PinkCop und die Teilnahme an der Pride - Interview mit Lea Herzig über Pride, Polizei, Aufklärung und Reformation. Ein Profil der Bunten bei der Polizei in Zürich und deren Bestreben.

Lea, wer bist du?

Ben, 24   aus Bollingen

Ben, 24

aus Bollingen

Ich war insgesamt fünf Jahre lang bei der Stadtpolizei Zürich als Streifenwagenpolizistin tätig. Vor drei Jahren habe ich die Uniform an den Nagel gehängt und studiere jetzt Jura an der Uni Zürich. Seit 2010 bin ich im Vorstand von PinkCop und seit sechs Jahren engagiere ich mich beim Zurich Pride Festival als Leiterin Sicherheit, seit 2016 im Vorstand. Ich bin 32 Jahre alt und seit 16 Jahren glücklich und stolz mit meiner lesbischen Liebesweise unterwegs.

PinkCop, was ist das?

Wir sind ein Verein für lesbische, schwule und trans* Polizist_innen. Uns gibt es seit 2008. Wir zählen etwa 140 Mitglieder. Einerseits sind wir ein ganz normaler Verein, wir gehen zusammen aus, essen zusammen, unternehmen etwas. Aber wir setzen uns auch für Diversity in der Polizei ein. Wir unterrichten an der Polizeischule in Zürich zum Thema Trans* und Homosexualität, betreiben also Aufklärungsarbeit in der Polizei. Wir sind keine «Sondereinheit» für LGBT*-Fälle: Wir vertreten die Meinung, dass jede_r Polizist_in fähig sein muss, mit jedem Menschen der Situation angepasst umgehen zu können. Welche Identität, welche sexuelle Orientierung, welcher kulturelle Hintergrund, welche Fähigkeiten oder Einschränkungen dieser Mensch hat, soll keine Rolle spielen.

Wie sieht euer Engagement in der LGBT*-Community aus?

Wir sind Mitglied der Dachorganisation «European LGBT Police Association» und verknüpfen uns so mit Kolleg_innen aus Europa und aller Welt. Dabei unterstützen wir Polizist_innen aus Ländern, die zwar einen LGBT*-Verein gründen möchten, jedoch Unmengen von Steinen in den Weg gelegt bekommen. PinkCop erhält Anfragen von jungen Menschen, die zur Polizei möchten, jedoch verunsichert sind, ob sie wegen ihrer Trans*identität oder Homosexualität abgelehnt würden. Für diese oder für Polizist_innen, die in ihrem beruflichen Umfeld noch nicht geoutet sind, bieten wir Unterstützung. Ausserdem haben wir vor einigen Jahren einen Gewaltschutzflyer lanciert, der Betroffene von trans*/homophoben Übergriffen dazu ermutigt, Anzeige bei der Polizei zu erstatten. Innerhalb der Community ist die die Angst vor Diskriminierung durch Polizeibeamt_innen immer noch gross. Wir versuchen aufzuklären und diese Angst zu nehmen. Es ist wichtig, dass trans*/ homophobe Straftaten angezeigt werden und die Täter_innen zur Rechenschaft gezogen werden. PinkCop ist Mitinitiantin der LGBT+Helpline, wo Übergriffe anonym gemeldet werden können – es geht darum, Zahlen zu erheben, die zentral sind, um politischen Druck auszuüben.

Wie hat das Motte der diesjährigen Pride auf euch gewirkt?

Das diesjährige Motto «Sicherheit für LGBT*-Flüchtlinge» lag PinkCop besonders am Herzen. Wir haben anfangs Jahr zwei Frauen kennengelernt, die in ihrer Heimat, der Ostukraine, Polizistinnen waren. Aufgrund des Gewaltkonflikts im Land und der Tatsache, dass sie als Lesben weder sicher noch frei waren, ihre Liebe offen zu leben, sind sie in die Schweiz geflüchtet. Pink- Cop hat sie im Verein aufgenommen und unterstützt sie seither in Bezug auf die laufenden Asylverfahren und das Finden von Anschluss in der Gesellschaft. Die beiden sind voller Stolz in unserer Mitte an der Demo mitgelaufen. Es ist grossartig, dass sich die Zurich Pride dieses wichtige politische Thema 2017 auf die Brust geschrieben hat.

Es gab eine Kontroverse über die Teilnahme der PinkCops an der Pride 2017, eine Petition.

Davon haben wir gehört. Wir fühlten uns aber nicht angesprochen. Ich bin über ein solches Vorgehen irritiert: Es wird ein Bedürfnis geäussert, aber keine Bereitschaft gezeigt, dieses zu diskutieren. PinkCop ist über diverse Kanäle erreichbar – es ist jedoch nie jemand auf uns zugekommen und hat uns angesprochen.

Woher, denkst du, kommt diese Ablehnung?

Ich glaube, der_die Initiant_in weiss gar nicht, wer PinkCop ist und was wir machen. Er_sie liest nur «Polizei» und schäumt vor Wut. Ich kann mir nicht vorstellen, dass mensch in der Community etwas gegen die Arbeit und die Teilnahme von PinkCop an der Pride haben kann, wenn mensch unseren Einsatz für die Community kennt. Oder wäre diesen Menschen lieber, dass es niemenschen gäbe, der bei der Polizei versucht, Brücken zwischen verstaubten Weltanschauungen und LGBT*-Bedürfnissen zu bauen? Natürlich darf mensch kritisch sein. Für pauschale Wut gegen uns, weil wir den Beruf des_der Polizist_in ausüben, habe ich jedoch kein Verständnis.

Wie gehst du mit den Vorbehalten gegenüber der Polizei in der LGBT*-Community um?

Ich glaube, die Mehrheit der Community schätzt es, eine Verbündete innerhalb der Polizei zu wissen. Polizei-Kritischen möchte ich erklären, dass PinkCop nicht «die Polizei» ist, sondern ein buntes Rad in einem Mechanismus, in dem es Dutzende Räder gibt, die teilweise seit Jahrzenten in die gleiche Richtung laufen. Das bunte Rad versteht sich als Bereicherung für den Mechanismus selbst und die Aussenwelt. Es versucht, intern immer mal wieder eine neue Drehrichtung aufzuzeigen.

Wie sieht die Zukunft von PinkCop aus?

Wir haben an der letzten Generalversammlung beschlossen, vermehrt mit Regional-Vertreter_innen zu arbeiten. Für eine Polizistin aus Zürich ist es z.B. schwierig zu wissen, was die Probleme einer Kollegin in einer Bündner Gemeinde sind und welche Möglichkeiten es dort gibt, sich gegen Trans*/Homophobie einzusetzen. Ebenso weiss ich als Cis-Frau nicht unbedingt, was eine trans* Kollegin genau braucht. Unser Verein ist wichtig sowohl für die interne Aufklärungsarbeit in einem mehrheitlich konservativen Umfeld als auch für die Brückenbildung zwischen Polizei und LGBT*-Community. Wir hoffen, noch viele graue Räder in andere Denkrichtungen drehen zu können.

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