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Johanna

«Ich bin Transmann-Rapper mit Kampflesben-Swagger»

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«Ich bin Transmann-Rapper mit Kampflesben-Swagger»

Jennifer Gegenläufer. Rapper. Mitreissende Beats treffen auf starke Texte. Er rappt für die queere Liebe, gegen das Patriarchat, über die Erfahrung als Heimkind aufzuwachsen und vereinigt ganz viele Kämpfe in seinen Tracks. Vor dem Konzert in Zürich haben wir Jennifer Gegenläufer getroffen und mit ihm über Aktivismus, Rap und Frauen*kämpfe gesprochen.

Johanna, 20   Studentin aus Basel

Johanna, 20

Studentin aus Basel

Wie bist du zum Rap gekommen?

Hiphop hab’ ich durch meinen älteren Cousin kennengelernt. Der hat aber ziemlich sexistische Rapper gehört. Damals fand ich das noch geil und hab es ohne nachzudenken mitgerappt. Mit dreizehn hab’ ich dann gedacht: «Jetzt bin ich Gangster genug» und hab begonnen, Texte zu schreiben, die sich inhaltlich genau da einreihten.

Wie hast du dir das Rappen beigebracht?

Ich habe mir Rap selber beigebracht und bin dann durch Zufall auf ein einjähriges Rap-Workshop Angebot gestossen, das mir ermöglicht hat im Studio aufnehmen zu können. Dort war ich neben einer anderen Rapperin, die leider selten kam und nach dem Workshop nicht mehr weitergemacht hat, das einzige Mädchen in einer Männergruppe, das den Workshop regelmässig besuchte. Nach diesem Workshop war ich noch bei anderen Projekten dabei und mit fünfzehn Jahren habe ich begonnen, meine eigenen Beats zu bauen und an Rap Battles teilzunehmen.

Wie wurde dein Rap politisch?

Bei mir ist das tatsächlich über Veganismus passiert. Durch die Auseinandersetzung mit diesem Thema bin ich immer mehr in die linke Szene gekommen und wurde vertrauter mit verschiedenen Begriffen, wie zum Beispiel Sexismus. Mit dem Wort Sexismus konnte ich endlich benennen was ich nach Battle Raps, dominiert von Typen, immer gemerkt hab.

Obwohl ich teilweise besser rappen konnte als Typen, kriegte aber nicht Mal ansatzweise den selben Respekt dafür. Durch den Begriff Sexismus konnte ich dieses Gefühl von Machtlosigkeit verorten. Ich hab’ erkannt, dass Typen in unserer Gesellschaft in einer Machtposition gegenüber Frauen stehen und dass das gar nichts mit meiner Fähigkeit zu rappen zu tun hat. Durch diese Erkenntnis hab’ ich den Kontakt zu anderen linken Rapper_innen gesucht, um meinen Rap in diese Richtung zu entwickeln. So bin ich an einem Rap-Workshop von Sookee gelandet. In der Kurzversion hat dann quasi das eine zum anderen geführt und inzwischen kann ich Sookee auf Tour begleiten.

Ist Rap eine Form von Aktivismus für dich?

Es ist auf jeden Fall auch eine Form von Aktivismus. Für mich ist es aber auch eine Form von Überlebensstrategie und ein Weg, mich selber und andere Queers zu empowern. Das Queersein ist jedoch nicht das einzige relevante Thema für mich. Im Kapitalismus gibt es viele verschiedene Diskriminierungsformen, die wichtig sind, damit Kapitalismus als Verhältnis überhaupt funktionieren kann. Im Kampf gegen kapitalistische Verhältnisse sollte Sexismus kein Nebenwiderspruch sein und im Kampf gegen Sexismus ist es wichtig, Klassismus auf dem Schirm zu haben. Wir sollten all diese verschiedenen Kämpfe zusammenführen.

Was findest du beim Aktivismus wichtig?

Aktivismus ist sehr von den gesellschaftlichen Verhältnissen abhängig und dementsprechend sehr veränderbar. Wir müssen die verschiedenen Aktivismen in Bezug zueinander setzen und vernetzen. Es ist unglaublich wichtig, über den Kampf für Geschlechtergerechtigkeit in Deutschland oder in der Schweiz hinauszudenken und die Frauen*kämpfe in anderen Ländern nicht zu vergessen. Genau diese Verbindungen reduzieren bei uns das Gefühl, alleine zu sein. Es schafft auch ein Bewusstsein, dass selbst wenn eine Partei mit homofeindlichen, rassistischen und anderen diskriminierenden Ansichten Macht gewinnt, es trotzdem irgendwie weitergeht. Nur weil die stärker werden, soll es uns nicht daran hindern auch noch stärker zu werden. Freund_innenschaften zu haben, die einem gut tun, sich mit Menschen zu umgeben, bei denen mensch sich sicher fühlt und mit denen mensch Zugang zu den eigenen Emotionen hat, ist wesentlich. Das Patriarchat und der kapitalistische Zustand wollen uns alle vereinzelt haben. Verwahrlost in uns selbst gekehrt. Es ist essentiell, sich selber nicht alleine zu lassen und sich dann gegenseitig zu unterstützen.

Welche Dinge sind dir bei deinen Kämpfen besonders wichtig?

Für mich ist es wichtig, über die Situation von Transmännern im Kampf für Geschlechtergerechtigkeit, oder von vielen Personen noch Frauen*kampf genannt, zu sprechen. Ich hab’ die Erfahrung als Mädchen in dieser Gesellschaft gemacht. Ich hab’ Sexismus erfahren, ich hab‘ Homofeindlichkeit erfahren, ich hab Rape Culture in Rap Battles und anderen Kontexten erfahren, und selbst wenn sich bei mir hormonell was ändert, kämpfe ich weiter für Geschlechtergerechtigkeit, also bleibe ich immer im «Frauen*kampf» drin. Das ist mein Platz. Transmenschen sollten als genauso selbstverständlich angesehen werden wie Cis-Personen. Falls eine Person aus einem Kampf rausgeht, dann soll das eine freie Entscheidung sein, und nicht weil die Person einen zu grossen Kampf führen muss, um überhaupt einen Platz innerhalb des Kampfes zu kriegen. Ich weiss, ich bin ein Transmann-Rapper mit Kampflesben-Swagger und ich werde meinen Kampflesben-Swagger immer behalten.

Patriarchat: Gesellschaftsform, in der Männer eine bessere Stellung in der Gesellschaft haben.

Rape Culture: Bezeichnet Gesellschaften, in denen sexualisierte Gewalt und Vergewaltigungen toleriert und normalisiert werden.

Sookee: falschsexuelle, antifaschistische Rapperin aus Berlin.

Klassismus: bezeichnet Vorurteile oder Diskriminierung aufgrund der sozialen Herkunft oder der sozialen Position und richtet sich überwiegend gegen Angehörige einer «niedrigeren» sozialen Klasse.

 

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21. PINK APPLE FILM FESTIVAL

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21. PINK APPLE FILM FESTIVAL

Vom 2. 5. bis zum 13. 5. findet das 2 1. Pink Apple Film Festival in Zürich und Frauenfeld statt! Wie jedes Jahr erwarten euch dort glitzrige, verschrobene, laute, aber auch leise und kritische falschsexuelle Filme. Egal, ob ihr gerne über Politik diskutiert, Kunstfilme und Dokumentationen mögt, bei einem Drama ein paar Tränen vergiessen oder einfach auf einer kuschligen Regenbogenwolke für ein paar Stunden den Alltag vergessen wollt: Ihr findet bestimmt etwas, das euch gefällt! Zwei Filme haben wir uns schon einmal für euch angeschaut und wollen sie euch besonders ans Herz legen.

MIXED MESSAGES

Darja, 23   Studentin aus Zürich

Darja, 23

Studentin aus Zürich

Die falschsexuelle Ren ist neu in Berlin und schlägt sich in der dortigen Community zwischen Speed-­Dating, Bondage-­Kursen und Lesbenbars durch. Ren ist eine Anti­-Heldin: Auf ihren Dates geht meistens etwas gran­dios schief, und wenn sie im Club ihren Flirt mal kurz aus den Augen lässt, knutscht dieser mit einer anderen.

Alle scheinen irgendwie cooler als sie zu sein, Teil von etwas, das sie selbst nicht ganz verstanden hat, und obwohl Ren sich gerne in der Community bewegt, obwohl sie viele Frauen* trifft, die an ihr interessiert sind, wirkt sie tapsig: Sie stolpert durch die queere Welt wie Alice imWunderland, die an jeder Ecke eine neue Unglaublichkeit entdeckt. Die Webserie «Mixed Messages» der Re­gisseurin Kanchi Wichmann besteht aus fünfminütigen Episoden, die sich zu einem Film vereinen. In jeder Episode wird eine andere tragikomische Begebenheit aus Rens Leben gezeigt. Kanchi Wichmanns Crew bestand ausschliesslich aus Frau­en*, sowohl vor als auch hinter der Kamera. Die gezeigte Community ist ausgesprochen divers: Die Frauen*, die Ren begehrt, sind dick und dünn, stammen von verschiedenen Kontinenten, sind Trans*perso­nen, Femmes und Butches. Der Cast besteht nicht aus professionellen Schauspielerinnen, sondern aus Freundinnen der Regisseurin und aus Menschen, die tatsächlich Teil der Berliner Queer­-Szene sind.

Ren ist eine queere Protagonistin, mit der mensch sich identifizieren kann – sie tanzt, knutscht, lacht, trinkt, verliert sich, findet sich wieder, und zeigt, wie schön und schlimm und wie furchtbar anstrengend das Leben sein kann, egal ob in der hippen Berliner Queer­-Community oder in einem 500­-Seelen­-Kaff im Kanton Aargau: Sie sucht einfach nach etwas, was funktioniert – für eine Nacht und vielleicht noch für das ge­meinsame Frühstück am nächsten Morgen. Und dieses Gefühl – kennen wir das nicht alle viel zu gut?

 

SCREWED

Johanna, 19   Studentin aus Basel

Johanna, 19

Studentin aus Basel

Mikus Eltern kommen früher von den Ferien nach Hause als geplant und treffen ein zerstörtes Haus an. Toilettenpapier hängt in den Bäumen, der Wohnzimmertisch ist zerbrochen, Farbe klebt an den Wänden und Bierflaschen schmücken die ganze Misere.

Als Strafe muss Miku den Sommer mit seinen zerstrittenen Eltern in einem Ferienhaus in Finnland verbringen. Dort gibt es nichts ausser Flüssen, Wiesen und einer alten Kneipe. Langweiliger kann der Sommer gar nicht werden. Doch dann taucht Elias auf.

Elias und Miku haben abgesehen von ihrem Alter und ihren nicht sehr harmonischen Familiensituationen nichts gemeinsam, doch irgendwie sind sie voneinander fasziniert. Sie verbringen viel Zeit miteinander und Miku setzt sich zum ersten Mal in seinem Leben mit seiner Identität und Sexualität auseinander.

Mensch spürt, dass der Regisseur unglaublich viele Gedanken und Zeit in die Charakteren investiert hat. Dies macht es einfach, sich in die Hauptpersonen hineinzuversetzen und mit ihnen zu fühlen.Die gesamte Machart des Films ist ebenfalls lobenswert. Wunderschö­ne Farbstimmungen und präzise komponierte Szenerien ziehen sich konsequent durch den ganzen Film. Alle, die genug von heteronormati­ven Romanzen haben, sollten sich «Ten thousand Hearts» ansehen und sich eine Zeit lang im ländlichen Finnland verlieren.

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