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Dezember 2017

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Der Jugend erste Male

Dieses Mal: Das erste Coming-Out als trans*

Erzählt von Kim, 23

Meine ersten Kontakte mit dem Thema «Trans», und «Transmännlichkeiten» waren nicht wirklich positiv. In den Medien wurden Trans*Menschen fast immer als unglücklich portraitiert– und nur einer war glücklich, nämlich Balian Buschbaum, mit der Begründung das sei er nur, weil er vorher intensiv Sport betrieben habe und darum einen athletischen Männerkörper bewohne. Als ich das erste Mal mit einem Trans* Mann im Internet schrieb, wurde ich von ihm nicht ernst genommen, weil ich mein eigenes Transsein erst am Andenken war und mich noch nicht klar positionierte.

Auf mein erstes inneres Outing folgte deshalb erstmal Verdrängung. Dann aber hatte ich ein unerwartet positives Erlebnis: Eine Lehrperson an meiner Schule outete sich als Trans*Mann. Das führte auch zu meinem zweiten inneren und ersten äusseren Outing. Ich war begeistert davon, dass er trans* sein kann und darf und das auch macht. Und ich sah eine reale Chance darin, dass ich auch trans* sein kann und darf und das machen möchte. Und das machte ich dann auch!

Ich outete mich als trans*, empowert, glücklich. Als ich recherchierte, fand ich auch andere Trans*Menschen, die empowert und glücklich sind. Und ich war froh, dass dieser Lehrer mir Mut gemacht hatte, seine Sichtbarkeit meine Sichtbarkeit förderte, und meine Sichtbarkeit vielleicht zur Sichtbarkeit Anderer führt.

Ich freue mich jeden Tag über die Sichtbarkeit von Trans*Menschen. Dicken und dünnen, traurigen und glücklichen, schwarzen, schwulen, behindert werdenden, religiösen und atheistischen und allen anderen. Und bin froh, dass ich inzwischen nicht mehr nur negative Bilder im Kopf habe.

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Moonlight

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Moonlight

Barry Jenkins’ „Moonlight“ ist ein berührender Film über einen Jungen, der auf viele Arten anders ist.

Gianna, 23   Studentin aus Würenlos

Gianna, 23

Studentin aus Würenlos

Obwohl es in Moonlight um das Leben einen jungen, queeren, schwarzen Mannes in einem der ärmeren Viertel von Miami geht, ein Leben, das nicht unterschiedlicher zu meinem sein könnte, habe ich mich selten so wiedererkannt in einer Figur, in seiner Fremdheit und Ferne zu anderen Menschen.

Wir folgen Chiron durch nach seinem jeweiligen Rufnamen benannte Lebensabschnitte: 1. Little (“Kleiner”, gespielt von Alex R. Hibbert), 2. Chiron (Ashton Sanders) und 3. Black (Trevante Rhodes). Sein Erwachsenwerden ist schwer: Während seine Mutter Drogen nimmt und gleichaltrige Jungs seine Andersartigkeit spüren und bestrafen, fühlt er sich zu seinem einzigen Freund Kevin hingezogen. Als sich die zwei Teenager eines nachts näher kommen, tritt die grosse Verletzlichkeit und Unsicherheit Chirons schmerzlich zu Tage und der Kontrast zum entspannten Kevin (gespielt von Jharrel Jerome) ist noch deutlicher als zuvor. Es ist bemerkenswert, dass die intime Nähe, welche wir zwischen Chiron und Kevin spüren, durch den Film und die drei Altersstufen in ihrem Charakter erhalten bleibt.

Dadurch, dass der Film mit klassischer Musik unterlegt ist, ergibt sich ein fast traumhaft anmutender Abstand zur Handlung und den Personen, jedoch kein Abstand zu Chiron selbst; im Gegenteil, durch die fast beklemmenden Streicherklänge ziehen wir uns mit Chiron in sein Innerstes zurück. Moonlight ist eine Geschichte über das Erwachsenwerden in widrigen Umständen, erzählt mit einer Ehrlichkeit und Wärme, die berührt.

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Tomboy

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Tomboy

Ein wunderschöner Film über einen Teenie, der dabei ist, seine eigene Identität zu entdecken.

Emma, 23   Studentin aus Bern

Emma, 23

Studentin aus Bern

„Der Begriff „Tomboy“ bezeichnet ein Mädchen, das sich wie ein Junge kleidet, fühlt und be- nimmt.“ So steht es hinten auf der deutschen DVD-Ausgabe dieses Films aus dem Jahr 2011 von Regisseurin Céline Sciamma. Diese hat sich auch in weiteren Filmen der Queerthematik gewidmet: als Regisseurin in Naissance des pieuvres (2006) oder als Drehbuchautorin in Quand on a 17 ans (2016). Mickaël (Zoé Héran), der in den Sommerferien mit seiner Familie neu in einem Wohnblock irgendwo in Frankreich eingezogen ist, kleidet, fühlt und benimmt sich wie ein Junge. Zuhause gilt er noch als jungenhaftes Mädchen, bei den Nachbarskindern nutzt er die Chance des Neuseins und stellt sich nach kurzem Zögern als Junge vor.

Lieb und süss ist dieser Film im Allgemeinen sowieso, wodurch er aber nichts an Tiefe einbüssen muss. Da gibt es etwa Mickaëls jüngere Schwester Jeanne (Malonn Lévana), die wohl weiser als manch ein_e Erwachsene_r reagiert, als ihr klar wird, dass ihr älteres Geschwister sich den neuen Nachbarskindern anders vorgestellt hat, als sie ihn von Zuhause her kennt. Jeanne ist zudem ein Grund an sich, den Film schauen zu gehen, mensch schmilzt fast in jeder Szene mit ihr dahin! Und falls mensch sich einfach eine schöne Sommerromanze für die kommenden kalten Tage ansehen will, darf mensch sich auch darauf freuen: Lisa (Jeanne Disson), ein Nachbarsmädchen, ist von Anfang an sehr angetan von Mickaël, was sie nicht verbirgt. Sie lungert etwa eines Tages im Treppenhaus herum, bis Mickaël vorbeikommt und sie ihn scheinbar zufällig zu sich nachhause einlädt. Nach anfänglicher Schüchternheit tanzen die beiden dort immer ausgelassener zum Song Always der französischen DJs Para One und Tacteel, dem sehr gut ausgewählten und einzigen Song des Films. Wem also nach einem schönen, aber nicht kitschigen Film ist, der zum Schmunzeln und Nachdenken anregt, der_die markiere sich den Sa, 27. Januar 2018 schon mal fett im Kalender, denn dann läuft er um 11 Uhr abends im Kino Odeon, Brugg, als Teil der Milchjugend-Filmreihe „Cine to the Milkyway“.

 

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