Viewing entries tagged
Gianna

Moonlight

Comment

Moonlight

Barry Jenkins’ „Moonlight“ ist ein berührender Film über einen Jungen, der auf viele Arten anders ist.

Gianna, 23   Studentin aus Würenlos

Gianna, 23

Studentin aus Würenlos

Obwohl es in Moonlight um das Leben einen jungen, queeren, schwarzen Mannes in einem der ärmeren Viertel von Miami geht, ein Leben, das nicht unterschiedlicher zu meinem sein könnte, habe ich mich selten so wiedererkannt in einer Figur, in seiner Fremdheit und Ferne zu anderen Menschen.

Wir folgen Chiron durch nach seinem jeweiligen Rufnamen benannte Lebensabschnitte: 1. Little (“Kleiner”, gespielt von Alex R. Hibbert), 2. Chiron (Ashton Sanders) und 3. Black (Trevante Rhodes). Sein Erwachsenwerden ist schwer: Während seine Mutter Drogen nimmt und gleichaltrige Jungs seine Andersartigkeit spüren und bestrafen, fühlt er sich zu seinem einzigen Freund Kevin hingezogen. Als sich die zwei Teenager eines nachts näher kommen, tritt die grosse Verletzlichkeit und Unsicherheit Chirons schmerzlich zu Tage und der Kontrast zum entspannten Kevin (gespielt von Jharrel Jerome) ist noch deutlicher als zuvor. Es ist bemerkenswert, dass die intime Nähe, welche wir zwischen Chiron und Kevin spüren, durch den Film und die drei Altersstufen in ihrem Charakter erhalten bleibt.

Dadurch, dass der Film mit klassischer Musik unterlegt ist, ergibt sich ein fast traumhaft anmutender Abstand zur Handlung und den Personen, jedoch kein Abstand zu Chiron selbst; im Gegenteil, durch die fast beklemmenden Streicherklänge ziehen wir uns mit Chiron in sein Innerstes zurück. Moonlight ist eine Geschichte über das Erwachsenwerden in widrigen Umständen, erzählt mit einer Ehrlichkeit und Wärme, die berührt.

Comment

Abenteuer und Zuckerwatte: Ein Gang durch die Kosmetikabteilung

Comment

Abenteuer und Zuckerwatte: Ein Gang durch die Kosmetikabteilung

«Dark Temptation» und «Rosentörtchen»: Das sind keine schlechten Künstler_innennamen, sondern Duschgels.

Gianna, 23   Studentin aus Würenlos   Werbungen Text: Anna, 19    Werbungen Bild: Sara, 24

Gianna, 23

Studentin aus Würenlos

Werbungen Text: Anna, 19

Werbungen Bild: Sara, 24

Ich spaziere durch die Kosmetikabteilung im Coop und lasse die Eindrücke auf mich wirken. Die Männerabteilung besticht durch dunkle Farben (schwarz) und fantasievolle Namen wie «hydra sport», «sport energy» oder «after sport». Um dem Käufer seine Stärke und Sportlichkeit zu versichern, scheuen die Kosmetikmarken keinen Aufwand – nachdem mann mit der doppelten Versicherung von «strong power» geduscht hat, ist mann sich seiner Kraft bestimmt sicher, obwohl der Name «strong power» selbst so wenig Sinn macht, wie wenn mensch von einem weissen Schimmel spricht.

Warum einfach, wenn’s auch kompliziert geht?

Auch hilfreich ist, dass die Marken ihre Männerprodukte genau kennzeichnen. Weil sich waschen und duschen bekannterweise ein klar weiblicher Fimmel ist, tragen die Produkte, welche für Frauen gedacht sind, schlicht und einfach den Markennamen («Nivea», «Dove»), die Männerprodukte hingegen sind mit «Nivea MEN» und «Dove MEN» beschriftet.

Männer riechen also nach Sport und Abenteuer, wir hingegen wollen wie wandelnde Blümchenhonigzuckerwatten duften. Die Duschgelflaschen in der Frauenabteilung sind in weiches Rosa und helle Pastellfarben getaucht und in den Namen finden sich Wörter wie «sonnig», «sanft», «glatt» und «weich» – so sind wir Frauen! Harmoniebedürftig, zart duftend, stets lächelnd und glücklich, dekorativ wie eine Blumenwiese. Und wenn wir das mal vergessen, reicht schon ein kurzer Blick auf die Duschgelflasche, wie praktisch!

Gleicher Preis für gleiche Leistung scheint in der Kosmetikbranche kein Thema zu sein, Produkte für Frauen kosten nämlich mehr als solche für Männer. Was für Frauen offenbar auch nicht der Rede wert ist, sind praktische und zeitsparende 2-in-1-Produkte. Im Gegenteil, in der Abteilung zur Frauenhaarpflege wird schnell klar, dass für die Haarpflege allein mehrere Produkte nötig sind (Shampoo, Conditioner, Maske, Kur, Haaröl und Haarspray sind erst der Anfang).

Vom männlichen Blut

Bildschirmfoto 2018-07-10 um 14.25.53.png

Die Eitelkeit von Frauen hört ja bekanntlich nicht da auf, dass sie sich duschen, Zähne putzen und schminken, nein, sie gehen bekanntlich in ihrem Schönheitswahn sogar so weit, dass sie das in der Regel allmonatlich aus ihren Vaginas austretende Blut mit verschiedenen dekadenten Hilfsmitteln wie Tampons, Binden und Menstruationstassen davon abhalten, ihre Beine hinunterzulaufen und ihre Kleider zu durchtränken. Das muss mensch sich einmal vergegenwärtigen: Würden Penisse allmonatlich bluten, hätten Männer offensichtlich keine Mühe damit, dieses kräftige Männerblut ihre Oberschenkel hinablaufen zu lassen. Oder sie würden sich die unten beworbenen Menstruationsprodukte kaufen.

Dass Tampons und Binden in der Schweiz nicht zu «Gütern des alltäglichen Gebrauchs» zählen, sondern als Kosmetikprodukte und somit eine Mehrwertsteuer von 8% anstatt 2,5% haben, ist also absolut verständlich.

Wenn die Unterteilung in Männlichkeit und Weiblichkeit tatsächlich so fragil ist, dass wir uns mit Duftkennzeichen markieren müssen, sodass wir die Geschlechtszugehörigkeit notfalls erschnuppern können, dann sollten wir vielleicht einfach die Unterteilung abschaffen.

Für eine Welt, in der Frauen nach Abenteuer und Männer nach Zuckerwatte duften dürfen.

Bildschirmfoto 2018-07-10 um 14.25.39.png

Comment

Mein schönstes lila.-Erlebnis

Comment

Mein schönstes lila.-Erlebnis

Johanna, 19   Studentin aus Rombach

Johanna, 19

Studentin aus Rombach

Immer wieder beginnt es zu regnen, hört wieder auf. Immer wieder gehen wir tanzen, ruhen uns aus. Holen uns was zu trinken. Tanzen weiter.

Die Gesichter glitzern, Menschen umarmen sich, stehen am Rande der Geschehnisse, schauen zu. Manche sind mittendrin, verfliessen mit der Musik. Ich spüre wie glücklich ich zwischen all diesen Menschen, die ich seit Minuten, Stunden oder Monaten kenne, bin. Ich kann mich nicht dran erinnern, wann ich das letzte Mal so ausgelassen getanzt habe. Das fühlt sich wunderschön an. Zehn Lieder später machen wir Pause vom Tanzen. Suchen den Weg aus den tanzenden Menschen hinaus. Der Boden, auf dem wir gehen, weicht sich auf, der Himmel über uns ist nachtblau und bewölkt. Ausserhalb der Menge angekommen atme ich die kühle Luft ein. Wir laufen über das Gelände zu der grossen Bühne. Irgendwie hat so eine Bühne etwas Beeindruckendes an sich. Wir klettern hinauf. Meine Hosen sind voller Matsch, meine Oh- ren froh, nicht mehr von lauten Klän- gen umgeben zu sein. So sitzen wir inmitten von goldenen Schnipseln, die auf der Bühne liegen, im Kreis. Wir reden, lachen und schweigen miteinander. Aufgehoben in diesem kleinen, queeren Universum denken wir nicht an morgen, sind im Jetzt.

 

Cora, 22   Studentin aus Olten

Cora, 22

Studentin aus Olten

Die Auswahl fällt mir schwer, denn das lila. hat so viele schöne Dinge geboten. Für mich war es immer dann am schönsten, wenn ich gesehen habe, wie viel Spass dieser bunte Haufen junger queerer Menschen hatte. Leuchtende Augen beim ersten Schritt auf das Gelände, nachdem ich ihnen ihren Bändel umgelegt hatte. Fröhliches Lachen an der Bar, während sie auf ihre Getränke warteten, und die Begeisterung über unser frisches Popcorn. Ausgelassenes Tanzen bei den Konzerten und strahlende Gesichter von Menschen, die frei waren, sich selbst zu sein und sich auszudrücken. Diese Momente zeigen, wie wichtig es ist, dass Räume wie das lila. existieren. Oh, und als die Küche am Samstag gegen 17 Uhr, nach einem eiskalten, verregneten Tag, ein unglaublich gutes Curry auftischte, hat mir das den Abend gerettet.

 

Gianna, 23   Studentin aus Würenlos

Gianna, 23

Studentin aus Würenlos

Irgendwann am Samstag, vielleicht am späten Nachmittag, als das Licht allmählich trüb zu werden beginnt und die Farben verschwinden, vielleicht ist es aber auch schon Abend oder Nacht und es laufen die ersten Konzerte, sitze ich auf dem Turm in der Mitte des Lila Geländes auf dem Stroh. Es regnet, das weiss ich noch genau, weil die Strohquadrate am Rand des Dachs nämlich alle schon feucht und nass sind. Mir ist kalt, mein Wollpullover liegt im Zelt und alles an mir ist ein bisschen nass vom Regen.

Ich bin inmitten von Menschen, von denen sich anfangs noch nicht alle kannten, und die auch ich zum Teil noch nicht kannte, die aber jetzt verknüpft durch gemeinsame Bekanntschaften zu einem Kreis auf Stroh geworden sind. Es wird gesprochen, gescherzt und gelacht, so schnell springen die Wörter umher, dass man dem Gespräch fast unmöglich in seiner Gänze folgen kann. Trotzdem fühle ich mich sehr aufgehoben, weil Menschen, die mir schon vorher lieb waren und neue Menschen, die ich in diesem Moment liebgewinne, um mich sind.

Plötzlich umarmen sich Hände, Handfläche gegen Handfläche, die Daumen um die jeweils andere Hand gelegt, eine Geste, die bald vom ganzen Kreis ausprobiert wird. Als dabei ein Gespräch über Konsens entsteht und darüber gesprochen wird, dass man sich bei jeder Art von Körperkontakt versichern sollte, ob dieser von der anderen Person gewollt ist, ist es um mich geschehen und ich verliebe mich vollends in diesen Kreis von Menschen.

Comment