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Anna

Abenteuer und Zuckerwatte: Ein Gang durch die Kosmetikabteilung

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Abenteuer und Zuckerwatte: Ein Gang durch die Kosmetikabteilung

«Dark Temptation» und «Rosentörtchen»: Das sind keine schlechten Künstler_innennamen, sondern Duschgels.

Gianna, 23   Studentin aus Würenlos   Werbungen Text: Anna, 19    Werbungen Bild: Sara, 24

Gianna, 23

Studentin aus Würenlos

Werbungen Text: Anna, 19

Werbungen Bild: Sara, 24

Ich spaziere durch die Kosmetikabteilung im Coop und lasse die Eindrücke auf mich wirken. Die Männerabteilung besticht durch dunkle Farben (schwarz) und fantasievolle Namen wie «hydra sport», «sport energy» oder «after sport». Um dem Käufer seine Stärke und Sportlichkeit zu versichern, scheuen die Kosmetikmarken keinen Aufwand – nachdem mann mit der doppelten Versicherung von «strong power» geduscht hat, ist mann sich seiner Kraft bestimmt sicher, obwohl der Name «strong power» selbst so wenig Sinn macht, wie wenn mensch von einem weissen Schimmel spricht.

Warum einfach, wenn’s auch kompliziert geht?

Auch hilfreich ist, dass die Marken ihre Männerprodukte genau kennzeichnen. Weil sich waschen und duschen bekannterweise ein klar weiblicher Fimmel ist, tragen die Produkte, welche für Frauen gedacht sind, schlicht und einfach den Markennamen («Nivea», «Dove»), die Männerprodukte hingegen sind mit «Nivea MEN» und «Dove MEN» beschriftet.

Männer riechen also nach Sport und Abenteuer, wir hingegen wollen wie wandelnde Blümchenhonigzuckerwatten duften. Die Duschgelflaschen in der Frauenabteilung sind in weiches Rosa und helle Pastellfarben getaucht und in den Namen finden sich Wörter wie «sonnig», «sanft», «glatt» und «weich» – so sind wir Frauen! Harmoniebedürftig, zart duftend, stets lächelnd und glücklich, dekorativ wie eine Blumenwiese. Und wenn wir das mal vergessen, reicht schon ein kurzer Blick auf die Duschgelflasche, wie praktisch!

Gleicher Preis für gleiche Leistung scheint in der Kosmetikbranche kein Thema zu sein, Produkte für Frauen kosten nämlich mehr als solche für Männer. Was für Frauen offenbar auch nicht der Rede wert ist, sind praktische und zeitsparende 2-in-1-Produkte. Im Gegenteil, in der Abteilung zur Frauenhaarpflege wird schnell klar, dass für die Haarpflege allein mehrere Produkte nötig sind (Shampoo, Conditioner, Maske, Kur, Haaröl und Haarspray sind erst der Anfang).

Vom männlichen Blut

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Die Eitelkeit von Frauen hört ja bekanntlich nicht da auf, dass sie sich duschen, Zähne putzen und schminken, nein, sie gehen bekanntlich in ihrem Schönheitswahn sogar so weit, dass sie das in der Regel allmonatlich aus ihren Vaginas austretende Blut mit verschiedenen dekadenten Hilfsmitteln wie Tampons, Binden und Menstruationstassen davon abhalten, ihre Beine hinunterzulaufen und ihre Kleider zu durchtränken. Das muss mensch sich einmal vergegenwärtigen: Würden Penisse allmonatlich bluten, hätten Männer offensichtlich keine Mühe damit, dieses kräftige Männerblut ihre Oberschenkel hinablaufen zu lassen. Oder sie würden sich die unten beworbenen Menstruationsprodukte kaufen.

Dass Tampons und Binden in der Schweiz nicht zu «Gütern des alltäglichen Gebrauchs» zählen, sondern als Kosmetikprodukte und somit eine Mehrwertsteuer von 8% anstatt 2,5% haben, ist also absolut verständlich.

Wenn die Unterteilung in Männlichkeit und Weiblichkeit tatsächlich so fragil ist, dass wir uns mit Duftkennzeichen markieren müssen, sodass wir die Geschlechtszugehörigkeit notfalls erschnuppern können, dann sollten wir vielleicht einfach die Unterteilung abschaffen.

Für eine Welt, in der Frauen nach Abenteuer und Männer nach Zuckerwatte duften dürfen.

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How to QUEER up your school

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How to QUEER up your school

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Laura, 29   Doktorandin aus Basel

Laura, 29

Doktorandin aus Basel

Ein Regenbogen-Button am Rucksack, Aufnäher auf der Jacke, Lila-Aufkleber auf der Agenda: Mit solchen Accessoires beziehst du kreativ Stellung. Im Internet gibt’s massenweise Falschsexuelles für recht wenig Geld, und Aufnäher lassen sich auch einfach selber basteln. Wenn du Inspiration brauchst, folge uns auf Insta: @milchjugend.

Wünsch dir Bücher

Hol dir die Falschsexualität einfach in Buchform. Viele (Schul-)Bibliotheken führen eine Wunschliste. Dort Bücher mit falschsexuellem Inhalt zu bestellen – ganz egal ob Theorie oder Fiktion –, zeigt auch anderen Bibliotheks-Besuchenden: Hey, hier gibt’s mehr als bloss Cis- und Hetero-Themen. (Pluspunkte gibt’s natürlich, wenn du das Milchbüechli in der Schule auflegen lässt. Frag deine Bibliotheks- oder Lehrperson!)

Anna, 27  Journalistin aus Oerlikon

Anna, 27

Journalistin aus Oerlikon

Erteile eine Lektion

Von Geschichte über Biologie bis hin zu Literatur: Falschsexuelle Themen haben überall Platz. Indem du für deine Vorträge und Arbeiten Themen wählst, die aus der Norm fallen oder indem du eine berühmte falschsexuelle Person vorstellst, kannst du dich einerseits intensiver damit befassen und andererseits auch deinen Mitschüler_innen einen Einblick gewähren.

Steh zu dir – wir tuns auch!

Es ist nicht der einfachste Schritt – aber garantiert einer der effektivsten: Ein Coming-Out in der Schule ermöglicht dir nicht nur, ganz du selbst zu sein, sondern zeigt auch deinen Mitschüler_innen: Uns Falschsexuelle gibt es – und wir sind stolz darauf. Sehr oft kann das sogar bewirken, dass sich mit der Zeit andere Schüler_ innen ebenfalls outen – und ihr alle zusammen merkt, dass ihr nicht alleine seid!

Lass es andere Falschsexuelle für dich tun

Das mit dem Coming-Out braucht noch etwas Zeit? Oder bist du bist einfach genervt, dass du immer als Lexikon für queere Dinge herhalten musst? Dann lade andere Falschsexuelle in deine Klasse ein! Es gibt in der Schweiz verschiedene Organisationen, die Workshops mit Falschsexuellen für Schulen organisieren: ABQ (Bern), COMEOUT (Ostschweiz), GLL (restliche Deutschschweiz). Frag eine Lehrperson deines Vertrauens, ob sie einen solchen Besuch organisieren kann.

Plakate, Aktionen, Guerilla-Aktivismus

Hänge Plakate von falschsexuellen Organisationen und Kampagnen auf oder bastle selbst welche. Aktionen wie Flashmobs, eine Schöggeli- Verteilaktion oder ein Stand sind auch lustig. Zum Beispiel zu internationalen falschsexuelle Feiertage wie dem Coming-Out-Day, Trans*Vi- sibility Day, IDAHOT oder in der Pride-Woche. Eine Bewilligung der Schule dafür zu bekommen ist nicht immer einfach. Falls du auf Widerstand stösst, weich auf Guerilla-Aktionen aus: Verteil die Schöggelis 20 m vom Schulgelände entfernt, teste, wie lange die Plakate ohne offiziellen Stempel überleben, schreib etwas auf die Wandtafel.

Gründe eine falschsexuelle Schulgruppe

Auch wenn dir das vielleicht so vorkommt: Du bist ganz sicher nicht der einzige falschsexuelle Mensch an deiner Schule. Falls die Buschtrommel und Rumfragen nicht funktioniert, such auf Purplemoon. Trefft euch und besprecht, was ihr machen möchtet: Erfahrungen austauschen, Dinge unternehmen oder Aktionen starten? Wichtig ist, dass ihr Vertraulichkeit garantieren könnt: Auch Leute, die sich noch unsicher oder ungeoutet sind, sollen sich bei euch wohl fühlen. Richtet eine Mailadresse ein, an die man auch anonym schreiben kann. Wenn du eine falschsexuelle Schulgruppe gründen möchtest und dazu Fragen hast oder Unterstützung brauchst, melde dich bei cora@milchjugend.ch / Schulprojekt.

Zusatztipp: Es ist zwar schön, wenn mensch ganze Schulleitungen dazu bewegen kann, sich für Falschsexuelle einzusetzen. Leider sind aber noch immer viel zu viele Schulleitungen queerphob oder haben einfach zu viel Angst vor sturmklingelnden Eltern. Meistens ist es einfacher, sich unter den Lehrpersonen einzelne Verbündete zu suchen. Wenn sogar hier Fehlanzeige ist, such dir Verbündete ausserhalb der Schule, zum Beispiel in der Milchjugend. Lass dich nicht von fadenscheinigen Argumenten abwimmeln oder davon überzeugen, dass deine Anliegen nicht wichtig sind.

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WARME HEMDEN

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WARME HEMDEN

Anna, 27  Journalistin aus Oerlikon

Anna, 27

Journalistin aus Oerlikon

Erstens

An dir schür’ ich meine Ungeduld

geh’ ungekannte Wunder durch

dreh’ nochmals eine Runde

Kilometer sind es Hunderte

wenn mein Gedankenkarussell

uns beide an die Wand fährt

ist der Rahmen deines Blickes

noch das Einzige, was standhält

 

Wir sind uns gern und selten nah

Streift mich dein Mund, hält er mich da

Je ferner wir uns sind, desto weniger vertraut

doch wohin meinen Zweifeln, wenn ich selbst

 sie nicht mal glaub’

 

Fühl’ mich wie Himbeersirup in zu vieler Kohlensäure

Stehe hinter dir, doch neben mir

wenn ich vom Wollen träume

 

Zweitens

Du hütest meine Zunge

und beherbergst mein Vermissen

Giesst Sirup in die Wunde

überzuckerst mein Gewissen

Wie Honig fliesst die Zuversicht

und liegt mir in den Haaren

Der zähe Wunsch nach uns vermischt

mit dem, was wir nie waren

 

Die Süsse brennt im wunden Fleck

verklebt all unsre Enden

Ich heul’ die Ängste mundgerecht

in deine warmen Hemden

 

Es gibt kein Drittens.

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