Innerhalb des letzten Jahres wurden in der Schweiz zwei neue Jugendgruppen für falschsexuelle Jugendliche gegründet.

Die Gründer_innen erzählen, warum.

 Tobi, 22  Student aus Zürich

Tobi, 22

Student aus Zürich

Alle, die in einer Provinzstadt oder auf dem Land aufgewachsen sind, kennen es: Mensch würde gerne mit anderen falschsexuellen Jugendlichen in Kontakt treten, doch die nächste Jugendgruppe ist in der nächsten grossen Stadt und damit viel zu weit weg. Das Internet ist zwar toll und verbindet Menschen miteinander, aber eine Begegnung face-to-face ist immer noch etwas Anderes, als elektronischer Kontakt.

Diesem Problem wollen Pascal mit seinem Team in Chur und Anna und Tobi in Schaffhausen mit neuen falschsexuellen Jugendgruppen begegnen.

  Pascal, 23   Medizinstudent aus Chur

Pascal, 23

Medizinstudent aus Chur

Vom Kiss-In zur Jugendgruppe

Pascal erzählt, was ihn dazu bewog, eine Gruppe zu gründen: «‹Wäh› oder ‹Pfui›, solche Worte hörten wir im September 2015 am Churer Bahnhof. Gerichtet waren sie an vierzig queere Menschen, die im Zuge eines Kiss-Ins gegen den Churer Bischof einander auf offener Strasse küssten. Das Protest-Küssen war ein voller Erfolg, jedoch war zu spüren, dass Verachtung gegenüber queeren Menschen Realität ist. Dort kamen einige Jugendliche auf mich zu und fragten, ob es eine Gruppe gäbe für queere Menschen. Leider musste ich diese Frage verneinen – das gehört nun aber der Vergangenheit an, denn mittlerweile haben wir die queere Jugendgruppe «whatever» gegründet!».

Sichtbarkeit schaffen

Mit den neu gegründeten Jugendgruppen geht es darum, dass Falschsexuelle endlich auch in den Kleinstädten sichtbar werden und zu zeigen, dass sie ein selbstverständlicher Teil des Stadtbilds sind. Tobi betont, dass er sich in seiner alten Heimat oftmals eingeengt fühlte: «Ich konnte nicht wirklich sein, wer ich bin. In Schaffhausen steht man ständig unter Beobachtung. Weicht man nur ein bisschen von der Norm ab, wird das registriert.» Darum sei es auch so wichtig, falschsexuellen Jugendlichen einen Platz zu bieten, wo sie sich wohl fühlen können – einen Safe-Space. Und nun nach einem Jahr Vorbereitung ist es endlich so weit, er und Anna eröffnen gemeinsam den Treff ANDERSH, der immer am letzten Donnerstag des Monats stattfindet.

Grosses Bedürfnis

Pascal und seine Gruppe waren seit der Gründung sehr aktiv. Sie treffen sich jeden ersten Donnerstag des Monats in den Räumen der Jugendarbeit Stadt Chur. Er erzählt: «Wir haben schon zusammen Spiele gespielt, gegessen, einen Workshop zur Queer-History gemacht oder queere Filme angeschaut. Das Bedürfnis nach einer solchen Gruppe ist sehr gross, über Mail, Purplemoon und auch über Facebook erreichen uns Anfragen von Leuten, die auch gerne mal kommen möchten. Das freut uns natürlich sehr, denn bei uns sind alle Menschen herzlich willkommen!»

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