Vom 2. 5. bis zum 13. 5. findet das 2 1. Pink Apple Film Festival in Zürich und Frauenfeld statt! Wie jedes Jahr erwarten euch dort glitzrige, verschrobene, laute, aber auch leise und kritische falschsexuelle Filme. Egal, ob ihr gerne über Politik diskutiert, Kunstfilme und Dokumentationen mögt, bei einem Drama ein paar Tränen vergiessen oder einfach auf einer kuschligen Regenbogenwolke für ein paar Stunden den Alltag vergessen wollt: Ihr findet bestimmt etwas, das euch gefällt! Zwei Filme haben wir uns schon einmal für euch angeschaut und wollen sie euch besonders ans Herz legen.

MIXED MESSAGES

Darja, 23   Studentin aus Zürich

Darja, 23

Studentin aus Zürich

Die falschsexuelle Ren ist neu in Berlin und schlägt sich in der dortigen Community zwischen Speed-­Dating, Bondage-­Kursen und Lesbenbars durch. Ren ist eine Anti­-Heldin: Auf ihren Dates geht meistens etwas gran­dios schief, und wenn sie im Club ihren Flirt mal kurz aus den Augen lässt, knutscht dieser mit einer anderen.

Alle scheinen irgendwie cooler als sie zu sein, Teil von etwas, das sie selbst nicht ganz verstanden hat, und obwohl Ren sich gerne in der Community bewegt, obwohl sie viele Frauen* trifft, die an ihr interessiert sind, wirkt sie tapsig: Sie stolpert durch die queere Welt wie Alice imWunderland, die an jeder Ecke eine neue Unglaublichkeit entdeckt. Die Webserie «Mixed Messages» der Re­gisseurin Kanchi Wichmann besteht aus fünfminütigen Episoden, die sich zu einem Film vereinen. In jeder Episode wird eine andere tragikomische Begebenheit aus Rens Leben gezeigt. Kanchi Wichmanns Crew bestand ausschliesslich aus Frau­en*, sowohl vor als auch hinter der Kamera. Die gezeigte Community ist ausgesprochen divers: Die Frauen*, die Ren begehrt, sind dick und dünn, stammen von verschiedenen Kontinenten, sind Trans*perso­nen, Femmes und Butches. Der Cast besteht nicht aus professionellen Schauspielerinnen, sondern aus Freundinnen der Regisseurin und aus Menschen, die tatsächlich Teil der Berliner Queer­-Szene sind.

Ren ist eine queere Protagonistin, mit der mensch sich identifizieren kann – sie tanzt, knutscht, lacht, trinkt, verliert sich, findet sich wieder, und zeigt, wie schön und schlimm und wie furchtbar anstrengend das Leben sein kann, egal ob in der hippen Berliner Queer­-Community oder in einem 500­-Seelen­-Kaff im Kanton Aargau: Sie sucht einfach nach etwas, was funktioniert – für eine Nacht und vielleicht noch für das ge­meinsame Frühstück am nächsten Morgen. Und dieses Gefühl – kennen wir das nicht alle viel zu gut?

 

SCREWED

Johanna, 19   Studentin aus Basel

Johanna, 19

Studentin aus Basel

Mikus Eltern kommen früher von den Ferien nach Hause als geplant und treffen ein zerstörtes Haus an. Toilettenpapier hängt in den Bäumen, der Wohnzimmertisch ist zerbrochen, Farbe klebt an den Wänden und Bierflaschen schmücken die ganze Misere.

Als Strafe muss Miku den Sommer mit seinen zerstrittenen Eltern in einem Ferienhaus in Finnland verbringen. Dort gibt es nichts ausser Flüssen, Wiesen und einer alten Kneipe. Langweiliger kann der Sommer gar nicht werden. Doch dann taucht Elias auf.

Elias und Miku haben abgesehen von ihrem Alter und ihren nicht sehr harmonischen Familiensituationen nichts gemeinsam, doch irgendwie sind sie voneinander fasziniert. Sie verbringen viel Zeit miteinander und Miku setzt sich zum ersten Mal in seinem Leben mit seiner Identität und Sexualität auseinander.

Mensch spürt, dass der Regisseur unglaublich viele Gedanken und Zeit in die Charakteren investiert hat. Dies macht es einfach, sich in die Hauptpersonen hineinzuversetzen und mit ihnen zu fühlen.Die gesamte Machart des Films ist ebenfalls lobenswert. Wunderschö­ne Farbstimmungen und präzise komponierte Szenerien ziehen sich konsequent durch den ganzen Film. Alle, die genug von heteronormati­ven Romanzen haben, sollten sich «Ten thousand Hearts» ansehen und sich eine Zeit lang im ländlichen Finnland verlieren.

Comment