ICH HABE GELERNT, DASS GESCHLECHT ZWISCHEN DEN OHREN UND NICHT ZWISCHEN DEN BEINEN «SITZT». DAS MACHT FÜR MICH MITTLERWEILE VIEL SINN. NUN FRAGE ICH MICH ABER, WESHALB VIELE TRANS* MENSCHEN DAS BEDÜRFNIS HABEN GESCHLECHTSANGLEICHENDE OPERATIONEN DURCHZUFÜHREN. WIRD NICHT GERADE DADURCH DIE VERALTETE NORM, DASS MÄNNER* EINEN PENIS UND FRAUEN* EINE VAGINA HABEN MÜSSEN, BESTÄRKT? FABI

Du hast recht. Geschlecht hat in vielerlei Hinsicht psychologische und mentale Komponenten. Mensch spricht dabei von der Geschlechtsidentität oder im Englischen von «gender». Aber so kompliziert wie die menschliche Psyche ist, so verworren ist sie auch. Was ich damit sagen will, ist, dass zwischen unseren Ohren – wie du es ausdrückst – vieles abgeht, dass wir nicht rationalisieren können. So zum Beispiel unser Körperbefinden. Wie wohl wir uns im eigenen Körper fühlen hängt von Emotionen ab, auf die unser Verstand kaum Einfluss zu nehmen vermag. Da kann mensch sich lange einreden, dass Geschlecht ein reines Gesellschaftskonstrukt ist; besteht das Gefühl, dass am Hals kein Adamsapfel oder am Oberkörper keine Brust sein soll, ist mensch dieser Emotion gegenüber machtlos. Verzweiflung, Wut und Dysphorie halten Einzug in die Stimmung und machen dir dein Leben schwer. Eine Operation ist im diesem Fall überhaupt nichts Kosmetisches mehr, sondern viel mehr eine überlebenswichtige Massnahme. Jene Gefühle kommen nicht bei allen trans* Menschen vor. Viele Leute, die trans’ sind, wollen oder können sich keinen Operationen unterziehen. Sie transitionieren auf anderen Wegen oder gar nicht.

Ich glaube fest daran, dass diese Emotionen nicht von irgendwoher kommen, sondern dass sie Produkte einer cis-heteronormativen Realität sind, die es zu überwinden gilt. Doch um die Welt zu verändern muss mensch stark sein. Und das können wir nur, wenn wir uns wohl im eigenen Körper fühlen.

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