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Filmtipp

21. PINK APPLE FILM FESTIVAL

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21. PINK APPLE FILM FESTIVAL

Vom 2. 5. bis zum 13. 5. findet das 2 1. Pink Apple Film Festival in Zürich und Frauenfeld statt! Wie jedes Jahr erwarten euch dort glitzrige, verschrobene, laute, aber auch leise und kritische falschsexuelle Filme. Egal, ob ihr gerne über Politik diskutiert, Kunstfilme und Dokumentationen mögt, bei einem Drama ein paar Tränen vergiessen oder einfach auf einer kuschligen Regenbogenwolke für ein paar Stunden den Alltag vergessen wollt: Ihr findet bestimmt etwas, das euch gefällt! Zwei Filme haben wir uns schon einmal für euch angeschaut und wollen sie euch besonders ans Herz legen.

MIXED MESSAGES

Darja, 23   Studentin aus Zürich

Darja, 23

Studentin aus Zürich

Die falschsexuelle Ren ist neu in Berlin und schlägt sich in der dortigen Community zwischen Speed-­Dating, Bondage-­Kursen und Lesbenbars durch. Ren ist eine Anti­-Heldin: Auf ihren Dates geht meistens etwas gran­dios schief, und wenn sie im Club ihren Flirt mal kurz aus den Augen lässt, knutscht dieser mit einer anderen.

Alle scheinen irgendwie cooler als sie zu sein, Teil von etwas, das sie selbst nicht ganz verstanden hat, und obwohl Ren sich gerne in der Community bewegt, obwohl sie viele Frauen* trifft, die an ihr interessiert sind, wirkt sie tapsig: Sie stolpert durch die queere Welt wie Alice imWunderland, die an jeder Ecke eine neue Unglaublichkeit entdeckt. Die Webserie «Mixed Messages» der Re­gisseurin Kanchi Wichmann besteht aus fünfminütigen Episoden, die sich zu einem Film vereinen. In jeder Episode wird eine andere tragikomische Begebenheit aus Rens Leben gezeigt. Kanchi Wichmanns Crew bestand ausschliesslich aus Frau­en*, sowohl vor als auch hinter der Kamera. Die gezeigte Community ist ausgesprochen divers: Die Frauen*, die Ren begehrt, sind dick und dünn, stammen von verschiedenen Kontinenten, sind Trans*perso­nen, Femmes und Butches. Der Cast besteht nicht aus professionellen Schauspielerinnen, sondern aus Freundinnen der Regisseurin und aus Menschen, die tatsächlich Teil der Berliner Queer­-Szene sind.

Ren ist eine queere Protagonistin, mit der mensch sich identifizieren kann – sie tanzt, knutscht, lacht, trinkt, verliert sich, findet sich wieder, und zeigt, wie schön und schlimm und wie furchtbar anstrengend das Leben sein kann, egal ob in der hippen Berliner Queer­-Community oder in einem 500­-Seelen­-Kaff im Kanton Aargau: Sie sucht einfach nach etwas, was funktioniert – für eine Nacht und vielleicht noch für das ge­meinsame Frühstück am nächsten Morgen. Und dieses Gefühl – kennen wir das nicht alle viel zu gut?

 

SCREWED

Johanna, 19   Studentin aus Basel

Johanna, 19

Studentin aus Basel

Mikus Eltern kommen früher von den Ferien nach Hause als geplant und treffen ein zerstörtes Haus an. Toilettenpapier hängt in den Bäumen, der Wohnzimmertisch ist zerbrochen, Farbe klebt an den Wänden und Bierflaschen schmücken die ganze Misere.

Als Strafe muss Miku den Sommer mit seinen zerstrittenen Eltern in einem Ferienhaus in Finnland verbringen. Dort gibt es nichts ausser Flüssen, Wiesen und einer alten Kneipe. Langweiliger kann der Sommer gar nicht werden. Doch dann taucht Elias auf.

Elias und Miku haben abgesehen von ihrem Alter und ihren nicht sehr harmonischen Familiensituationen nichts gemeinsam, doch irgendwie sind sie voneinander fasziniert. Sie verbringen viel Zeit miteinander und Miku setzt sich zum ersten Mal in seinem Leben mit seiner Identität und Sexualität auseinander.

Mensch spürt, dass der Regisseur unglaublich viele Gedanken und Zeit in die Charakteren investiert hat. Dies macht es einfach, sich in die Hauptpersonen hineinzuversetzen und mit ihnen zu fühlen.Die gesamte Machart des Films ist ebenfalls lobenswert. Wunderschö­ne Farbstimmungen und präzise komponierte Szenerien ziehen sich konsequent durch den ganzen Film. Alle, die genug von heteronormati­ven Romanzen haben, sollten sich «Ten thousand Hearts» ansehen und sich eine Zeit lang im ländlichen Finnland verlieren.

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Moonlight

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Moonlight

Barry Jenkins’ „Moonlight“ ist ein berührender Film über einen Jungen, der auf viele Arten anders ist.

Gianna, 23   Studentin aus Würenlos

Gianna, 23

Studentin aus Würenlos

Obwohl es in Moonlight um das Leben einen jungen, queeren, schwarzen Mannes in einem der ärmeren Viertel von Miami geht, ein Leben, das nicht unterschiedlicher zu meinem sein könnte, habe ich mich selten so wiedererkannt in einer Figur, in seiner Fremdheit und Ferne zu anderen Menschen.

Wir folgen Chiron durch nach seinem jeweiligen Rufnamen benannte Lebensabschnitte: 1. Little (“Kleiner”, gespielt von Alex R. Hibbert), 2. Chiron (Ashton Sanders) und 3. Black (Trevante Rhodes). Sein Erwachsenwerden ist schwer: Während seine Mutter Drogen nimmt und gleichaltrige Jungs seine Andersartigkeit spüren und bestrafen, fühlt er sich zu seinem einzigen Freund Kevin hingezogen. Als sich die zwei Teenager eines nachts näher kommen, tritt die grosse Verletzlichkeit und Unsicherheit Chirons schmerzlich zu Tage und der Kontrast zum entspannten Kevin (gespielt von Jharrel Jerome) ist noch deutlicher als zuvor. Es ist bemerkenswert, dass die intime Nähe, welche wir zwischen Chiron und Kevin spüren, durch den Film und die drei Altersstufen in ihrem Charakter erhalten bleibt.

Dadurch, dass der Film mit klassischer Musik unterlegt ist, ergibt sich ein fast traumhaft anmutender Abstand zur Handlung und den Personen, jedoch kein Abstand zu Chiron selbst; im Gegenteil, durch die fast beklemmenden Streicherklänge ziehen wir uns mit Chiron in sein Innerstes zurück. Moonlight ist eine Geschichte über das Erwachsenwerden in widrigen Umständen, erzählt mit einer Ehrlichkeit und Wärme, die berührt.

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Tomboy

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Tomboy

Ein wunderschöner Film über einen Teenie, der dabei ist, seine eigene Identität zu entdecken.

Emma, 23   Studentin aus Bern

Emma, 23

Studentin aus Bern

„Der Begriff „Tomboy“ bezeichnet ein Mädchen, das sich wie ein Junge kleidet, fühlt und be- nimmt.“ So steht es hinten auf der deutschen DVD-Ausgabe dieses Films aus dem Jahr 2011 von Regisseurin Céline Sciamma. Diese hat sich auch in weiteren Filmen der Queerthematik gewidmet: als Regisseurin in Naissance des pieuvres (2006) oder als Drehbuchautorin in Quand on a 17 ans (2016). Mickaël (Zoé Héran), der in den Sommerferien mit seiner Familie neu in einem Wohnblock irgendwo in Frankreich eingezogen ist, kleidet, fühlt und benimmt sich wie ein Junge. Zuhause gilt er noch als jungenhaftes Mädchen, bei den Nachbarskindern nutzt er die Chance des Neuseins und stellt sich nach kurzem Zögern als Junge vor.

Lieb und süss ist dieser Film im Allgemeinen sowieso, wodurch er aber nichts an Tiefe einbüssen muss. Da gibt es etwa Mickaëls jüngere Schwester Jeanne (Malonn Lévana), die wohl weiser als manch ein_e Erwachsene_r reagiert, als ihr klar wird, dass ihr älteres Geschwister sich den neuen Nachbarskindern anders vorgestellt hat, als sie ihn von Zuhause her kennt. Jeanne ist zudem ein Grund an sich, den Film schauen zu gehen, mensch schmilzt fast in jeder Szene mit ihr dahin! Und falls mensch sich einfach eine schöne Sommerromanze für die kommenden kalten Tage ansehen will, darf mensch sich auch darauf freuen: Lisa (Jeanne Disson), ein Nachbarsmädchen, ist von Anfang an sehr angetan von Mickaël, was sie nicht verbirgt. Sie lungert etwa eines Tages im Treppenhaus herum, bis Mickaël vorbeikommt und sie ihn scheinbar zufällig zu sich nachhause einlädt. Nach anfänglicher Schüchternheit tanzen die beiden dort immer ausgelassener zum Song Always der französischen DJs Para One und Tacteel, dem sehr gut ausgewählten und einzigen Song des Films. Wem also nach einem schönen, aber nicht kitschigen Film ist, der zum Schmunzeln und Nachdenken anregt, der_die markiere sich den Sa, 27. Januar 2018 schon mal fett im Kalender, denn dann läuft er um 11 Uhr abends im Kino Odeon, Brugg, als Teil der Milchjugend-Filmreihe „Cine to the Milkyway“.

 

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