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Cora

Serientipp: Queer Eye

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Serientipp: Queer Eye

Witzig, rührend und wunderschön queer – viel mehr als nur ein Make-Over.

Cora, 22   Studentin aus Olten

Cora, 22

Studentin aus Olten

Unter dem Titel «Queer Eye for the Straight Guy» wurde von 2003 bis 2007 in den USA eine erfolgreiche Reality-Show ausgestrahlt, in der heterosexuelle Männer von fünf Schwulen (den «Fab Five») ein Makeover erhielten. Die Sendung spielte mit dem üblichen Stereotyp, dass sich schwule Männer besser mit Mode, Körperpflege, Inneneinrichtung und Kultur auskennen, wohingegen hetero Männer sich grundsätzlich nicht dafür interessierten (oft zum Leidwesen ihrer Partnerinnen). Für diese Stereotypisierung wurde die Show oft kritisiert.

Nun, 11 Jahre später, hat Netflix eine Neuauflage der Show gestartet – mit dem abgekürzten Titel «Queer Eye». Auf den ersten Blick ist das Konzept der Show genau gleich, doch stimmt das nur teilweise. Die queeren Verbesserungen der hetero Garderobe, der Inneneinrichtung oder der Haarschnitte sind schön anzuschauen; ihre wirkliche Stärke liegt jedoch an ganz anderen Orten.

Im Gegensatz zum Original beschäftigt sich Queer Eye viel mehr mit Männern und Männlichkeit an sich. Die besten Momente sind die, in denen sich die meist sehr verschlossenen Kandidaten durch die Gespräche mit den Fab Five öffnen, verletzlich zeigen, emotionaler werden und eine neue Art der Maskulinität erfahren. Sie werden selbstbewusster, stärker und liebevoller im Umgang mit sich selbst und anderen. Manche von ihnen zeigen am Ende auch viel mehr Offenheit gegenüber Homosexualität, eines der selbsterklärten Ziele der Sendung: «Die ursprüngliche Show wollte mehr Toleranz, wir kämpfen für Akzeptanz», sagt einer der Fab Five.

Die zweite grosse Stärke ist, in meinen queeren Augen, dass die Fab Five so queer sein können, wie sie wollen. Natürlich handelt es sich weiterhin um fünf schwule cis Männer, aber durch ihre diversen kulturellen Hintergründe und ihre eigenen Persönlichkeiten zeigen sie durchaus, dass es keine richtige Art gibt, queer zu sein.

Die erste Staffel mit 8 Folgen findet sich auf Netflix.

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Falschsexuelle Schulgruppen

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Falschsexuelle Schulgruppen

Mach deine Schule zu einem besseren Ort für dich und deine queeren Mitschüler_innen!

Cora, 22   Studentin aus Olten

Cora, 22

Studentin aus Olten

Kantonssschule, Gymnasium, Berufsschule – hier verbringen wir jungen Menschen sehr viel Zeit. Obwohl mensch in der Schule tolle Erfahrungen machenund grossartige Freund_innen finden kann, tauchen bei uns Falschsexuellen in der Schule manchmal ein paar Probleme mehr auf, als bei unseren cis-heterosexuellen Mitschüler_innen. Sexualität, Liebe und Identität sind Themen, die im Klassenzimmer und auf dem Schulhof thematisiert werden – allerdings meist nur in Form von Heterosexualität, Hetero-Liebe und binären cis-Geschlechtern. Wir bleiben meist unsichtbar. Dagegen müssen wir etwas tun!

Die Schulgruppen entstehen

Leonie geht an die Berufsschule Winterthur und kennt das Problem. «Ich weiss selber gut, wie es ist, sich nicht über persönliche Erfahrungen austauschen zu können oder sich dabei unwohl zu fühlen», sagt sie. Ihre Schule ist eigentlich recht offen, nur manchmal gibt es schon auch blöde Kommentare.

Nuki von der Berufsschule Aarau (BSA) hat ähnliche Erfahrungen gemacht: «Ich habe gemerkt, dass es nicht immer leicht ist, mit gewissen Reaktionen umzugehen.» Die Gruppe der BSA ist noch in der Planungsphase, doch Nuki hat schon ein klares Bild vor Augen: «Es soll ein Ort von Vertrauen, Akzeptanz, Toleranz und Zusammenhalt geschaffen werden.» Um die Situation an ihren Schulen zu verbessern, haben Leonie, Nuki und viele andere junge queere Menschen eine einfache Lösung gefunden: das Gründen einer falschsexuellen Schulgruppe! «Ich hoffe, anderen LGBTQ+ Personen damit einen sicheren Ort zu bieten, an dem sie sich wohl fühlen können», sagt Leonie. «So eine Gruppe hilft uns zu sehen, dass wir nicht alleine sind», meint Nuki. Ziel aller Schulgruppen ist es, dass queere Jugendliche an der Schule einen Ort haben, wo sie der grossartig bunten, fabulösen Queer-Kultur frönen können und sich gegenseitig unterstützen, damit der Schulalltag ein bisschen offener wird.Die Gruppen erhalten Unterstützung von der Milchjugend, organisieren sich aber eigenständig innerhalb ihrer Schulen, ganz nach den eigenen Ideen. So trifft sich eine Gruppe regelmässig zum Zmittag, eine andere chillt in einem Café, einige treffen sich an oder in der Nähe ihrer Schulen oder bei den Queers zu Hause. Kochen, Spiele spielen, plaudern, Diskussionsrunden stehen bei einigen Gruppen genauso auf dem Plan wie gemeinsame Besuche von queeren Events wie Molke 7 Parties und der Pride. Allen, die an ihren Schulen auch gerne eine Schulgruppe hätten, raten Leonie und Nuki: «Traut euch!» Nuki empfiehlt, andere Queers an der Schule in die Planung mit einzubeziehen, um die Aufgaben untereinander aufzuteilen. Leonie betont, dass mensch zuversichtlich bleiben muss, auch wenn sich Herausforderungen stellen. «An den Schulen braucht es oft noch einige Gespräche. Es gibt aber auch skeptische Menschen», erzählen beide und raten daher, sich Unterstützung bei offenen Lehrpersonen zu holen. Es sei ganz normal, sich am Anfang noch etwas unsicher zu fühlen. Doch: «Es lohnt sich auf jeden Fall!»

Möchtest du Teil einer queeren Schulgruppe sein? Unter milchjugend.ch/schulgruppen kannst du herausfinden, ob es an deiner Schule vielleicht schon eine Gruppe gibt, zu der du dazustossen könntest. Falls nicht, nimm die Sache selbst in die Hand und melde dich via Mail bei der Milchjugend (cora@milchjugend.ch). Wir helfen dir und deinen queeren Mitschüler_innen dabei, eure Schule zu einem bunteren Ort zu machen!

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Queer in der Metalszene

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Queer in der Metalszene

Queerness und Metal - völlig unvereinbar? Einige Gedanken zum Spagat zwischen zwei Subkulturen.

Cora, 22   Studentin aus Olten

Cora, 22

Studentin aus Olten

Musik war schon immer ein wichtiger Teil der falschsexuellen Szene. Und so vielfältig queere Musik ist, es gibt ein Genre, das kaum jemensch mit «Queerness» verbinden würde: Heavy Metal.

Als queerer Metalfan fühle ich mich in beiden Communities oft nicht so am richtigen Ort. In der einen geht meine Identität unter, in der anderen meine erste grosse Liebe: die Musik. Und ich stelle mir (und meinen Freund_innen aus der queeren Szene) immer wieder die gleiche Frage:

Warum mögt ihr Metal nicht?

Klar, über Geschmack lässt sich streiten. Ich glaube aber, die Metalszene hat unter queeren Menschen vor allem ein Imageproblem - vermeintlich geprägt von Aggressivität, Queerphobie und Hypermaskulinität. Das alles gibt es, wie überall in unserer Gesellschaft, aber dieses Bild wird der Metalszene nicht gerecht. Denn eigentlich findet sich im Inneren dieser harte Musikszene ein weicher Kern aus offenen, toleranten, liebevollen Menschen, die sich im Moshpit gegenseitig aufhelfen, Schwächere beschützen und von denen sich der Rest der Gesellschaft gern eine Scheibe abschneiden könnte. Viele sind kreative Seelen, die ihre Gefühle in Form von Musik ausdrücken und gesellschaftlichen Normen oft nicht entsprechen. Die nach aussen gezeigte, oft absichtlich überspitzte, stereotype Maskulinität wird durch Texte und Philosophie, durch das Offenbaren von Gefühlen, Aussenseiter_innentum, dem Spielen mit Geschlechterrollen und Genderbending (z.B. Marilyn Manson) über den Haufen geworfen.

Warum interessiert ihr euch nicht für queere Metalheads?

Offensichtlich sind denmeisten Metalheads gesellschaftliche Normen also egal. Und wer du bist, interessiert die Wenigsten, solange du die Musik liebst und ab und zu mal ein Bier ausgibst. Entsprechend wird auf Outings von Musiker_innen wie Mina Caputo (Life of Agony), Laura Jane Grace (Against Me!), Gaahl (Gorgoroth) oder Paul Masvidal und Sean Reinert (Cynic) meist positiv bis desinteressiert reagiert. Desinteresse ist das, was sich der Metalszene auch wirklich vorwerfen lässt. Sexualität, Geschlecht und Identität werden in der Musik kaum thematisiert, es geht (je nach Genre) eher um Tod, Verderben, Drogen, Satan, Drachen, Horror, Alkohol oder um die Musik selbst. Die fehlende Auseinandersetzung mit diesen Themen ist problematisch, denn es führt im schlimmsten Fall zu einer reflexartigen Ablehnung dieser unbekannten Dinge, im besten Fall macht es falschsexuelle und andersgeschlechtliche Menschen innerhalb der Metalszene unsichtbar, weil unsere Identitäten «egal» sind. Deshalb verbindet die meisten queeren Metalheads auch kaum etwas mit ihrer Queerness und sie beteiligen sich selten an falschsexuellen Räumen oder Aktivismus. Dabei wäre Sichtbarkeit für uns als Individuen aber auch als Community, für unser Selbstbild und unsere Rechte, von zentraler Bedeutung.

Und was machen wir jetzt?

Mehr Bewusstsein und Bemühungen um Sichtbarkeit für und von queeren Musiker_innen und Fans wäre deshalb, was ich mir von der Metalszene wünsche. In der falschsexuellen Community würde ich hingegen gerne mehr Offenheit und Raum für Fans anderer Musikstile sehen. Denn eigentlich sind sich diese Communities näher, als mensch denkt. Heavy Metal, wie wir ihn heute kennen, würde ohne die queere Szene gar nicht existieren. Die erste Metal Band der Geschichte war Judas Priest, deren Sänger Rob Halford ist der bekannteste schwule Musiker der Metalszene. Seine Outfits aus Lack, Leder, Jeans und Nieten, die er aus der Londoner BDSM- und Schwulenszene übernommen hatte, legten den Grundstein für den Kleidungsstil der Metalheads. Basis für die Musik von Judas Priest waren neben Bands wie Black Sabbath und Deep Purple übrigens auch Queen – wer jetzt ungläubig den Kopf schüttelt, soll sich mal «Stone Cold Crazy» oder «White Man» anhören. Und wenn Freddie Mercury, einer der bekanntesten bisexuellen Männer aller Zeiten, den Spagat zwischen queerer Ikone und Heavy-Metal-Urgestein geschafft hat, dann können wir bestimmt dafür sorgen, dass sich queere Metalheads in beiden Communities zu Hause fühlen.

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