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Darja

Queere Töne

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Queere Töne

Es gibt Lieder, die hören wir auf jeder Pride und auf jeder falschsexuellen Party. Einige sind aus den 80ern des letzten Jahrhunderts, andere ganz neu. Was hat es mit diesen Liedern auf sich? Wir haben ein paar für euch zusammengestellt – und recherchiert, warum gewisse Lieder für unsere Community so wichtig sind.

Darja, 23   Studentin aus Zürich

Darja, 23

Studentin aus Zürich

Tobi, 23   Student aus Zürich

Tobi, 23

Student aus Zürich

«Queer Anthems» sind Lieder, die zur falschsexuellen Community gehören wie Glitzer und Regenbogenflaggen. Dabei muss der_die Sän- ger_in nicht queer sein, und auch der Songtext muss sich nicht zwingend um das Thema drehen: Viele der Lieder auf unserer Liste waren nicht queer «gemeint». Wir haben sie queer gemacht. In den Liedern geht es oft darum, eine schwierige Zeit zu überstehen. Es geht um Einsamkeit, Herzschmerz und Ausgeschlossensein. Aber vor allem handeln sie vom Feiern und Stark werden, vom Tanzen und Lieben. Häufig werden sie von extravaganten, starken Frauen gesungen; häufig sind es bekannte Popsongs. Wir haben diese Lieder, um uns zu feiern, um zu uns zu stehen. Deshalb dürfen sie ruhig auch ein wenig kitschig, trashig und überdreht sein.

Wir haben unsere Lieblingsauswahl für euch zusammengestellt. Die Liste ist aber keineswegs vollständig, und vielleicht haben wir deinen Liebling ausgelassen. Das ist aber kein Problem – komm einfach an die nächste Molke 7, dann hörst du ihn bestimmt wieder! Und bis dahin findest du einige unserer liebsten queeren Hymnen auf der Playlist milchjugend.ch/jugendpride.

Dancing on my own (2010) – Robyn

«I'M GIVING IT MY ALL, BUT I'M NOT THE GIRL YOU'RE TAKING HOME / I KEEP DANCING ON MY OWN» Du stehst in einem Club, und die Person, die du magst, küsst nicht mehr dich, sondern jemensch anderen: Aber du hältst durch, tanzt die ganze Nacht weiter, auch wenn dir das Herz dabei bricht. Trotz allem Schmerz geht es in diesem Lied ums Überleben, und darum, dass Tanzen manchmal Überleben bedeutet: Robyn gibt dir in all der Verzweiflung das Gefühl, dass du es schaffen kannst. Ausserdem ist sie – obwohl selbst nicht falschsexuell – eine Lesbenikone. Wenn dir also eine Party bevor steht, auf der du dein_e Ex triffst, und du weisst, dass er_sie jemensch anderen mitbringt: Denk an Robyn. Wenn sie das schafft, schaffst du es auch.

 

Dancing Queen (1976) – ABBA

«YOU CAN DANCE / YOU CAN JIVE / HAVING THE TIME OF YOUR LIFE» Die Plateauschuhe, der viele Glitzer und natürlich «Dancing Queen» – ABBA ist grossartig falschsexuell! In «Dancing Queen» geht es um die Magie der Nacht: Du drehst dich und fühlst nur den Beat, und du bist siebzehn und das einzig Wichtige ist grade, dass die Musik weiterläuft. 2006 vereinigten sich ABBA übrigens für kurze Zeit wieder, um Geld für die Pride in Warschau zu sammeln, die vom dortigen Präsident verboten werden sollte. Sie meinten, sie hätten einen grossen Teil ihrer noch immer währenden Berühmtheit der falschsexuellen Community zu verdanken. Gern geschehen.

 

The Greatest (2016) – Sia

«I'M FREE TO BE THE GREATEST,I'M ALIVE» Im Musikvideo zu diesem Lied von Sia sieht man die junge Tänzerin Maddie Ziegler, die weint, tanzt und sich Regenbogenfarbe über die Wan- gen streicht. Das Musikvideo bezieht sich auf die Erschiessung von 49 Falschsexuellen in einem Nachtclub in Orlando 2016. Trotz des schweren Themas ist «The Greatest» eine unverzichtbare Gay-Hymne: Denn das «stamina», das Durchhaltevermögen, das Sia beschreibt – «I'm running out of breath, but I got stamina» – bedeutet auch, dass wir es schaffen können, wenn wir zusammenhalten und füreinander einstehen.

 

Girls Just Want to Have Fun (1983) – Cyndi Lauper

«I WANNA BE THE ONE TO WALKIN THE SUN / OH GIRLS, THEY WANNA HAVE FUN» Beim ersten Hören ist dieser Song ein harmloses Lied. Doch wer genauer hinhört erkennt die feministischen Untertöne: Manche Männer* nehmen sich eine schöne Frau* und verstecken sie vor der Welt, doch Cyndi Lauper möchte frei sein und in der Sonne spazieren. In einer Welt, in der Frauen* immer noch viel weniger Möglichkeiten haben, ist es geradezu revolutionär, einfach nur Spass haben zu wollen. Cyndi Lauper, die mit ihren schrillen Outfits und Frisuren die 80er-Jahre aufwirbelte, setzt sich denn auch schon lange für LGBT*s ein und unterstützt obdachlose Queers mit mehreren Touren und sogar einer eigens gegründeten Stiftung. So ist ihr der Platz unter unseren Ikonen sicher.

 

I Want to Break Free (1984) – Queen

«I'VE FALLEN IN LOVE FOR THE FIRST TIME / AND THIS TIME I KNOW IT'S FOR REAL» Allein schon das Musikvideo kündigt an, wie queer der Song ist: Freddy Mercury, als Frau verkleidet – aber mit Schnauz – staubsaugt sein biederes Vorstadthaus, um sich schliesslich zuerst in einen Mann, dann in ein nonbinäres, mythisches Wesen zu verwandeln, dass in einer fulminanten Ballettszene die Geschlechtergrenzen aufbricht. Es geht darum, Grenzen zu sprengen, auszubrechen, aus dem Schrank zu kommen und sich selbst zu sein. Freddie Mercury, der Sän- ger der Band Queen, war selber bisexuell, wagte aber zeitlebens kein Coming-out. Er starb leider sehr früh an AIDS, doch bleibt er für immer als grosses queeres Idol in unserem Gedächtnis.

 

Smalltown Boy (1984) – Bronski Beat

«YOU LEAVE IN THE MORNING / WITH EVERYTHING YOU OWN» Die Band Bronski Beat und der Sänger Jimmy Sommerville thematisierten in ihren Songs immer wieder ihr eigenes Schwulsein. In ihrer ersten Hitsingle Smalltown Boy geht es deswegen auch um einen Jungen, der von Zuhause wegläuft – «run away/turn away» –, weil er dort seine Homosexualität nicht leben kann. Mit diesem Song sprachen Bronski Beat vielen jungen Queers in den 80er-Jahren aus der Seele und obwohl der Text eine traurige Geschichte erzählt, schenkt er doch auch Hoffnung auf einen Neuanfang. Bronski Beat spielte übrigens 1984 auf dem Benefizkonzert für die streikenden Minenarbeiter, organisiert von der Gruppe «Lesbian and Gays Support the Miners», die im wunderbaren Film «Pride» porträtiert werden.

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21. PINK APPLE FILM FESTIVAL

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21. PINK APPLE FILM FESTIVAL

Vom 2. 5. bis zum 13. 5. findet das 2 1. Pink Apple Film Festival in Zürich und Frauenfeld statt! Wie jedes Jahr erwarten euch dort glitzrige, verschrobene, laute, aber auch leise und kritische falschsexuelle Filme. Egal, ob ihr gerne über Politik diskutiert, Kunstfilme und Dokumentationen mögt, bei einem Drama ein paar Tränen vergiessen oder einfach auf einer kuschligen Regenbogenwolke für ein paar Stunden den Alltag vergessen wollt: Ihr findet bestimmt etwas, das euch gefällt! Zwei Filme haben wir uns schon einmal für euch angeschaut und wollen sie euch besonders ans Herz legen.

MIXED MESSAGES

Darja, 23   Studentin aus Zürich

Darja, 23

Studentin aus Zürich

Die falschsexuelle Ren ist neu in Berlin und schlägt sich in der dortigen Community zwischen Speed-­Dating, Bondage-­Kursen und Lesbenbars durch. Ren ist eine Anti­-Heldin: Auf ihren Dates geht meistens etwas gran­dios schief, und wenn sie im Club ihren Flirt mal kurz aus den Augen lässt, knutscht dieser mit einer anderen.

Alle scheinen irgendwie cooler als sie zu sein, Teil von etwas, das sie selbst nicht ganz verstanden hat, und obwohl Ren sich gerne in der Community bewegt, obwohl sie viele Frauen* trifft, die an ihr interessiert sind, wirkt sie tapsig: Sie stolpert durch die queere Welt wie Alice imWunderland, die an jeder Ecke eine neue Unglaublichkeit entdeckt. Die Webserie «Mixed Messages» der Re­gisseurin Kanchi Wichmann besteht aus fünfminütigen Episoden, die sich zu einem Film vereinen. In jeder Episode wird eine andere tragikomische Begebenheit aus Rens Leben gezeigt. Kanchi Wichmanns Crew bestand ausschliesslich aus Frau­en*, sowohl vor als auch hinter der Kamera. Die gezeigte Community ist ausgesprochen divers: Die Frauen*, die Ren begehrt, sind dick und dünn, stammen von verschiedenen Kontinenten, sind Trans*perso­nen, Femmes und Butches. Der Cast besteht nicht aus professionellen Schauspielerinnen, sondern aus Freundinnen der Regisseurin und aus Menschen, die tatsächlich Teil der Berliner Queer­-Szene sind.

Ren ist eine queere Protagonistin, mit der mensch sich identifizieren kann – sie tanzt, knutscht, lacht, trinkt, verliert sich, findet sich wieder, und zeigt, wie schön und schlimm und wie furchtbar anstrengend das Leben sein kann, egal ob in der hippen Berliner Queer­-Community oder in einem 500­-Seelen­-Kaff im Kanton Aargau: Sie sucht einfach nach etwas, was funktioniert – für eine Nacht und vielleicht noch für das ge­meinsame Frühstück am nächsten Morgen. Und dieses Gefühl – kennen wir das nicht alle viel zu gut?

 

SCREWED

Johanna, 19   Studentin aus Basel

Johanna, 19

Studentin aus Basel

Mikus Eltern kommen früher von den Ferien nach Hause als geplant und treffen ein zerstörtes Haus an. Toilettenpapier hängt in den Bäumen, der Wohnzimmertisch ist zerbrochen, Farbe klebt an den Wänden und Bierflaschen schmücken die ganze Misere.

Als Strafe muss Miku den Sommer mit seinen zerstrittenen Eltern in einem Ferienhaus in Finnland verbringen. Dort gibt es nichts ausser Flüssen, Wiesen und einer alten Kneipe. Langweiliger kann der Sommer gar nicht werden. Doch dann taucht Elias auf.

Elias und Miku haben abgesehen von ihrem Alter und ihren nicht sehr harmonischen Familiensituationen nichts gemeinsam, doch irgendwie sind sie voneinander fasziniert. Sie verbringen viel Zeit miteinander und Miku setzt sich zum ersten Mal in seinem Leben mit seiner Identität und Sexualität auseinander.

Mensch spürt, dass der Regisseur unglaublich viele Gedanken und Zeit in die Charakteren investiert hat. Dies macht es einfach, sich in die Hauptpersonen hineinzuversetzen und mit ihnen zu fühlen.Die gesamte Machart des Films ist ebenfalls lobenswert. Wunderschö­ne Farbstimmungen und präzise komponierte Szenerien ziehen sich konsequent durch den ganzen Film. Alle, die genug von heteronormati­ven Romanzen haben, sollten sich «Ten thousand Hearts» ansehen und sich eine Zeit lang im ländlichen Finnland verlieren.

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