Ein wunderschöner Film über einen Teenie, der dabei ist, seine eigene Identität zu entdecken.

Emma, 23   Studentin aus Bern

Emma, 23

Studentin aus Bern

„Der Begriff „Tomboy“ bezeichnet ein Mädchen, das sich wie ein Junge kleidet, fühlt und be- nimmt.“ So steht es hinten auf der deutschen DVD-Ausgabe dieses Films aus dem Jahr 2011 von Regisseurin Céline Sciamma. Diese hat sich auch in weiteren Filmen der Queerthematik gewidmet: als Regisseurin in Naissance des pieuvres (2006) oder als Drehbuchautorin in Quand on a 17 ans (2016). Mickaël (Zoé Héran), der in den Sommerferien mit seiner Familie neu in einem Wohnblock irgendwo in Frankreich eingezogen ist, kleidet, fühlt und benimmt sich wie ein Junge. Zuhause gilt er noch als jungenhaftes Mädchen, bei den Nachbarskindern nutzt er die Chance des Neuseins und stellt sich nach kurzem Zögern als Junge vor.

Lieb und süss ist dieser Film im Allgemeinen sowieso, wodurch er aber nichts an Tiefe einbüssen muss. Da gibt es etwa Mickaëls jüngere Schwester Jeanne (Malonn Lévana), die wohl weiser als manch ein_e Erwachsene_r reagiert, als ihr klar wird, dass ihr älteres Geschwister sich den neuen Nachbarskindern anders vorgestellt hat, als sie ihn von Zuhause her kennt. Jeanne ist zudem ein Grund an sich, den Film schauen zu gehen, mensch schmilzt fast in jeder Szene mit ihr dahin! Und falls mensch sich einfach eine schöne Sommerromanze für die kommenden kalten Tage ansehen will, darf mensch sich auch darauf freuen: Lisa (Jeanne Disson), ein Nachbarsmädchen, ist von Anfang an sehr angetan von Mickaël, was sie nicht verbirgt. Sie lungert etwa eines Tages im Treppenhaus herum, bis Mickaël vorbeikommt und sie ihn scheinbar zufällig zu sich nachhause einlädt. Nach anfänglicher Schüchternheit tanzen die beiden dort immer ausgelassener zum Song Always der französischen DJs Para One und Tacteel, dem sehr gut ausgewählten und einzigen Song des Films. Wem also nach einem schönen, aber nicht kitschigen Film ist, der zum Schmunzeln und Nachdenken anregt, der_die markiere sich den Sa, 27. Januar 2018 schon mal fett im Kalender, denn dann läuft er um 11 Uhr abends im Kino Odeon, Brugg, als Teil der Milchjugend-Filmreihe „Cine to the Milkyway“.

 

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