und der Sänger Jimmy Sommerville thematisierten in ihren Songs immer wieder ihr eigenes Schwulsein. In ihrer ersten Hitsingle Smalltown Boy geht es deswegen auch um einen Jungen, der von Zuhause wegläuft – «run away/turn away» –, weil er dort seine Homosexualität nicht leben kann. Mit diesem Song sprachen Bronski Beat vielen jungen Queers in den 80er-Jahren aus der Seele und obwohl der Text eine traurige Geschichte erzählt, schenkt er doch auch Hoffnung auf einen Neuanfang. Bronski Beat spielte übrigens 1984 auf dem Benefizkonzert für die streikenden Minenarbeiter, organisiert von der Gruppe «Lesbian and Gays Support the Miners», die im wunderbaren Film «Pride» porträtiert werden.

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Zwischen Bekenntnis und Erkenntnis

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Zwischen Bekenntnis und Erkenntnis

Ricarda, 19  Studentin aus Uster

Ricarda, 19

Studentin aus Uster

Zärtlich Unausgesprochenes waltet,

Wo Sehnsüchte stossweise wallend

Den empfindenden Liebenden

Unberechenbar schubsen.

Kürzlich offenbarten zwei mir nahestehende Menschen mir ihr Verlangen nach der Beziehung zu einer Person des gleichen Geschlechts. Bald konnte ich allerdings feststellen, dass dieses Lieben, während es die eine bestärkte, die andere verunsicherte. Die Liebe nahm in diesen beiden Fällen sehr unterschiedliche Gestalt an.

Die Feststellung, homosexuell zu begehren und eine Beziehung mit einer Frau zu wollen, war für die eine die Bestätigung einer inneren Gewissheit: Ihre auftauchenden Fragen strebten nicht nach Klärung und der Festsetzung einer sexuellen Identität. Sie drehten sich vielmehr um den Eintritt in genau diese Beziehung mit genau diesem Menschen in seiner individuellen Wesensart. Will ich diese Beziehung überhaupt eingehen, sind meine Gefühle stark genug? Ist die Person, die mich liebt und begehrt, auch die Person, die ich liebe oder begehre? Die natürlichen Zweifel, die häufig Hand in Hand mit Zugeständnis und Verbindlichkeit, Vertrauen und Verantwortung, Verständnis und Bedingungslosigkeit gehen, entstanden. Die Angst loszulassen, zuzulassen und sich einzulassen, kam auf. Zunächst schwirrten diese Gedanken, die sich unbequem in das sorglos Zwischenmenschliche drängten, nur in ihrem eigenen Kopf herum, bis sie dann zum Gegenstand einer Auseinandersetzung zwischen dem fragenden Selbst und seinem Gegenüber wurden. Aufrichtige und ehrliche Gespräche in Zweisamkeit klärten die Bedenken.

Für die andere trat die Feststellung, Frauen zu begehren, Lawinen los: Sie rüttelte an dem Grundverständnis und den Grundfesten ihres Selbst. Dieses aufflammende unbekannte Begehren tastete sich noch vorsichtig an unausgesprochene Vorstellungen heran, es suchte den eigenen Umgang mit der sexuellen Orientierung. Die urplötzliche Infragestellung einer unhinterfragten Prägung – die heteronormative Vorstellung von Liebe – forderte dazu auf, die sich zuvor zugeschriebene Sexualität neu zu denken. Fragen nach der eigenen Zugehörigkeit, der Integrität, der Verletzlichkeit, der Identität reihten sich auf: Wie verändert sich der Umgang anderer mit mir dadurch, dass ich auf diese Weise begehre? Macht dieses Begehren eine andere Person aus mir, bin ich glücklicher, meinem Selbst näher? Fühlen sich andere Frauen durch meine Präsenz möglicherweise belästigt? Oder sind sie in ihrer Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit gehemmt, um mir nicht zu nahe zu treten, um mich nicht zu verletzen? Woher soll ich wissen, ob ich freundschaftlich, romantisch oder sexuell begehrt werde? Und wo, wie und wann kann ich die Grenze ziehen zwischen Freundschaft, Anziehung oder Beziehung?

Mit der Erkenntnis darüber, homosexuell zu begehren, wird verschieden umgegangen. Dies unter anderem auch, weil die Gesellschaft vorschreibt, wer oder wie geliebt werden soll. Fällst du aus diesem Rahmen, wirst du implizit dazu aufgefordert, dich zum Anderssein zu bekennen. Der Erwartungshaltung, eine genormte Liebe zu erfüllen, sollte niemensch entsprechen müssen. Es muss einem gesellschaftlichen Miteinander zumutbar sein, dass es anerkennt und versteht, wie vielschichtig und verschieden das Lieben seiner Menschen ist, ohne zu kategorisieren. Das wünschenswerte Ziel der Liebe ist das Wesen an sich, und nicht eine gesellschaftliche Projektion. Und während ich so weltabgewandt reflektiere, ist diese Liebe für die eine bereits Realität geworden. Die andere sucht gelassen weiter danach, was für sie richtig ist.

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«Ich bin Transmann-Rapper mit Kampflesben-Swagger»

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«Ich bin Transmann-Rapper mit Kampflesben-Swagger»

Jennifer Gegenläufer. Rapper. Mitreissende Beats treffen auf starke Texte. Er rappt für die queere Liebe, gegen das Patriarchat, über die Erfahrung als Heimkind aufzuwachsen und vereinigt ganz viele Kämpfe in seinen Tracks. Vor dem Konzert in Zürich haben wir Jennifer Gegenläufer getroffen und mit ihm über Aktivismus, Rap und Frauen*kämpfe gesprochen.

Johanna, 20   Studentin aus Basel

Johanna, 20

Studentin aus Basel

Wie bist du zum Rap gekommen?

Hiphop hab’ ich durch meinen älteren Cousin kennengelernt. Der hat aber ziemlich sexistische Rapper gehört. Damals fand ich das noch geil und hab es ohne nachzudenken mitgerappt. Mit dreizehn hab’ ich dann gedacht: «Jetzt bin ich Gangster genug» und hab begonnen, Texte zu schreiben, die sich inhaltlich genau da einreihten.

Wie hast du dir das Rappen beigebracht?

Ich habe mir Rap selber beigebracht und bin dann durch Zufall auf ein einjähriges Rap-Workshop Angebot gestossen, das mir ermöglicht hat im Studio aufnehmen zu können. Dort war ich neben einer anderen Rapperin, die leider selten kam und nach dem Workshop nicht mehr weitergemacht hat, das einzige Mädchen in einer Männergruppe, das den Workshop regelmässig besuchte. Nach diesem Workshop war ich noch bei anderen Projekten dabei und mit fünfzehn Jahren habe ich begonnen, meine eigenen Beats zu bauen und an Rap Battles teilzunehmen.

Wie wurde dein Rap politisch?

Bei mir ist das tatsächlich über Veganismus passiert. Durch die Auseinandersetzung mit diesem Thema bin ich immer mehr in die linke Szene gekommen und wurde vertrauter mit verschiedenen Begriffen, wie zum Beispiel Sexismus. Mit dem Wort Sexismus konnte ich endlich benennen was ich nach Battle Raps, dominiert von Typen, immer gemerkt hab.

Obwohl ich teilweise besser rappen konnte als Typen, kriegte aber nicht Mal ansatzweise den selben Respekt dafür. Durch den Begriff Sexismus konnte ich dieses Gefühl von Machtlosigkeit verorten. Ich hab’ erkannt, dass Typen in unserer Gesellschaft in einer Machtposition gegenüber Frauen stehen und dass das gar nichts mit meiner Fähigkeit zu rappen zu tun hat. Durch diese Erkenntnis hab’ ich den Kontakt zu anderen linken Rapper_innen gesucht, um meinen Rap in diese Richtung zu entwickeln. So bin ich an einem Rap-Workshop von Sookee gelandet. In der Kurzversion hat dann quasi das eine zum anderen geführt und inzwischen kann ich Sookee auf Tour begleiten.

Ist Rap eine Form von Aktivismus für dich?

Es ist auf jeden Fall auch eine Form von Aktivismus. Für mich ist es aber auch eine Form von Überlebensstrategie und ein Weg, mich selber und andere Queers zu empowern. Das Queersein ist jedoch nicht das einzige relevante Thema für mich. Im Kapitalismus gibt es viele verschiedene Diskriminierungsformen, die wichtig sind, damit Kapitalismus als Verhältnis überhaupt funktionieren kann. Im Kampf gegen kapitalistische Verhältnisse sollte Sexismus kein Nebenwiderspruch sein und im Kampf gegen Sexismus ist es wichtig, Klassismus auf dem Schirm zu haben. Wir sollten all diese verschiedenen Kämpfe zusammenführen.

Was findest du beim Aktivismus wichtig?

Aktivismus ist sehr von den gesellschaftlichen Verhältnissen abhängig und dementsprechend sehr veränderbar. Wir müssen die verschiedenen Aktivismen in Bezug zueinander setzen und vernetzen. Es ist unglaublich wichtig, über den Kampf für Geschlechtergerechtigkeit in Deutschland oder in der Schweiz hinauszudenken und die Frauen*kämpfe in anderen Ländern nicht zu vergessen. Genau diese Verbindungen reduzieren bei uns das Gefühl, alleine zu sein. Es schafft auch ein Bewusstsein, dass selbst wenn eine Partei mit homofeindlichen, rassistischen und anderen diskriminierenden Ansichten Macht gewinnt, es trotzdem irgendwie weitergeht. Nur weil die stärker werden, soll es uns nicht daran hindern auch noch stärker zu werden. Freund_innenschaften zu haben, die einem gut tun, sich mit Menschen zu umgeben, bei denen mensch sich sicher fühlt und mit denen mensch Zugang zu den eigenen Emotionen hat, ist wesentlich. Das Patriarchat und der kapitalistische Zustand wollen uns alle vereinzelt haben. Verwahrlost in uns selbst gekehrt. Es ist essentiell, sich selber nicht alleine zu lassen und sich dann gegenseitig zu unterstützen.

Welche Dinge sind dir bei deinen Kämpfen besonders wichtig?

Für mich ist es wichtig, über die Situation von Transmännern im Kampf für Geschlechtergerechtigkeit, oder von vielen Personen noch Frauen*kampf genannt, zu sprechen. Ich hab’ die Erfahrung als Mädchen in dieser Gesellschaft gemacht. Ich hab’ Sexismus erfahren, ich hab‘ Homofeindlichkeit erfahren, ich hab Rape Culture in Rap Battles und anderen Kontexten erfahren, und selbst wenn sich bei mir hormonell was ändert, kämpfe ich weiter für Geschlechtergerechtigkeit, also bleibe ich immer im «Frauen*kampf» drin. Das ist mein Platz. Transmenschen sollten als genauso selbstverständlich angesehen werden wie Cis-Personen. Falls eine Person aus einem Kampf rausgeht, dann soll das eine freie Entscheidung sein, und nicht weil die Person einen zu grossen Kampf führen muss, um überhaupt einen Platz innerhalb des Kampfes zu kriegen. Ich weiss, ich bin ein Transmann-Rapper mit Kampflesben-Swagger und ich werde meinen Kampflesben-Swagger immer behalten.

Patriarchat: Gesellschaftsform, in der Männer eine bessere Stellung in der Gesellschaft haben.

Rape Culture: Bezeichnet Gesellschaften, in denen sexualisierte Gewalt und Vergewaltigungen toleriert und normalisiert werden.

Sookee: falschsexuelle, antifaschistische Rapperin aus Berlin.

Klassismus: bezeichnet Vorurteile oder Diskriminierung aufgrund der sozialen Herkunft oder der sozialen Position und richtet sich überwiegend gegen Angehörige einer «niedrigeren» sozialen Klasse.

 

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Regenbogen-Ofengaymüse mit Falscheta

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Regenbogen-Ofengaymüse mit Falscheta

Queeres Kochen

Für das Rezept brauchst du:

Henrik, 23  Student aus Liebefeld

Henrik, 23

Student aus Liebefeld

• Buntes Gaymüse deiner Wahl, etwa 200 gpro Farbe, je nach Geschmack und Verfügbarkeit. Wir verwenden:

• Rot: Schalesben, Peperenby

• Orange: Süssqueertoffeln, Questiorotten

• Gelb: Questiorotten, Tran*den, Queertoffeln

• Weiss: Winterrüben, Panstinaken, Demignons •

Grün: Broskolio•

Blau: Queertoffeln•

Lila: Tran*den, Questiorotten

[weitere Gaymüse, die sich eignen: Kürbis, Fluidenchel, Blumagenderkohl, Ciscchetti, Aroma- nesco, Androgine]

• 1 Packung Falscheta

• ~100ml Sonnenblumenöl

• Salz, Pfeffer, Rosmarin• Kurkuma, Paprika, Knoblauch

 

Demignons vierteln, Schalesben in grobe Scheiben schneiden. Das weitere Gaymüse waschen und in Würfel, Stifte oder Wedges schneiden.

Den Ofen auf 200°C Unterhitze vorheizen.

In getrennten Schüsseln das Gaymüse mit dem Sonnenblumenöl und Salz, Pfeffer, Rosmarin marinieren. Als extra Pep geben wir noch Kurkuma bei gelb, Paprika bei orange, rot & lila und Knoblauch bei weiss & grün dazu.

Dann das Gaymüse der Pride-Flagge entsprechendauf dem Blech anrichten (weiss in der Mitte) und den Falscheta darüber krümeln. Menschen, die mögen, können auch anstatt des Falscheta, der alles verbindet, ein wenig Speck drum machen, um sich zu erinnern, dass wir alle auf einem Spek-trum leben!

Das Blech in den Ofen schieben und – dann kommt der wichtigste Schritt: Auf unsere Falschsexualität anstossen.

Bis das Gaymüse durch ist, dauert es etwa 35 –45 Minuten. Zum testen kann mensch sich nach den Queertoffeln richten, diese brauchen am längsten.Zu dem Gaymüse passt wunderbar ein Acebergsalat mit Zitronen-Senf-Sauce oder ein Tomniaten-Mozzarella-Salat mit Oregyno, oder auch... En Guete!

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Falschsexuelle Maler_innen

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Falschsexuelle Maler_innen

Luisa, 21   Studentin aus Winterthur

Luisa, 21

Studentin aus Winterthur

Queere Menschen gab es schon immer und überall. So gab es natürlich auch schon immer – und man könnte sogar behaupten, besonders viele – falschsexuelle Menschen in der Kunst. Für manche queere Künstler_innen ist die eigene Identität ein zentraler Teil ihrer Kunst, im Werk von anderen ist sie weniger ersichtlich.

Leonardo da Vinci

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(1452 – 1519)

Da Vinci war ein Maler, Bildhauer und Erfinder der Italienischen Renaissance. Von ihm stammt auch die Mona Lisa, das wahrscheinlich berühmteste Gemälde aller Zeiten.

Über da Vincis Sexualität sind sich Historiker_innen bis heute nicht einig. Da Vinci hat nie geheiratet und eine Beziehung zu einer Frau ist nicht überliefert. Hingegen hatte er eine sehr intime Beziehung zu seinem Schüler Salaj, über die schon einige seiner Zeitgenoss_innen Sprüche gemacht haben. Da wir aber Jahrhunderte nach ihm leben, können wir nicht mehr tun als spekulieren.

 

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Amrita Sher-Gil

(1913 – 1941)

Sher-Gil war eine indisch-ungarische Künstlerin. Sie lebte ihre Sexualität offen und experimentell aus, wofür sie nicht immer Zustimmung fand. Obwohl sie in Paris auf eine Kunstschule ging, bevorzugte Sher-Gil Indien, um zu malen. In ihren Bildern beschäftigte sie sich intensiv mit der indischen Kultur, Frauenkörpern und ihrer eigenen sexuellen Identität.

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Sonja Sekula

(1918 – 1963)

Sekula wuchs in Luzern auf und zog im Verlauf ihres Lebens mehrmals zwischen den USA, der Schweiz und Frankreich hin und her. Sekulas Kunst ist expressionistisch und meist abstrakt. Sie hatte zeitlebens psychische Probleme, zu denen, wie damals üblich, leider auch ihre Homosexualität gezählt wurde. Sekula, die in New York öffentlich als Lesbe bekannt war, fand selbst aber nie etwas Schlechtes daran.

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Ria Brodell

Ria Brodell ist ein nonbinary trans Künstler* aus Boston. Brodells Bildserie «Butch Heroes» porträtiert Menschen aus früheren Jahrhunderten, die, weiblich geboren, sich männlich präsentierten. Wie immer, wenn man zurück auf das Leben einer Person schaut, ist es schwierig, Labels zu verteilen, womit Brodell sorgfältig umzugehen versucht. Trotzdem war es Brodell ein Anliegen, herauszufinden, wo trans* Menschen früher waren und wie sie ihre Identität auslebten. Die Bilder sind im selben Stil gemalt wie die Heiligen auf katholischen Gebetskarten: Sorgfältig, bunt, mit viel Detail. Sie sind auch online zu finden, ergänzt mit Informationen zum Leben der Person. (www.riabrodell.com/the-paintings)

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Falschsexuelle Schulgruppen

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Falschsexuelle Schulgruppen

Mach deine Schule zu einem besseren Ort für dich und deine queeren Mitschüler_innen!

Cora, 22   Studentin aus Olten

Cora, 22

Studentin aus Olten

Kantonssschule, Gymnasium, Berufsschule – hier verbringen wir jungen Menschen sehr viel Zeit. Obwohl mensch in der Schule tolle Erfahrungen machenund grossartige Freund_innen finden kann, tauchen bei uns Falschsexuellen in der Schule manchmal ein paar Probleme mehr auf, als bei unseren cis-heterosexuellen Mitschüler_innen. Sexualität, Liebe und Identität sind Themen, die im Klassenzimmer und auf dem Schulhof thematisiert werden – allerdings meist nur in Form von Heterosexualität, Hetero-Liebe und binären cis-Geschlechtern. Wir bleiben meist unsichtbar. Dagegen müssen wir etwas tun!

Die Schulgruppen entstehen

Leonie geht an die Berufsschule Winterthur und kennt das Problem. «Ich weiss selber gut, wie es ist, sich nicht über persönliche Erfahrungen austauschen zu können oder sich dabei unwohl zu fühlen», sagt sie. Ihre Schule ist eigentlich recht offen, nur manchmal gibt es schon auch blöde Kommentare.

Nuki von der Berufsschule Aarau (BSA) hat ähnliche Erfahrungen gemacht: «Ich habe gemerkt, dass es nicht immer leicht ist, mit gewissen Reaktionen umzugehen.» Die Gruppe der BSA ist noch in der Planungsphase, doch Nuki hat schon ein klares Bild vor Augen: «Es soll ein Ort von Vertrauen, Akzeptanz, Toleranz und Zusammenhalt geschaffen werden.» Um die Situation an ihren Schulen zu verbessern, haben Leonie, Nuki und viele andere junge queere Menschen eine einfache Lösung gefunden: das Gründen einer falschsexuellen Schulgruppe! «Ich hoffe, anderen LGBTQ+ Personen damit einen sicheren Ort zu bieten, an dem sie sich wohl fühlen können», sagt Leonie. «So eine Gruppe hilft uns zu sehen, dass wir nicht alleine sind», meint Nuki. Ziel aller Schulgruppen ist es, dass queere Jugendliche an der Schule einen Ort haben, wo sie der grossartig bunten, fabulösen Queer-Kultur frönen können und sich gegenseitig unterstützen, damit der Schulalltag ein bisschen offener wird.Die Gruppen erhalten Unterstützung von der Milchjugend, organisieren sich aber eigenständig innerhalb ihrer Schulen, ganz nach den eigenen Ideen. So trifft sich eine Gruppe regelmässig zum Zmittag, eine andere chillt in einem Café, einige treffen sich an oder in der Nähe ihrer Schulen oder bei den Queers zu Hause. Kochen, Spiele spielen, plaudern, Diskussionsrunden stehen bei einigen Gruppen genauso auf dem Plan wie gemeinsame Besuche von queeren Events wie Molke 7 Parties und der Pride. Allen, die an ihren Schulen auch gerne eine Schulgruppe hätten, raten Leonie und Nuki: «Traut euch!» Nuki empfiehlt, andere Queers an der Schule in die Planung mit einzubeziehen, um die Aufgaben untereinander aufzuteilen. Leonie betont, dass mensch zuversichtlich bleiben muss, auch wenn sich Herausforderungen stellen. «An den Schulen braucht es oft noch einige Gespräche. Es gibt aber auch skeptische Menschen», erzählen beide und raten daher, sich Unterstützung bei offenen Lehrpersonen zu holen. Es sei ganz normal, sich am Anfang noch etwas unsicher zu fühlen. Doch: «Es lohnt sich auf jeden Fall!»

Möchtest du Teil einer queeren Schulgruppe sein? Unter milchjugend.ch/schulgruppen kannst du herausfinden, ob es an deiner Schule vielleicht schon eine Gruppe gibt, zu der du dazustossen könntest. Falls nicht, nimm die Sache selbst in die Hand und melde dich via Mail bei der Milchjugend (cora@milchjugend.ch). Wir helfen dir und deinen queeren Mitschüler_innen dabei, eure Schule zu einem bunteren Ort zu machen!

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Queere Podcasts

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Queere Podcasts

TV-Shows sind von gestern, Podcast sind der neue Brenner. Wer heute noch etwas auf sich hält, bildet sich mit Podcasts weiter. Denn diese akustischen Powerhäuser sind nicht bloss informativ, sondern unterhaltend und auch in der queeren Variante erhältlich. 5 Hörtipps für die falschsexuelle Jugend.

Dominique, 27  Aus Zürich

Dominique, 27

Aus Zürich

The L Word, Queer as Folk, Take my Wife, Transparent, Orange Is The New Black, One Day at the Time und Sense8 – queere TV Shows kennen und lieben wir. Sie begleiten uns durch schlechte Tage und hohe Momente, sind mitreissend und unterhaltend.

Dank ihnen können wir mehr und mehr queere Repräsentation auf Bildschirmen sehen und uns wiedererkennen. Das Gefühl von «Falschsein» weicht einem Gemeinschaftsgefühl und die Themen rund um Falschsexualität werden kontinuierlich normalisiert.

Serien sind absolut klasse, doch oft sind sie fiktional und noch öfter werden queere Charaktere von cis-heterosexuellen Schauspieler_innen gespielt. Doch das Bedürfnis nach authentischen falschsexuellen Erlebnissen und Geschichten lässt sich wunderbar durch das vielfältig kreative Angebot von Podcasts decken. Ob mit einer extra Portion Humor, viel Tiefgang oder einfachen thematischen Interviews – für jemensch gibt es «den» Podcast. Gratis, praktisch für unterwegs und mit definitiver Suchtgefahr. In folgende 5 Podcasts muss mensch einfach reinhören!

(Alle Podcasts kannst du entweder auf iTunes, Soundcloud, allenfalls Spotify und sicher auf der Podcast App auf iOS Geräten anhören.)

QueeryCast

Ein Goldstück von US-Comedian Cameron Esposito, welche Personen aus Musik, Kunst oder Film interviewt und deren Geschichten, Träume und Queerness erforscht. Sehr unterhaltsam und ebenso lehrreich. (Englisch) earwolf.com/show/queery

RegenbogenPodcast

Ein relativ junger Podcast, der verschiedenste Themen aus dem Bereich LGBTQIA+ historisch, politisch und sozial diskutiert. Eine Quelle um etwas zu lernen und sich zu informieren – auf Deutsch. regenbogenpodcast.wordpress.com

Queer Sex Ed

Dieser Aufklärungspodcast redet über Trans-Dating, mentale Gesundheit, binäre Geschlechter- konstruktionen und einfach alles, was mensch im Alltag fürs soziale Verständnis helfen kann. (Englisch) queersexed.org

Ohrenstolz Podcast

Unter dem Slogan «queer auf Sendung» hat das Team für neun Jahre gut 180 Folgen den ersten Deutschen queeren Podcast produziert. Auch wenn sie seit 2015 offline sind, etwas zu lernen und lachen gibt’s dennoch. podtail.com/ podcast/ohrenstolz-queer-auf-sendung

Nancy

Kritische Gespräche zwischen zwei queeren besten Freunden – über Alltag, positive und negative Feedbacks von Familie und Freundschaften. Diskussionen mit Leuten, die, damals wie heute, helfen, ihr Gender und ihre Sexualität zu lieben und auszuleben. (Englisch) wnycstudios.org/shows/nancy

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Pride für alle!

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Pride für alle!

Im Juni findet wieder die bunte, wundertolle Pride in Zürich statt. Nicht so bunt ist allerdings das Motto. Ein Aufruf zum Miteinander!

Oli, 23   Studierend

Oli, 23

Studierend

Wie auch schon vor zwei Jahren befasst sich die Pride in ihrem Motto mal wieder mit der Ehe für Alle. Keine Frage, die rechtliche Gleichstellung von nicht-heterosexuellen Paaren ist wichtig. Doch ist das wirklich die einzige Forderung, die unsere Community beschäftigen sollte?

Lilly, 18   Schüler_in

Lilly, 18

Schüler_in

Für eine Bewegung, welche ihren Ursprung in einem vereinten Aufstand von vielen queeren Menschen hat, ist das ziemlich schwach. Der Christopher Street Day, wie die Pride früher hiess, entstand 1970 als Gedenkmarsch gegen die willkürliche Polizeigewalt in der Christopher Street in New York. Von da aus schwappte die Bewegung nach Europa, in Zürich fand 1978 der erste CSD statt. Seit 1999 bestimmt der Verein Pride Festival Zürich ein jährlich wechselndes Motto, passend zu einem aktuellen Thema. Diese Mottos fokussieren sich meistens auf die Interessen von Lesben und Schwulen, andere Gruppen werden nur am Rande erwähnt.

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Der Flyer von diesem Jahr treibt es auf die Spitze, indem er nur Lesben und Schwule erwähnt. Doch die Ehe für alle geht auch Bisexuelle, Pansexuelle, Asexuelle, Transmenschen, Intersexuelle und viele andere Gruppen etwas an. Sie ist auch nicht der letzte Schritt zur Gleichberechtigung, sondern einer der ersten. Auf Nachfrage erklärt der Vorstand des Pride-Komitees diese Vereinfachung damit, dass dieses Design an die heterosexuelle Bevölkerung gerichtet sei, die oft nicht einmal die Abkürzung LGBTI kenne. Sie möchten damit die Unterstützung der heterosexuellen Bevölkerung für unsere Anliegen erreichen. Die Frage ist jedoch: Wer bekommt diesen Flyer eher in die Hand gedrückt – die «heterosexuelle Bevölkerung» oder die queere Community?

Gegen Normen – Widerstand!

Es ist doch so, dass an der Pride verschiedenste queere Gruppen mitlaufen. Und wir kämpfen alle für dasselbe Anliegen – Akzeptanz auf ganzer Linie! Die Mottos für die zukünftigen Prides in Zürich sind noch nicht festgelegt. Neu wird die politische Arbeit der Pride von einer offenen Arbeitsgruppe gemacht, bei der sich laut Vorstand jede_r beteiligen darf. Somit haben wir, die falschsexuelle Jugend, eine Möglichkeit unsere Anliegen mit einzubringen: Wir brauchen gesellschaftliche Akzeptanz für alle LGBTQIA*s, wir fordern weniger Schubladisierung und mehr Regenbogen! Schulter an Schulter, Hand in Hand, gegen Normen – Widerstand!

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Die ultimative Pride-Packliste

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Die ultimative Pride-Packliste

Wenn der Sommer anklopft, Regenbogenfarben zum must-have werden und unsereins akribische Partyplanung macht – dann ist es Juni: Der Pride Monat. Mit einem vollen Programm und Tagendie schnell in Nächte münden und noch schneller in Morgenstunden enden, lohnt es sich, gut vorbereitet zu sein. Wir haben Euch dafür eine Packliste zusammengestellt:

Dominique, 27  Aus Zürich

Dominique, 27

Aus Zürich

•    Sonnencreme und Kopfbedeckung respektive einen Regenschirm

•    Geduld – viele Leute auf engem Raum kann Wartezeiten bei Toiletten, Bar und SBB Billettautomaten verlängern.

•    Kondome oder Dental Dams – guter Sex ist safer Sex

•    Bargeld – vor allem Münz!

•    Eine Decke – damit mensch es sich auf dem Festivalgelände gemütlich machen kann.

.    Eine Regenbogenfahne (Pins gehen auch – je bunter desto besser)

.    Feuerzeug – auch als Nichtraucher_in. Das Anbieten von Feuer hat noch immer zu schneller und guter Konversation geführt.

.    Genügend Wasser

.    ... Und Snacks – Snacks sind auf jeden Fall immer praktisch. Hunger kann die Laune dämpfen.

.    Gutes und bequemes Schuhwerk

.    Alle deine Freund_innen – je mehr ihr seid, desto spassiger wird es.

.    Powerbank oder ein Ladekabel für dein Handy

.    Glitter und buntes Schminkzeug

.    Eine Zahnbürste – gerade, wenn mensch von weit her an die Pride anreist, ist es gut, wenn mensch nicht auf den letzten Zug rennenmuss und bei lieben Freund_innen noch ein Plätzchen zum Schlafen findet.

.    An open mind – Stereotypen, Klischees und Co. können zuhause gelassen werden.

.    Party Pants – nicht deine wirklichen Hosen, sondern die passende Einstellung um Vielfalt und Diversität zu feiern!

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