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September 2017

Eine lesbische Polizistin, die Brücken schlägt

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Eine lesbische Polizistin, die Brücken schlägt

PinkCop und die Teilnahme an der Pride - Interview mit Lea Herzig über Pride, Polizei, Aufklärung und Reformation. Ein Profil der Bunten bei der Polizei in Zürich und deren Bestreben.

Lea, wer bist du?

Ben, 24   aus Bollingen

Ben, 24

aus Bollingen

Ich war insgesamt fünf Jahre lang bei der Stadtpolizei Zürich als Streifenwagenpolizistin tätig. Vor drei Jahren habe ich die Uniform an den Nagel gehängt und studiere jetzt Jura an der Uni Zürich. Seit 2010 bin ich im Vorstand von PinkCop und seit sechs Jahren engagiere ich mich beim Zurich Pride Festival als Leiterin Sicherheit, seit 2016 im Vorstand. Ich bin 32 Jahre alt und seit 16 Jahren glücklich und stolz mit meiner lesbischen Liebesweise unterwegs.

PinkCop, was ist das?

Wir sind ein Verein für lesbische, schwule und trans* Polizist_innen. Uns gibt es seit 2008. Wir zählen etwa 140 Mitglieder. Einerseits sind wir ein ganz normaler Verein, wir gehen zusammen aus, essen zusammen, unternehmen etwas. Aber wir setzen uns auch für Diversity in der Polizei ein. Wir unterrichten an der Polizeischule in Zürich zum Thema Trans* und Homosexualität, betreiben also Aufklärungsarbeit in der Polizei. Wir sind keine «Sondereinheit» für LGBT*-Fälle: Wir vertreten die Meinung, dass jede_r Polizist_in fähig sein muss, mit jedem Menschen der Situation angepasst umgehen zu können. Welche Identität, welche sexuelle Orientierung, welcher kulturelle Hintergrund, welche Fähigkeiten oder Einschränkungen dieser Mensch hat, soll keine Rolle spielen.

Wie sieht euer Engagement in der LGBT*-Community aus?

Wir sind Mitglied der Dachorganisation «European LGBT Police Association» und verknüpfen uns so mit Kolleg_innen aus Europa und aller Welt. Dabei unterstützen wir Polizist_innen aus Ländern, die zwar einen LGBT*-Verein gründen möchten, jedoch Unmengen von Steinen in den Weg gelegt bekommen. PinkCop erhält Anfragen von jungen Menschen, die zur Polizei möchten, jedoch verunsichert sind, ob sie wegen ihrer Trans*identität oder Homosexualität abgelehnt würden. Für diese oder für Polizist_innen, die in ihrem beruflichen Umfeld noch nicht geoutet sind, bieten wir Unterstützung. Ausserdem haben wir vor einigen Jahren einen Gewaltschutzflyer lanciert, der Betroffene von trans*/homophoben Übergriffen dazu ermutigt, Anzeige bei der Polizei zu erstatten. Innerhalb der Community ist die die Angst vor Diskriminierung durch Polizeibeamt_innen immer noch gross. Wir versuchen aufzuklären und diese Angst zu nehmen. Es ist wichtig, dass trans*/ homophobe Straftaten angezeigt werden und die Täter_innen zur Rechenschaft gezogen werden. PinkCop ist Mitinitiantin der LGBT+Helpline, wo Übergriffe anonym gemeldet werden können – es geht darum, Zahlen zu erheben, die zentral sind, um politischen Druck auszuüben.

Wie hat das Motte der diesjährigen Pride auf euch gewirkt?

Das diesjährige Motto «Sicherheit für LGBT*-Flüchtlinge» lag PinkCop besonders am Herzen. Wir haben anfangs Jahr zwei Frauen kennengelernt, die in ihrer Heimat, der Ostukraine, Polizistinnen waren. Aufgrund des Gewaltkonflikts im Land und der Tatsache, dass sie als Lesben weder sicher noch frei waren, ihre Liebe offen zu leben, sind sie in die Schweiz geflüchtet. Pink- Cop hat sie im Verein aufgenommen und unterstützt sie seither in Bezug auf die laufenden Asylverfahren und das Finden von Anschluss in der Gesellschaft. Die beiden sind voller Stolz in unserer Mitte an der Demo mitgelaufen. Es ist grossartig, dass sich die Zurich Pride dieses wichtige politische Thema 2017 auf die Brust geschrieben hat.

Es gab eine Kontroverse über die Teilnahme der PinkCops an der Pride 2017, eine Petition.

Davon haben wir gehört. Wir fühlten uns aber nicht angesprochen. Ich bin über ein solches Vorgehen irritiert: Es wird ein Bedürfnis geäussert, aber keine Bereitschaft gezeigt, dieses zu diskutieren. PinkCop ist über diverse Kanäle erreichbar – es ist jedoch nie jemand auf uns zugekommen und hat uns angesprochen.

Woher, denkst du, kommt diese Ablehnung?

Ich glaube, der_die Initiant_in weiss gar nicht, wer PinkCop ist und was wir machen. Er_sie liest nur «Polizei» und schäumt vor Wut. Ich kann mir nicht vorstellen, dass mensch in der Community etwas gegen die Arbeit und die Teilnahme von PinkCop an der Pride haben kann, wenn mensch unseren Einsatz für die Community kennt. Oder wäre diesen Menschen lieber, dass es niemenschen gäbe, der bei der Polizei versucht, Brücken zwischen verstaubten Weltanschauungen und LGBT*-Bedürfnissen zu bauen? Natürlich darf mensch kritisch sein. Für pauschale Wut gegen uns, weil wir den Beruf des_der Polizist_in ausüben, habe ich jedoch kein Verständnis.

Wie gehst du mit den Vorbehalten gegenüber der Polizei in der LGBT*-Community um?

Ich glaube, die Mehrheit der Community schätzt es, eine Verbündete innerhalb der Polizei zu wissen. Polizei-Kritischen möchte ich erklären, dass PinkCop nicht «die Polizei» ist, sondern ein buntes Rad in einem Mechanismus, in dem es Dutzende Räder gibt, die teilweise seit Jahrzenten in die gleiche Richtung laufen. Das bunte Rad versteht sich als Bereicherung für den Mechanismus selbst und die Aussenwelt. Es versucht, intern immer mal wieder eine neue Drehrichtung aufzuzeigen.

Wie sieht die Zukunft von PinkCop aus?

Wir haben an der letzten Generalversammlung beschlossen, vermehrt mit Regional-Vertreter_innen zu arbeiten. Für eine Polizistin aus Zürich ist es z.B. schwierig zu wissen, was die Probleme einer Kollegin in einer Bündner Gemeinde sind und welche Möglichkeiten es dort gibt, sich gegen Trans*/Homophobie einzusetzen. Ebenso weiss ich als Cis-Frau nicht unbedingt, was eine trans* Kollegin genau braucht. Unser Verein ist wichtig sowohl für die interne Aufklärungsarbeit in einem mehrheitlich konservativen Umfeld als auch für die Brückenbildung zwischen Polizei und LGBT*-Community. Wir hoffen, noch viele graue Räder in andere Denkrichtungen drehen zu können.

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How to QUEER up your school

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Laura, 29   Doktorandin aus Basel

Laura, 29

Doktorandin aus Basel

Ein Regenbogen-Button am Rucksack, Aufnäher auf der Jacke, Lila-Aufkleber auf der Agenda: Mit solchen Accessoires beziehst du kreativ Stellung. Im Internet gibt’s massenweise Falschsexuelles für recht wenig Geld, und Aufnäher lassen sich auch einfach selber basteln. Wenn du Inspiration brauchst, folge uns auf Insta: @milchjugend.

Wünsch dir Bücher

Hol dir die Falschsexualität einfach in Buchform. Viele (Schul-)Bibliotheken führen eine Wunschliste. Dort Bücher mit falschsexuellem Inhalt zu bestellen – ganz egal ob Theorie oder Fiktion –, zeigt auch anderen Bibliotheks-Besuchenden: Hey, hier gibt’s mehr als bloss Cis- und Hetero-Themen. (Pluspunkte gibt’s natürlich, wenn du das Milchbüechli in der Schule auflegen lässt. Frag deine Bibliotheks- oder Lehrperson!)

Anna, 27  Journalistin aus Oerlikon

Anna, 27

Journalistin aus Oerlikon

Erteile eine Lektion

Von Geschichte über Biologie bis hin zu Literatur: Falschsexuelle Themen haben überall Platz. Indem du für deine Vorträge und Arbeiten Themen wählst, die aus der Norm fallen oder indem du eine berühmte falschsexuelle Person vorstellst, kannst du dich einerseits intensiver damit befassen und andererseits auch deinen Mitschüler_innen einen Einblick gewähren.

Steh zu dir – wir tuns auch!

Es ist nicht der einfachste Schritt – aber garantiert einer der effektivsten: Ein Coming-Out in der Schule ermöglicht dir nicht nur, ganz du selbst zu sein, sondern zeigt auch deinen Mitschüler_innen: Uns Falschsexuelle gibt es – und wir sind stolz darauf. Sehr oft kann das sogar bewirken, dass sich mit der Zeit andere Schüler_ innen ebenfalls outen – und ihr alle zusammen merkt, dass ihr nicht alleine seid!

Lass es andere Falschsexuelle für dich tun

Das mit dem Coming-Out braucht noch etwas Zeit? Oder bist du bist einfach genervt, dass du immer als Lexikon für queere Dinge herhalten musst? Dann lade andere Falschsexuelle in deine Klasse ein! Es gibt in der Schweiz verschiedene Organisationen, die Workshops mit Falschsexuellen für Schulen organisieren: ABQ (Bern), COMEOUT (Ostschweiz), GLL (restliche Deutschschweiz). Frag eine Lehrperson deines Vertrauens, ob sie einen solchen Besuch organisieren kann.

Plakate, Aktionen, Guerilla-Aktivismus

Hänge Plakate von falschsexuellen Organisationen und Kampagnen auf oder bastle selbst welche. Aktionen wie Flashmobs, eine Schöggeli- Verteilaktion oder ein Stand sind auch lustig. Zum Beispiel zu internationalen falschsexuelle Feiertage wie dem Coming-Out-Day, Trans*Vi- sibility Day, IDAHOT oder in der Pride-Woche. Eine Bewilligung der Schule dafür zu bekommen ist nicht immer einfach. Falls du auf Widerstand stösst, weich auf Guerilla-Aktionen aus: Verteil die Schöggelis 20 m vom Schulgelände entfernt, teste, wie lange die Plakate ohne offiziellen Stempel überleben, schreib etwas auf die Wandtafel.

Gründe eine falschsexuelle Schulgruppe

Auch wenn dir das vielleicht so vorkommt: Du bist ganz sicher nicht der einzige falschsexuelle Mensch an deiner Schule. Falls die Buschtrommel und Rumfragen nicht funktioniert, such auf Purplemoon. Trefft euch und besprecht, was ihr machen möchtet: Erfahrungen austauschen, Dinge unternehmen oder Aktionen starten? Wichtig ist, dass ihr Vertraulichkeit garantieren könnt: Auch Leute, die sich noch unsicher oder ungeoutet sind, sollen sich bei euch wohl fühlen. Richtet eine Mailadresse ein, an die man auch anonym schreiben kann. Wenn du eine falschsexuelle Schulgruppe gründen möchtest und dazu Fragen hast oder Unterstützung brauchst, melde dich bei cora@milchjugend.ch / Schulprojekt.

Zusatztipp: Es ist zwar schön, wenn mensch ganze Schulleitungen dazu bewegen kann, sich für Falschsexuelle einzusetzen. Leider sind aber noch immer viel zu viele Schulleitungen queerphob oder haben einfach zu viel Angst vor sturmklingelnden Eltern. Meistens ist es einfacher, sich unter den Lehrpersonen einzelne Verbündete zu suchen. Wenn sogar hier Fehlanzeige ist, such dir Verbündete ausserhalb der Schule, zum Beispiel in der Milchjugend. Lass dich nicht von fadenscheinigen Argumenten abwimmeln oder davon überzeugen, dass deine Anliegen nicht wichtig sind.

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Kunterbunt? Kuntergrau!

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Kunterbunt? Kuntergrau!

Die Webseries von anyway e.V. in Köln, gibt es auf YouTube zu sehen!

David, 21  Student aus Zürich

David, 21

Student aus Zürich

Nicht Kunterbunt, sondern Kuntergrau zeigt treffend die Realität einer schwulen Jugend ohne Diskriminierung auf: Liebe und Fremdgehen, Sex und STDs und besorgte Grossmütter, die zu viel nörgeln. Die Beziehung zwei frustrierter Medizinstudenten, ein Bankangestellter und seine vielen Liebhaber, der Praktikant und sein verunsichertes Date: mit einer dramatischen Wende zur nächsten lernt mensch eine Clique fünf schwuler Jugendlichen kennen. Von Sex als zentraler Bestandteil des Lebens zu sehen bis zur Weigerung sich durch die eigene sexuelle Orientierung zu definieren – die Jungs aus Köln könnten nicht unterschiedlicher – und spannender – sein.

Eine urbane Ästhetik, ruhige Kameraführung und coole Locations erinnern kaum an eine Kleinpro- duktion. Auch der Soundtrack lässt nichts zum Meckern übrig – ausser vielleicht, dass mensch nach dem fünften Mal das Intro überspringt. Inzwischen in der 2. Staffel, zwingt dich Kuntergrau mit strategisch platzierten Cliffhanger schon fast eine YouTube-Playlist zu kreieren, um möglichst Unterbrüche zu vermeiden.

Drama ist an der Tagesordnung und hübsche Boys lassen nichts zu wünschen übrig. Lass dich deshalb mit Kuntergrau in ein Köln voller Sex und Liebe verführen!

Mehr Informationen zur Kurzserie von anyway e.V. in Köln sowie alle Folgen in voller Länge findet mensch auf www.kuntergrau.net

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