Johanna, 19   Studentin aus Rombach

Johanna, 19

Studentin aus Rombach

Immer wieder beginnt es zu regnen, hört wieder auf. Immer wieder gehen wir tanzen, ruhen uns aus. Holen uns was zu trinken. Tanzen weiter.

Die Gesichter glitzern, Menschen umarmen sich, stehen am Rande der Geschehnisse, schauen zu. Manche sind mittendrin, verfliessen mit der Musik. Ich spüre wie glücklich ich zwischen all diesen Menschen, die ich seit Minuten, Stunden oder Monaten kenne, bin. Ich kann mich nicht dran erinnern, wann ich das letzte Mal so ausgelassen getanzt habe. Das fühlt sich wunderschön an. Zehn Lieder später machen wir Pause vom Tanzen. Suchen den Weg aus den tanzenden Menschen hinaus. Der Boden, auf dem wir gehen, weicht sich auf, der Himmel über uns ist nachtblau und bewölkt. Ausserhalb der Menge angekommen atme ich die kühle Luft ein. Wir laufen über das Gelände zu der grossen Bühne. Irgendwie hat so eine Bühne etwas Beeindruckendes an sich. Wir klettern hinauf. Meine Hosen sind voller Matsch, meine Oh- ren froh, nicht mehr von lauten Klän- gen umgeben zu sein. So sitzen wir inmitten von goldenen Schnipseln, die auf der Bühne liegen, im Kreis. Wir reden, lachen und schweigen miteinander. Aufgehoben in diesem kleinen, queeren Universum denken wir nicht an morgen, sind im Jetzt.

 

Cora, 22   Studentin aus Olten

Cora, 22

Studentin aus Olten

Die Auswahl fällt mir schwer, denn das lila. hat so viele schöne Dinge geboten. Für mich war es immer dann am schönsten, wenn ich gesehen habe, wie viel Spass dieser bunte Haufen junger queerer Menschen hatte. Leuchtende Augen beim ersten Schritt auf das Gelände, nachdem ich ihnen ihren Bändel umgelegt hatte. Fröhliches Lachen an der Bar, während sie auf ihre Getränke warteten, und die Begeisterung über unser frisches Popcorn. Ausgelassenes Tanzen bei den Konzerten und strahlende Gesichter von Menschen, die frei waren, sich selbst zu sein und sich auszudrücken. Diese Momente zeigen, wie wichtig es ist, dass Räume wie das lila. existieren. Oh, und als die Küche am Samstag gegen 17 Uhr, nach einem eiskalten, verregneten Tag, ein unglaublich gutes Curry auftischte, hat mir das den Abend gerettet.

 

Gianna, 23   Studentin aus Würenlos

Gianna, 23

Studentin aus Würenlos

Irgendwann am Samstag, vielleicht am späten Nachmittag, als das Licht allmählich trüb zu werden beginnt und die Farben verschwinden, vielleicht ist es aber auch schon Abend oder Nacht und es laufen die ersten Konzerte, sitze ich auf dem Turm in der Mitte des Lila Geländes auf dem Stroh. Es regnet, das weiss ich noch genau, weil die Strohquadrate am Rand des Dachs nämlich alle schon feucht und nass sind. Mir ist kalt, mein Wollpullover liegt im Zelt und alles an mir ist ein bisschen nass vom Regen.

Ich bin inmitten von Menschen, von denen sich anfangs noch nicht alle kannten, und die auch ich zum Teil noch nicht kannte, die aber jetzt verknüpft durch gemeinsame Bekanntschaften zu einem Kreis auf Stroh geworden sind. Es wird gesprochen, gescherzt und gelacht, so schnell springen die Wörter umher, dass man dem Gespräch fast unmöglich in seiner Gänze folgen kann. Trotzdem fühle ich mich sehr aufgehoben, weil Menschen, die mir schon vorher lieb waren und neue Menschen, die ich in diesem Moment liebgewinne, um mich sind.

Plötzlich umarmen sich Hände, Handfläche gegen Handfläche, die Daumen um die jeweils andere Hand gelegt, eine Geste, die bald vom ganzen Kreis ausprobiert wird. Als dabei ein Gespräch über Konsens entsteht und darüber gesprochen wird, dass man sich bei jeder Art von Körperkontakt versichern sollte, ob dieser von der anderen Person gewollt ist, ist es um mich geschehen und ich verliebe mich vollends in diesen Kreis von Menschen.

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