«Man wird nicht als Frau geboren, man wird es.»

In letzter Zeit habe ich viel über dieses Zitat vonSimone de Beauvoir nachgedacht – hier einige meiner Gedanken.

Nadia, 20   Schülerin aus Maur

Nadia, 20

Schülerin aus Maur

Eine Frau zu sein oder ein Mann zu sein, erfordert Mühe, Arbeit, das Unterdrücken einiger Bestandteile der Persönlichkeit und das Betonen anderer. Die Werbung diktiert uns, wie wir auszusehen haben, wo wir einzukaufen haben, wann wir «sündigen» dürfen und was wir uns von diesem Leben erhoffen sollen. Ungeschriebene Verhaltensregeln bringen uns bei, ob wir einer Person schon zurückschreiben dürfen, wen wir küssen, wie oft wir ficken, wie wir lieben sollen. Die Normen des Männlichen und des Weiblichen werden mit brutaler Härte diktiert und dulden keinen Widerspruch.

Unsere Gesellschaft baut grundlegend auf dem Mythos des binären Geschlechtersystems auf. Werbung, Medien, Filme, Bücher und geschlechtsspezifische Produkte – überall werden binäre Stereotypen reproduziert. Ab dem Moment, in dem die Hebamme uns der noch keuchenden Mutter zeigt und lächelnd meint: «Es ist ein Mädchen!» oder «Es ist ein Junge!» ist festgelegt, wie wir zukünftig zu handeln, zu denken, aufzutreten und auszusehen haben.

Oft genug ist dieses binäre Geschlechtersystem nichts als eine Zwangsjacke für die menschliche Seele. Menschen sind mehr als Einsen und Nullen, als A oder B, als plus oder minus. Und doch wird die Menschheit auf zwei klar voneinander getrennten Kategorien reduziert. Wer sich nicht darin wiederfinden will oder kann, muss mit negativen Reaktionen rechnen.

Auszubrechen aus diesen Normen und Verhaltenskatalogen kann Angst machen. Auszubrechen aus all diesen Regeln, wie ich zu sein habe – leise und anständig und einfach «ein nettes Mädchen» – hat mir verdammt viel Angst gemacht. Doch mein Leben lang ein braves Mädchen zu bleiben, alles Wertvolle in mir, meine Träume und Ideen und Spinnereien trist und eintönig werden zu lassen, hat mir noch mehr Angst gemacht.

Die Realität besteht nicht nur aus einer cis-männlichen und einer cis-weiblichen Gussform, aus Adam und Eva, aus Barbie und Ken. Die Binarität dürfen die Computer gerne für sich behalten, denn wir alle sind so viel mehr. Wir sind die, die zu laut lachen und zu viel reden und eine neue Welt wollen, die knapp ausser Reichweite ist. Wir tanzen und träumen und verbrennen unsere Finger an all den gefangenen Sternen und erfreuen uns an unserer wunderbaren, bunten Falschheit.

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