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Fragestunde

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Kürzlich fand ich heraus, dass ich mich als Non-Binär identifiziere. Wie etabliere ich am besten meine Non-Binarität in meinem Freundeskreis und beider Verwandtschaft? Und wie werde ich am besten ernstgenommen?

Lou, 16

Hallo Lou,

Non-Binäre Identitäten sind noch immer für viele Mitmenschen nicht greifbar, denn sie passen in keine der Kisten, die wir in unseren Hirnen kultivieren. Eine effektive Art neue Denkmuster zu generieren ist ein Namenswechsel, denn mit einem neuen Namen kannst du eine neue Identität markieren. Mit einem Namenswechsel (oder auch ohne!) kommen zumeist auch neue Pronomen dazu, wobei hier ein Knackpunkt liegt: Wenn du dir unsicher bist, ist empfehlenswert in einem Safe Space (wie z. B. in der Milchjugend) neue Namen, Pronomen oder Kleidung auszuprobieren, bis du findest, was zu dir passt. Sobald du dir sicher bist, wie du am liebsten angesprochen wirst, kannst du das konsequent in deinem näheren Umfeld etablieren. Wenn du eher zur Fluidität tendierst und auch gerne zwischen Namen und Pronomen wechselst, ist gut, deinen Mitmenschen Klarheit darüber zu geben. Denn mangelndes Verständnis führt zu fehlendem Ernstnehmen. Sobald du dir bewusst bist, was deine Identität ist, kannst du auch dafür einstehen, dass sie von deinem Umfeld ernstgenommen wird. Weiter hilft auch, dass du Non-Binäre Freunde oder Vorbilder deinem Umfeld näherbringst, um ihnen zu zeigen, wie vielfältig Non-Binarität ist. Was es am meisten braucht ist Energie, um die Aufklärungsarbeit tagtäglich zu leisten – sei dir deinen Bedürfnissen bewusst, höre auf deinen Körper, gönne dir Pausen und verzweifle nicht an den Menschen, bei denen es dir nicht auf Anhieb gelingt, ihre Kisten umzuformen. Akzeptanz ist schnell eingefordert, doch neue Denkmuster brauchen Zeit.

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Ein Freund von mir arbeitet seit neustem in einer Gay Sauna, will mir aber nichts davon erzählen. Was genau ist eine Gay Sauna und gibt es sowas auch für FLINT*-Menschen?

Kari, 19

Hey Kari,

Eine Gay Sauna, oder auch Schwulen-Sauna genannt, ist ein Sauna Club exklusiv für MSM (Männer*, die Sex mit anderen Männern* haben). Es ist also eine Sauna in der es erlaubt ist, Sex zu haben und das egal wo (je nach der eigenen Komfort-Zone). Voyeurismus, Darkrooms, Slings, Gloryholes, Orgien, Sex mit komplett unbekannten Menschen: Alle Facetten des schnellen sexuellen Vergnügens sind möglich. Natürlich gibt es oft auch Kontaktzonen, wo «sittlich» miteinander geredet wird, doch wird es von den Meisten aus sexuellen Gründen besucht. Da Sex – und vor allem schneller, «treuloser» Sex – immer noch ein Tabuthema ist, kann es schon schwierig sein, offen und unbeschwert über seinen Job in der Gay Sauna zu berichten. Nebst den Gay Saunas und den Saunas, wo Sex nicht erlaubt ist, gibt es Sauna Clubs, die oft Teil von Swingerclubs sind. Die Norm in solchen Kontexten ist beinahe immer heterosexuell und lesbische Kontakte kommen zumeist nur als Fantasiebefriedigung der heterosexuellen Cis-Männer vor. Falschsexuelle FLINT*- Menschen (Frauen, Lesben, Inter, Nonbinär, Trans*) haben also tatsächlich keinen Sauna Club, der explizit für sie ist. Doch eine Sauna zu bauen, ist gar nicht so schwer, sicher wird es in den nächsten Jahren jemenschen geben, der so etwas aufbaut.

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Ich hatte schon mehrmals Oralsex mit Männern und das hat mir gut gefallen. Ich hatte noch nie Analsex, möchte es aber gerne ausprobieren. Jetzt bin ich aber ein bisschen nervös weil ich mit niemandem darüber sprechen kann. Kann mir mal jemand erklären, wie das genau funktioniert?

Elio, (20)

Lieber Elio,

Das Wichtigste bei Analsex ist Kommunikation. Analsex ist keins der Dinge, mit denen mensch sein Sexgspänli überrascht, ein­fach eindringen ohne zu fragen ist ein grosses No­-Go. Du musst deinem*r Partner*in vertrauen können, dass ihr nur das tut, was für beide angenehm ist und ihr sofort aufhört, sobald jemand Schmerzen hat. Nur wenn du Vertrauen hast, wirst du entspan­nen können, und ohne Entspannung läuft bei Posex gar nichts. Der Anus ist ein Schliessmuskel mit unglaublich vielen Nerven­enden. Wenn er nervös ist, zieht er sich sofort zusammen. Es kann helfen, wenn du zunächst selbst Bekanntschaft mit deinem Schliessmuskel machst und durch Tasten und unterschiedliche Fingeranzahl ausprobierst, wie er reagiert und was er mag. Was auch immer du mit deinem oder einem anderen Anus an­ stellst, benutze ein Kondom und Gleitmittel, und zwar viel. Das macht alles einfacher und nebenbei auch sicherer, denn der Po­ausgang ist sehr empfindlich und anfällig für kleine Risse, durch die Krankheiten besonders schnell übertragen werden. Geh des­halb immer sehr behutsam vor. Wenn das Einführen des Penis Kraft braucht und weh tut, hör auf und/oder mach es anders. Und: Nein, du musst deinen Darmausgang nicht ausspülen. Du­schen reicht. Natürlich hilft es auch, wenn du das Bedürfnis nach einer längeren Klo­Sitzung vorher beseitigst. Ob du lieber penetrierst, penetriert wirst, oder beides magst, fin­dest du nur durch Ausprobieren raus. Vielleicht merkst du auch, dass du Analsex gar nicht so magst. Das ist ok, es gibt ja noch viele andere spassige Sachen, die mensch machen kann.

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