Karo:

Sascha, 24   Schüler_in aus Olten

Sascha, 24

Schüler_in aus Olten

«Female to WTF» stellt das Leben von sechs Transmännern in Ös- terreich dar. Die Protagonisten haben unterschiedliche Hintergründe und Lebensumstände, und für jede Person hat «männlich sein» eine eigene Bedeutung. Alle haben das Bedürfnis nach Akzeptanz, nicht nur als Transmenschen, sondern auch in ihren kompletten, manchmal auch wechselnden Identitäten. Jede Reise in die eigene Authentizität ist einzigartig, aber natürlich brauchen die Transmenschen Kommunikation miteinander.

Sascha:

Karo, 27   Informatikerin aus Zürich

Karo, 27

Informatikerin aus Zürich

Genau das macht FtWTF zu einem so tollen Film! Wie die Beschrei- bung dazu bereits sagt, fängt der Film dort an, wo andere Trans*Do- kumentarfilme aufhören – das habe ich den ganzen Film hindurch gespürt: Er interessiert sich unwesentlich für körperliche Anglei- chungen, er interessiert sich für das individuelle Verständnis der Identitäten, die diskutiert werden. Er zeigt Überschneidungen und Abweichungen, lässt die Darsteller_innen miteinander diskutieren, die Identitäten miteinander diskutieren. DAS macht diesen Film aus!

Karo:

So ist für mich auch eine der stärksten Szenen im Film eine, in der es um Kommunikation geht: Dorian redet mit Nick, der zuerst als Lesbe und danach als Mann in einer Polybeziehung mit einer queeren Frau durch das Leben gegangen ist. Nick war am Anfang mit seinem Leben als Butch-Lesbe ziemlich zufrieden und wurde dann während seiner Transition von seiner Partnerin unterstützt. Dorian stellt dem seine Erfahrung gegenüber, die anders gewesen ist: Er hat sich nie wirklich akzeptiert gefühlt, weder als Lesbe noch als schwuler Mann (wobei er noch stets auf der Suche ist, von welchem Geschlecht oder von welchen Geschlechtern er sich angezogen fühlt). Eine andere besondere Stelle von Dorians Geschichte war für mich diejenige, als er an einem Playfighting teilnimmt. Er kämpft da mit einem anderen Mann. Als ich den Film sah, hatte ich den starken Eindruck, dass diese Aktion, wo die beiden Männer ringen und ein paar andere Menschen zuschauen, eine Art gemeinsame Anerkennung von Kraft zwischen den Männern verkörpert. Und ich dachte, vermutlich war genau diese Anerkennung für Dorian ziemlich wichtig. Als nicht-binäre Person kann ich dieses Bedürfnis gut verstehen.

Sascha:

Diese Szene hat mich auch beeindruckt, auch wenn gerade Dorian derjenige war, mit dem ich mich am wenigsten identifizieren konnte. In FtWTF geht es aber nicht darum, sich mit allem und jedem identifizieren zu können (und diese Frage wird im Film sogar von Nick und Dorian diskutiert), es geht vielmehr darum, ein queeres Verständnis von Geschlecht aus verschiedenen Perspektiven, durch unterschiedliche Akteur_innen zu gestalten. Der grösste gemeinsame Nenner dabei ist, dass alle gezeigten Personen bei Geburt dem weiblichen Geschlecht zugewiesen worden sind und wunderbar zu beobachten ist, wie alle daraus etwas ganz Unterschiedliches ge- macht haben. Diese Zuschreibung ist quasi nur noch im Titel, nämlich in «Female to», vorhanden.

Karo:

Ich fand den Film spannend und auch aufschlussreich, weil er für mich eine Vertiefung des Themas Trans-Sein anbot. Menschen, die sich bereits damit beschäftigt haben, haben die Gelegenheit, neue Nuancen des Trans- und Männlich-Seins zu entdecken und auch einer Vielfalt von Menschen und Lebenswegen zu begegnen, die mensch gut nachvollziehen kann. Sehr empfehlenswert!

 

-Karo und Sascha haben den Film «Female to WTF» am Coming Out Day 2016 in Zürich im Kino Xenix gesehen. Es ist das erste Mal, dass ein Trans*thema im Hauptact der Coming Out Days gezeigt wurde und es war auch der bestbesuchte Film des diesjährigen Events.

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