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Milusch

Drei Menschen eine Zurich Pride

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Drei Menschen eine Zurich Pride

Milusch, 27   Chemiker aus Zürich

Milusch, 27

Chemiker aus Zürich

Cyril, 18   Student aus Bassersdorf

Cyril, 18

Student aus Bassersdorf

Die Zurich Pride ist vorbei. Ein wundervolles Wochenende voller Liebe und Gleichheit wars. Wir haben drei Teilnehmende interviewt.

Jordan, 18

Jordan, 18

WAS WAR DEINE HAUPTMOTIVATION, UM AN DER PRIDE TEILZUNEHMEN?

Ich wollte neue Menschen und Gleichgesinnte treffen.

WELCHE ÜBERRASCHUNGEN, SOWOHL POSITIV ALS AUCH NEGATIV, HAST DU AM PRIDE-WOCHENENDE ERLEBT?

Ich war überrascht, wie offen alle miteinander umgegangen sind und alle einfach nur das Beste aus dem Tag machen wollten. Es war auch sehr einfach, neue Bekanntschaften zu schliessen. Nur wenn Schlager am Festival gespielt wurde dachte ich mir, dass ich ganz schnell gehen muss.

WELCHE VERÄNDERUNGEN FÄNDEST DU WÜNSCHENSWERT, UM DIE NÄCHSTE PRIDE NOCH TOLLER ZU MACHEN?

Die Pride fand ich dieses Jahr schon enorm toll. Aber mir ist aufgefallen, wie viele Leute gar nicht wissen, um was es bei der Pride geht, oder überhaupt dass es eine Pride gibt. Es gab zum Beispiel auch Leute die den Umzug als Gay-Parade bezeichnet haben, was ich nicht korrekt finde. Viele wussten auch nicht, was LGBTQ oder Queer bedeutet. Ich fände es wichtig, dass man über solche Themen mehr erzählt und so auch ein breiteres Publikum so mit der Pride ansprechen kann.

WAS ERWARTEST DU NÄCHSTES JAHR VON DIESEM BUNTEN WOCHENENDE?

Ich erwarte mehr Seifenblasen, mehr Einhörner und mehr Glitzer und bedeutend weniger (gar keinen) Schlager. Und mehr Leute.

 

WAS WAR DEINE HAUPTMOTIVATION, UM AN DER PRIDE TEILZUNEHMEN?

Vera, 20

Vera, 20

Obwohl ich mich schon länger für queere Themen engagiere, konnte ich bis jetzt nie teilnehmen. Dieses Jahr wollte ich unbedingt gehen, weil mensch das einfach mal erlebt haben muss.

WELCHE ÜBERRASCHUNGEN, SOWOHL POSITIV ALS AUCH NEGATIV, HAST DU AM PRIDE-WOCHENENDE ERLEBT?

Vom Motto «No Fear To be You – Sicherheit für LGBT-Flüchtlinge» hatte ich ziemliche Erwartungen. Aber Sponsoring by UBS und Credit Suisse? Die agieren in Länder wie die Türkei, Saudi-Arabien, Katar,wo die Rechte queerer Menschen massiv eingeschränkt werden! Reden vor allem von weissen Cis-Männern, mit einer Moderation die zwischen tragischen Schicksalsberichten von queeren Geflüchteten die tolle Partystimmung lobte? Sorry, no go. Veranstaltende, die kritische Stimmen gegen ihre heiligen Sponsoren zum Schweigen bringen? Was soll das? Dass Geflüchteten am Schluss den Platz putzen mussten, gedrängt in prekäre Arbeit, zeigt die Kluft zwischen dem was gesagt wurde und dem was war noch einmal all zu deutlich.

WELCHE VERÄNDERUNGEN FÄNDEST DU WÜNSCHENSWERT, UM DIE NÄCHSTE PRIDE NOCH TOLLER ZU MACHEN?

Wenn schon Sponsoren, dann sollten sie auf Herz und Nieren auf tatsächliche, nicht nur scheinbare Queer-Freundlichkeit geprüft werden.

WAS ERWARTEST DU NÄCHSTES JAHR VON DIESEM BUNTEN WOCHENENDE?

Diese Veranstaltung muss wieder politisch werden. Die Stonewall Riots 1979 waren ein Aufstand von Trans* Women of Color, keine verdammte Regenbogenglitzereinhornparty.

 

Sabrina, 20

Sabrina, 20

WAS WAR DEINE HAUPTMOTIVATION, UM AN DER PRIDE TEILZUNEHMEN?

Ich wollte für die LGBTIQ+ Community demonstrieren und für unsere Rechte einstehen sowie Sichtbarkeit zeigen.

WELCHE ÜBERRASCHUNGEN, SOWOHL POSITIV ALS AUCH NEGATIV, HAST DU AM PRIDE-WOCHENENDE ERLEBT?

Das die Pride so gross war hat mich echt überrascht und dass es so eine gute Stimmung war.

Negativ erlebt habe ich, wie einen die Realität wieder einholt, sobald mensch das Pride-Gelände verlässt, es gab sofort wieder Anfeindungen.

WELCHE VERÄNDERUNGEN FÄNDEST DU WÜNSCHENSWERT, UM DIE NÄCHSTE PRIDE NOCH TOLLER ZU MACHEN?

Mir fällt gerade so spontan nichts ein, dass man gross ändern müsste.

WAS ERWARTEST DU NÄCHSTES JAHR VON DIESEM BUNTEN WOCHENENDE?

Ich erwarte das es wieder so viele Menschen sind die auf die Strasse gehen und für die LGBTIQ+ Community einstehen und für unsere Gleichberechtigung kämpfen.

 

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YOUTUBER_INNEN COMING-OUTS

DIE ACHT BESTEN COMING-OUT-VIDEOS VON BEKANNTEN YOUTUBER_INNEN

SHANE DAWSON

Shane ist ein 28-jähriger Youtube-Komiker. 2015 lud er ein Video namens «I’m Bisexual» hoch, in dem er beschreibt, wie schwer es ihm fällt, dieses Video zu machen. Motivation war für ihn, dass es für gewisse Menschen hilfreich sein könnte. Er beschreibt, wie er sich verwirrt gefühlt hatte wegen seiner Sexualität. Shane beneidet die Sicherheit, die in anderen Coming-out-Videos an den Tag gelegt wird, weil er selbst nicht bestimmt weiss, wer er genau ist. Er erzählt von seinem Weg der Unterdrückung seiner Gefühle und wie seine religiöse Familie schlecht über Homosexualität sprach. Irgendwann ging er in Therapie aufgrund seiner Depressionen und lernte sich selbst besser kennen. Am Schluss sagt er, dass seine Sexualität ihn nicht definiert und dass sie nicht sein Leben ausmacht.

DODIE

Dodie schreibt auch ihre eigene Musik. Sie veröffentlichte ihr Video «I’m bisexual WOO» im Mai 2016. Darin erwähnt sie ihre Sexualität, über welche sie schon zuvor gesprochen hatte, jedoch war sie sich damals noch nicht über ihr Label sicher. Sie habe sich früher für «nicht bisexuell genug» gehalten, was sie lange davon abhielt, sich so zu bezeichnen. Sie erzählt in ihrem Video auch von anderen Labels, dass sie noch nicht alles genau erforscht hat und sich gerne überraschen lasse, was auf sie zukomme. Sie beschreibt, dass im 2011 in ihrem Freundeskreis nicht über Bisexualität gesprochen wurde. Es schien gar keine Option gewesen zu sein. Doch nun fühlt sie sich wohl mit ihrem Label.

GIGI GORGEOUS

Die bekannte Fashion- und Beauty-Bloggerin* hat 2016 bereits ihr drittes Coming-out-Video veröffentlicht. Bereits Jahre vor ihrer Transition hat sie sich als schwul geoutet, dann folgte das Outing als Transfrau* und schliesslich das aktuelle Video, in dem sie sich als Lesbe outet, und damit ein gutes Beispiel dafür ist, dass sexuelle Orientierung und Geschlechteridentität nichts miteinander zu tun haben. Sie teilt ihre Ansichten über Liebe und erklärt ihren Fans, dass es okay ist, seine sexuelle Orientierung infrage zu stellen und sie als eher fluid zu betrachten.

STEF SANJATI

An Stefs Transgender-Coming-out-Video fällt speziell ihre Haltung gegenüber ihrem eigenen Körper auf. Sie fühlt sich nicht «gefangen» in ihrem Körper, obwohl sie auch eine gewisse Dysphorie (eine starke emotionale und mentale Belastung aufgrund des zugewiesenen Geschlechts) empfindet und dies auch später in anderen Videos anspricht. Ihr Video ist äusserst körperpositiv und inspirierend. Auch ihre Updatevideos über ihr Leben als Transfrau sind sehr informativ, ehrlich und definitiv sehenswert.

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HANNAH HART

Hannah ist bekannt für ihre «my drunk kitchen»-Videoreihe. Sie hatte ihr Coming-out als Lesbe bereits im ersten Jahr ihrer Youtube-Karriere und Homosexualität ist seither ein oft angesprochenes Thema auf ihrem Kanal. Mittlerweile finden sich sieben weitere Coming-out-Videos von ihr, in denen sie unterschiedliche Aspekte der Homosexualität thematisiert, wie zum Beispiel die Homoehe. 2016 hat sie ihr zweites Buch «Buffering» veröffentlicht, in dem sie von ihrem Leben und somit auch von ihrer Sexualität erzählt.

 
Andrea

Andrea

Sabrina

Sabrina

Milusch

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Ich rede ganz selten über Sex

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Ich rede ganz selten über Sex

Erika Knoll ist seit elf Jahren Geschäftsführerin der Condomeria im Zürcher Niederdörfli. Was sie da alles erlebt, erzählte sie Milusch und Tobi in ihrem Laden.

Selfie: Erika Knoll

Selfie: Erika Knoll

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Tobi: Wie ist es eigentlich zur Condomeria gekommen?

Tobi, 22   Student aus Zürich    Fotos: Cora

Tobi, 22

Student aus Zürich

Fotos: Cora

Erika: Die Condomeria ist in den Achtzigerjahren entstanden, als HIV ein grosses Thema und vieles noch unklar war. Kondome gab es damals nur als Nebenprodukt in der Apotheke. Deshalb ist die Condomeria entstanden.

Milusch: Wie bist du an diesen Laden geraten?

Erika: Heinz, der die Condomeria gegründet hat, ist ein extrem guter Freund von mir, seit immer und ewig. Ich habe in der damaligen Zeit angefangen, Safe Sex-Workshops für Frauen* zu machen, weil das unter den Frauen* und Lesben nicht so ein Thema war – und doch haben auch Frauen* und Lesben Vorgeschichten wie Drogenkonsum oder eine heterosexuelle Ver- gangenheit. Durch diese Workshops hatte ich immer mit der Condomeria zu tun. Ich war nicht von Anfang an dabei, aber immer wieder... und seit elf Jahren bin ich Geschäftsführerin.

Tobi: Was antwortest du den Leuten, wenn sie fragen, wo du arbeitest?

Erika: In der Condomeria.

Tobi: Sehr gut.

(alle lachen)

Milusch: Was gefällt dir besonders an deiner Arbeit?

Milusch, 27   Chemiker aus Zürich

Milusch, 27

Chemiker aus Zürich

Erika: Was mir extrem gefällt, ist, dass es hier kunterbunte Menschen hat. Einerseits vom Alter her, welches von kichernden Zwölfjährigen bis zu meiner meines Wissens ältesten Kundin reicht, die 84 Jahre alt ist. Die Leute hier sind extrem verschieden, Männer*, Frauen*, hetero, gay, einfach alles, und es macht mir ungeheuer Spass.

Tobi: Bekommst du auch Widerstand zu spüren?

Erika: Nein, da haben wir überhaupt kein Problem. Ich glaube, es herrscht in der Nachbarschaft eine gewisse Akzeptanz. Sehr selten sind die Schaufenster bespuckt. Aber solche Aktionen sind wirklich, wirklich selten. Gelegentlich finden Leute draussen den Laden igitt und eklig. Oder Mütter, die ihre Kinder wegreissen vom Schaufenster, anstatt kindergerecht kurz etwas dazu sagen. Aber massiven Widerstand erfahren wir nicht.

Milusch: Haben sich die Kund_innen über die Jahre verändert oder sind sie etwa gleich geblieben?

Erika: Ich glaube, die Situation hat sich verändert. Eure Generation ist mit Safer Sex und Prävention aufgewachsen. Bei meiner Generation war alles neu und die Informationen waren kunterbunt; Küssen sei ansteckend, hiess es zum Beispiel. Mensch hat es nicht gewusst. Heute ist eine andere Selbst- verständlichkeit da: dass es HIV gibt, genauso wie es Schwangerschaften oder Tripper geben kann. Davon abgesehen ist auch eine Entwicklung bei den Spielsachen zu beobachten: Es gibt schöne, sinnliche Toys. Da sind die Leute sicher offener geworden.

Tobi: Wie meinst du das, die Spielsachen seien schöner geworden?

Erika: Ein heutiger normaler Vibrator ist nicht mehr der fleischfarbene, geäderte Penis von schlechter Qualität, den die wenigsten Frauen schön finden. Es sind edle, nahezu Lifestyle-Produkte geworden.

Milusch: Kommt es oft vor, dass du intimere Gesprächemit Kund_innen führst?

Erika: Ja, ganz klar ja. Weil es halt ein kleiner Laden ist, ist mensch oft zu zweit. Das ist sehr persönlich. Einerseits haben wir ein gutes, fundiertes Wissen, sodass das Gespräch weiter gehen kann als in einem klassischen Sex- shop. Ich frage auch nach und die Leute erzählen viel. Ein weniger lustiges Beispiel sind Krebspatientinnen, die eine verengte Vagina haben und diese weiten. Ich weiss relativ viel darüber, merke es relativ schnell und frage nach. Die Frauen sind dann erleichtert und sagen, was sie brauchen. Ich kriege aber auch Beziehungsgeschichten mit. Ich muss allerdings ganz klar sagen: Ich rede ganz selten direkt über Sex.

Milusch: Du sagst, du sprichst in der Regel nicht direkt über Sex. Aus Prinzip?

Erika: Ich berate zu Kondomen und Gleitmittel und Sextoys. Aber ich bin keine Sexberaterin. Natürlich gibt es Grenzbereiche, aber das bestimme ich mit: Erzähle ich etwas mehr oder nicht? Erkläre ich zum Beispiel, wo der ominöse G-Punkt ist? Aber grundsätzlich rede ich in dieser Form nicht über Sex. – Es klingt so komisch, wenn ich das hier drin sage.

 

 

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