Dario ist in einer christlichen Familie gross geworden. Ich habe mich mit ihm getroffen und mit ihm über seinen Glauben und seine Sexualität gesprochen.

Hattest du je Konflikte mit dir selber wegen deiner Sexualität und deinem Glauben?

  Johanna, 18   Studentin aus Rombach

Johanna, 18

Studentin aus Rombach

Ich hatte nie einen Konflikt mit mir selber. Anders bin ich sowieso, meine Homosexualität ist da das kleinste Problem. Auch mit meinem Glauben habe ich keine Schwierigkeiten. Unter dem Strich kommt es auf die persönliche Interpretation des Glaubens an und wie man die fundamentalen christlichen Werte auf sein eigenes Leben anwendet. Ich sehe keinen Grund warum das nicht funktionieren sollte nur, weil ich schwul bin.

Wie war dein Coming-out in der Kirche?

Es spricht sich halt so rum. Es gab aber nie einen Moment, wo ich vorne auf die Bühne gestanden bin und es allen mitgeteilt habe. Am eindrücklichsten an der ganzen Sache für mich war, wie wenig passierte. Für mich selber und auch in der Gemeinschaft. Es war eigentlich alles wie immer.

War es schwierig für dich innerhalb der Kirche offen mit deiner Sexualität umzugehen?

Innerhalb der Jugendarbeit war es nie ein Problem. Das war wirklich immer klar, es hat mich auch niemand blöd angeguckt. Teilweise hatte ich mit konkreten Personen persönliche Probleme, jemand hat zum Beispiel unwahre Sachen über mich erzählt und immer einen Spruch zu viel gemacht.

Konntest du mit dem umgehen?

Ja, ich konnte mit diesen Dingen gut umgehen. Die anderen der Jugendgruppe haben das ja mitgekriegt und zum Schluss hat sich sogar die Kirchenpflege auf meine Seite gestellt, da die ganze Situation eine ziemliche Diskussion ausgelöst hat.

Hast du Tipps wie sich andere Menschen in ihrem Glaubensumfeld am besten outen können?

Ich würde mir in diesem Umfeld eine Vertrauensperson suchen, die dir zuhört und versucht das Ganze mit dir anzugehen, vor allem sollte diese Person nichts ausplaudern. In Gemeinschaften können sich solche «Neuigkeiten» schnell rumsprechen, darum sollte man vorsichtig sein. Aber nicht vergessen, in den meisten Fällen ist es am Schluss nie so tragisch wie man es sich vorstellt.

Was würdest du anderen raten, wenn einen das Glaubensumfeld nicht mehr akzeptiert?

Wenn mich die Menschen aus meiner Kirche nicht mehr akzeptiert hätten, wäre das für mich ein massives Problem gewesen. Ich hätte nicht versucht mit ihnen den Kontakt zu halten, diese Inakzeptanz wäre nämlich eine Beleidigung an mich persönlich, wie auch an meinen Glauben gewesen. Darum würde ich mich von einer Gemeinschaft, die mich nicht akzeptiert, wie ich bin, unbedingt distanzieren, jedoch nicht vom Glauben. Es gibt nämlich genug Glaubensgemeinschaften, die jede_n so akzeptieren wie man ist.

Wird in deiner Kirche offen über Anderssexualität gesprochen?

Nein, nicht wirklich. Man redet ja generell nicht viel mit anderen in der Kirche. Unterschwellig hat sich eine Diskussion entfacht, weil sich noch nie jemand Gedanken über Falschsexualität gemacht hat. Falschsexualität wird im Grunde nicht als schlecht angesehen, es existiert einfach gar nicht. Die ganze Thematik wurde auch nie angesprochen, da noch niemand vor mir in dieser Kirche ein Coming-out hatte.

Wie du erwähnt hast, hat dein Coming-out die Menschen dazu bewegt, sich Gedanken über Falschsexualität zu machen, was hast du davon mitgekriegt?

In der Zeit, als meine Homosexualität Thema war, sind nie Menschen zu mir gekommen und haben mich gefragt, was ich da eigentlich für Schwachsinn mache; im Gegenteil, einige suchten das Gespräch mit mir, weil sie sich noch nie überlegt haben, dass man anders lieben kann und darf. Viele ermutigten mich sogar, weil die Kirche, durch das Ansprechen dieses Themas, gegenüber falschsexuellen Menschen immer wie offener wird. Nur durch aktives Vorleben erreicht man erwünschte Veränderungen.

Einmal kam sogar der Pfarrer zu mir und sagte, wenn es das nicht erträgt, wisse er auch nicht mehr weiter.

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