Kürzlich fand ich heraus, dass ich mich als Non-Binär identifiziere. Wie etabliere ich am besten meine Non-Binarität in meinem Freundeskreis und beider Verwandtschaft? Und wie werde ich am besten ernstgenommen?

Lou, 16

Hallo Lou,

Non-Binäre Identitäten sind noch immer für viele Mitmenschen nicht greifbar, denn sie passen in keine der Kisten, die wir in unseren Hirnen kultivieren. Eine effektive Art neue Denkmuster zu generieren ist ein Namenswechsel, denn mit einem neuen Namen kannst du eine neue Identität markieren. Mit einem Namenswechsel (oder auch ohne!) kommen zumeist auch neue Pronomen dazu, wobei hier ein Knackpunkt liegt: Wenn du dir unsicher bist, ist empfehlenswert in einem Safe Space (wie z. B. in der Milchjugend) neue Namen, Pronomen oder Kleidung auszuprobieren, bis du findest, was zu dir passt. Sobald du dir sicher bist, wie du am liebsten angesprochen wirst, kannst du das konsequent in deinem näheren Umfeld etablieren. Wenn du eher zur Fluidität tendierst und auch gerne zwischen Namen und Pronomen wechselst, ist gut, deinen Mitmenschen Klarheit darüber zu geben. Denn mangelndes Verständnis führt zu fehlendem Ernstnehmen. Sobald du dir bewusst bist, was deine Identität ist, kannst du auch dafür einstehen, dass sie von deinem Umfeld ernstgenommen wird. Weiter hilft auch, dass du Non-Binäre Freunde oder Vorbilder deinem Umfeld näherbringst, um ihnen zu zeigen, wie vielfältig Non-Binarität ist. Was es am meisten braucht ist Energie, um die Aufklärungsarbeit tagtäglich zu leisten – sei dir deinen Bedürfnissen bewusst, höre auf deinen Körper, gönne dir Pausen und verzweifle nicht an den Menschen, bei denen es dir nicht auf Anhieb gelingt, ihre Kisten umzuformen. Akzeptanz ist schnell eingefordert, doch neue Denkmuster brauchen Zeit.

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