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März 2017

  STONE BUTCH BLUES

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STONE BUTCH BLUES

EINE NOVELLE VON LESLIE FEINBERG

Sabrina, 21   Studentin aus Nussbaumen

Sabrina, 21

Studentin aus Nussbaumen

«Bist du ein Junge oder ein Mädchen?» Um diese Frage dreht sich das Leben von Jess Goldberg, der Protagonistin der Novelle «Stone Butch Blues» von Transgenderaktivist_in Leslie Feinberg. Die Handlung spielt in den 60er Jahren in im Bundesstaat New York. Bei der Geburt wird Jess das Geschlecht «weiblich» zugeschrieben, doch damit kann sie sich nie wirklich identifizieren. Bereits in der Schule wird sie wegen ihrem maskulinen Auftreten gehänselt und auch physisch angegriffen. Die Eltern erwarten von ihr, dass sie sich ihrer gesellschaftlichen Rolle als Mädchen entsprechend verhält, da die Familie aufgrund ihrer jüdischen Religion ohnehin schon ausgegrenzt wird. Noch vor ihrem 16. Geburtstag kehrt Jess ihrer Heimat den Rücken, weil sie es nicht mehr aushält. Es verschlägt sie nach Buffalo in die Schwulen- und Lesbenszene. In den Szenebars ist sie fasziniert von den Frauen, die selbstbewusst sehr männlich auftreten und die umgangssprachlich «Butch» genannt werden – daneben die sehr femininen Frauen, die «Femmes». An diesem Punkt ist zu erwähnen, dass zu jener Zeit das Ausleben von Homosexualität in den USA noch verboten ware, ganz zu schweigen von Travestie und Transsexualität. Die Barbesucher_innen lebten in ständiger Angst, in eine Polizeirazzia zu geraten. Auch Jess muss dies mehrmals erleben. Die Polizist_innen verprügeln und vergewaltigen die dort Anwesenden. Oft werden sie über Nacht ins Gefängnis gebracht, wo sie misshandelt und am nächsten Morgen wieder entlassen werden. Jess lässt sich davon aber nicht unterkriegen, sie nimmt sich ein Vorbild an den «Stone Butches», die sich nach aussen hart und unverletzlich geben. In den folgenden Jahren versteckt sich Jess hinter einer solchen Stone Butch Identität, im verzweifelten Versuch, sich so vor den Misshandlungen und den daraus resultierenden Traumata zu schützen. Sie geht Beziehungen mit Femmes ein, welche häufig als Prostituierte arbeiten. Sie schliesst sich der Arbeiterbewegung und dem Stonewall-Aufstand an. Um sich vor Übergriffen und der verhassten Frauenrolle zu schützen, beginnt sie Hormone zu nehmen und lässt sich schliesslich auch die Brüste operativ entfernen. Obwohl sie sich weder ganz als Mann, noch als Butch fühlt, bleibt sie weiterhin ihrer Aktivistenrolle treu und findet darin ihre Lebensaufgabe.

Obwohl Feinberg abstreitet, dass es sich bei dem Werk um eine Autobiografie handelt, sind etliche Gemeinsamkeiten der Protagonistin mit Feinbergs persönlichem Lebenslauf zu finden. Feinberg bezeichnete sich selbst als anti-rassistische_r, jüdische_r, lesbische_r, weibliche_r, transsexuelle_r Kommunist_in und Angehörige_r der Arbeiterklasse. Auf bestimmte Pronomen wollte Feinberg sich nie festlegen.

Feinbergs Werk ist meines Erachtens nach ein Kultexemplar, das die damalige Diskriminierung von Falschsexuellen unbeschönigt und wahrheitsgetreu widergibt. Es hat mich sehr geprägt, es erinnert mich daran, welch weiten Weg wir in den letzten Jahrzehnten zurückgelegt haben und auch, welch weiter Weg noch zu gehen ist. Ich empfehle es allen, die sich mit Themen wie Nicht-Binarität, Transgender oder Homosexualität auseinandersetzen wollen.

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CHECK IT

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CHECK IT

Gewaltwarnung

Tobi, 22   Student aus Zürich

Tobi, 22

Student aus Zürich

Der Dokumentarfilm «Check it» erzählt die Geschichte einer ungewöhnlichen Gang in Washington D.C. – die Mitglieder der Gang tragen nämlich nicht nur Messer und Schlagringe bei sich, sondern auch Mascara und Louis Vuitton. «Check it» ist ein wilder Haufen von afroamerikanischen Schwulen und Transfrauen, die sich zu einer Familie zusammengeschlossen haben und sich gegenseitig Halt geben.

In die Vorstädte verdrängt, wuchsen die Check-it-Leute in einem Klima des strukturellen Rassismus auf; Drogen und Gewalten spielten schon früh eine Rolle im Leben der jungen Menschen. Nicht genug, dass sie aufgrund ihrer Hautfarbe diskriminiert wurden, auch in der eigenen Gruppee erfuhren sie wegen ihrer Falschsexualität starke Ablehnung. Kommt hinzu, dass es in Washington D.C. immer wieder zu brutalen Hate Crimes gegen LGBT*s kommt und vor allem Transfrauen in die Sexarbeit gedrängt werden. Als Antwort auf diese Ausgrenzung und die Gewalt, rotteten sich die Check-it-Leute zusammen und verteidigen sich gegenseitig bis aufs Blut.So schön das auch klingt – sich zu einer Familie zusammenfinden – so problematisch ist es auch, dass sich die Wut der Check-it-Leute in neue Gewalt wandelt. So zeigt der Film auch eine Szene, wie die Gang ohne schlechtes Gewissen einen Tankstellenshop ausraubt.

Manche Check-it-Leute suchen aber auch einen Ausweg aus dem Milieu der Gewalt und der Sexarbeit. Eine Möglichkeit bietet ein Wettbewerb, wo sie ihre eigenen Modekreationen vorstellen können. Der Hauptgewinn: Eine Reise an die New York Fashion Week. Ob das gelingt, sei hier nicht verraten. Nur so viel: Dem einfühlsamen Film gelingt es, sein Publikum ganz nah an die Check-it-Gang zu führen. Er zeigt die negativen, aber auch die positiven Seiten der Gang und beleuchtet die verschiedenen Aspekte in respektvoller Weise. Absolut sehenswert!

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TAKE ME FOR A RIDE

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TAKE ME FOR A RIDE

Philipp, 22   Chemielaborant aus Zürich

Philipp, 22

Chemielaborant aus Zürich

Sara lebt in einer ruhigen Kleinstadt in Ecuador und befindet sich gerade im letzten Jahr der High School. Da sie keine Geschwister hat und in der Schule eher unbeliebt ist, ist sie als Einzelgängerin unterwegs. Zu ihrer überfürsorglichen Mutter und dem wortkargen Vater hat Sara ein distanziertes Verhältnis. Deshalb zieht sie sich zuhause lieber in ihr Zimmer zurück und liest. Besonders unzufrieden ist sie mit dieser Situation aber nicht.

Andrea wird in Saras Klasse versetzt und als die beiden in der Pause den gleichen Ort aufsuchen, um heimlich zu rauchen, kommen sie ins Gespräch.

Sie verstehen sich von Anfang an gut und verlieben sich schliesslich. Sie versuchen ihre Liebe so gut wie möglich geheim zu halten. Weil sie aber von einem Mitschüler zusammen an einem Konzert gesehen werden, scheint ein Outing unausweichlich - oder ist es das Ende ihrer Liebschaft?

Die Regisseurin Micaela Rueda erzählt die realitätsnahe Liebesgeschichte zweier Aussenseiterinnen. Sie zeichnet starke Bilder und so finden sich viele gute Aufnahmen in der 68 minütigen Co-Produktion dreier Länder (Ecuador, Kolumbien und Mexiko).

Leider zeigt Rueda kaum konflikthafte Gespräche. Die bruchstückhafte Darstellung der Konversationen nehmen der Erzählung ihre Kraft, die gerade auch in unangenehmen Dialogen zur Geltung kommen könnte.

Nachhallende Eindrücke bleiben zwar aus, aber der gelungene Soundtrack und der Einblick in die das jugendliche Leben in Ecuador schaffen einen sehenswerten Film.

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