Viewing entries tagged
Philipp

Wie alles begann!

Comment

Wie alles begann!

Milchbüechli, Milchjugend, Milchbar, Milchkultur, Molke 7...Was hat es eigentlich mit dieser Milch auf sich?

Philipp, 23   Chemielaborant aus Zürich

Philipp, 23

Chemielaborant aus Zürich

Um die Bedeutung und Entstehung des Titels «Milchbüechli» ranken sich fast so viele Mythen, wie es Mitglieder in der Milchjugend gibt. Eine der verbreitetsten Legenden besagt, dass früher junge Menschen bei sich zuhause ein sogenanntes «Milchbüechli» führen durften, eine Art Haushalts-Buchhaltung. Es war eine der ersten Aufgaben, bei denen Jugendliche Verantwortung übernehmen durften, und an diesen ehrenvollen und abenteuerlichen Moment erinnert das Heftli der Milchjugend.

Das ist zwar eine wunderschöne Theorie, jedoch kam diese erst im Laufe des inzwischen schon recht langen Lebens des Milchbüechlis auf und ich zweifle an deren Wahrheitsgehalt. Ich stelle mir etwas Banaleres vor. Zum Beispiel, dass bei der Heftli-Gründung mit Milch angestossen wurde, weil in der WG gerade nichts Anderes da war. Oder dass im Verlaufe des Abends eine hitzige Diskussion entflammte, warum Kokosmilch denn «Milch» heisst, obwohl es keine Nährflüssigkeit von Säugetieren ist.

Um die Unklarheiten ein für alle Mal aus der Welt zu schaffen, wollte ich mit den Gründungsmitgliedern sprechen. Dies stellte sich jedoch als schwieriger als geplant heraus. Die Reaktionen «Ich kann mich nicht erinnern» und «Ich weiss es nicht mehr so genau» waren etwas ernüchternd. Diese Recherchen hatte ich mir irgendwie aufregender und erfolgreicher vorgestellt. Mehr wie ein spannender Krimi und weniger wie meine Jobsuche. Aufgeben wollte ich deswegen aber noch nicht. Ich durchsuchte gerade die erste Ausgabe des Milchbüechlis nach Hinweisen, als ich hörte, dass eine Mail in meinem Postfach landete. Die Nachricht der Absenderin, die an dieser Stelle anonym bleiben möchte, war weniger ausführlich als erhofft:

«Hallo Philipp

Warum das Milchbüechli so heisst, kann ich Dir nicht sagen. Jedoch möchte ich Dir die Frage nach dem Gründungsort beantworten. Ich hoffe, Du findest, was Du suchst.»

Im Anhang befand sich eine Karte mit einem markierten Ort irgendwo in der Innerschweiz, plus Adresse. Abgesehen davon, dass das eine sehr merkwürdige Art ist, einen Standort mitzuteilen, machte mich ihre Formulierung stutzig. Vielleicht hatte ich in letzter Zeit zu viele Folgen von «How to get away with murder» geschaut, aber irgendwie wirkten die Worte seltsam mysteriös. Ich schrieb ein weiteres Mail um nachzuhaken, dieses blieb aber wie erwartet unbeantwortet.

So packte ich am nächsten Tag meinen Rucksack und machte mich auf den Weg zum besagten Ort. Als ich aus dem Bus trat, nahm ich sofort den Geruch von Gülle und Landwirtschaft war. Aufgrund der Karte wusste ich zwar, dass dies keine Grossstadt war, jedoch rechnete ich nicht mit solch einem abgeschiedenen Dorf. Zum Glück hatte ich ein Sandwich eingepackt. Ich spazierte zum Haus auf der Karte. Zum Glück funktionierte Google Maps, ich wollte hier nämlich nur ungern nach dem Weg fragen. Angekommen blickte ich verwirrt abwechselnd auf mein Handy und auf das Haus an der Adresse. Ich hatte ein altes Haus vor Augen, aber dieser alte Schuppen, vor dem ich stand, sah schon fast gefährlich aus. Beim Bauernhof nebenan öffnete sich laut knarrend eine Tür und ich huschte schnell um die Ecke, in den verwilderten Garten der Bruchbude. Ich wollte nicht gesehen werden, denn ich fühlte mich bereits unglaublich kriminell.

Zwischen einem ungesund gekrümmten Apfelbaum und einem Stapel Dachziegel sah ich eine Hintertür. Ich schlich vorsichtig näher und erkannte, dass die Scheibe zerbrochen war. Nun war ich mir sicher, dass das Haus unbewohnt war. Ich nahm all meinen Mut zusammen und öffnete die Tür. Ich trat in einen dunkeln, vollgestellten Raum. Hinter einer Werkbank und einem kaputten Rasenmäher verschwand der Raum in der Dunkelheit. Reflexartig zückte ich mein Handy und schaltete die Taschenlampe ein. Hinter der Werkbank führte ein schmaler Gang zu einer Holztreppe. Auf dem Weg zur Treppe fragte ich mich, wonach ich eigentlich suchte. Ein modriger Geruch stieg mir in die Nase und als ich links von der Treppe auf eine weitere Tür stiess, blieb ich stehen. Ich legte meine Hand auf die Türfalle und dachte kurz ans Umkehren.

Jetzt war ich aber sowieso schon in ein Haus eingebrochen. Da konnte ich wohl auch noch in dieses Zimmer schauen. Ich hatte die Tür erst ein paar Zentimeter weit geöffnet, als mir ein stechender Gestank die Luft zum Atmen raubte. Mit zu einer Grimasse verzerrtem Gesicht drückte ich mir den Schal auf den Mund und beleuchtete mit dem Smartphone den Raum. Es sah aus, als hätte es im Haus geschneit. Eine merkwürdige weiss-graue Masse bedeckte den Boden und ich erkannte erst auf den zweiten Blick, dass es Stapel aus Altpapier sein müssen. Schnell griff ich ein Bündel, zerrte es aus dem Zimmer und schloss die Tür wieder. Der Papierstapel war mit einer trockenen, stinkenden Masse bedeckt. Ich hob ihn auf die Werkbank und zog zwischen all den verklebten Seiten ein Heft hervor. Die Seiten waren stark beschädigt und die Schrift war zu verschwommen, um gelesen werden zu können. Mein Blick blieb an einem zerknitterten Bild hängen. Es war ein Gruppenfoto. Als ich es mit dem Handy besser beleuchtete, traute ich meinen Augen kaum. Auf dem Foto waren die Gründungsmitglieder des Milchbüechlis abgebildet.

Hielt ich tatsächlich ein Milchbüechli in den Händen? Ich kannte alle Redaktionsfotos seit der ersten Ausgabe und dieses Bild kam mir nicht bekannt vor. Schnell machte ich ein Foto davon, um es zuhause mit den anderen Milchbüechli zu vergleichen. In diesem Moment kamen mir die Worte aus dem Email in den Sinn: Ich hoffe, Du findest, was Du suchst. Es ergab keinen Sinn. Wie sollte dieser Keller voll zerstörten Milchbüechli eine Antwort auf die Frage nach der Herkunft des Magazintitels sein? Als ich an Milch dachte, fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Dieser Geruch war mir nicht fremd. Es roch nach verdorbener Milch.

Vor lauter Schreck über diese Erkenntnis liess ich mein Handy auf den Boden fallen und es rutschte unter die Werkbank. Als ich mich hinkniete, um es aufzuheben blieb mein Blick an einem aufgerollten Stück Papier hängen. Es war eine Landkarte von der Umgebung, auf der mit fettem roten Filzstift ein Wanderweg markiert war, der in den nahegelegenen Wald führte. Mein Kopf sagte mir, dass ich jetzt nach Hause gehen und duschen sollte, aber ich war schon so weit gekommen. Zusätzlich fühlte ich mich mittlerweile wie ein Geheimagent. Darum nahm ich die Karte und ging wieder nach draussen. Ich schlich ums Haus und erst jetzt fiel mir der verrostete, löchrige Tank hinter der Hütte auf. Doch ich hatte keine Zeit, um länger darüber nachzudenken, denn es war schon spät und die Busse auf dem Land fahren nicht so lange wie gewohnt. Bald war ich im Wald angekommen. An der Stelle, an der das Kreuz auf der Karte war, blieb ich stehen und schaute mich um. Nichts Auffälliges war zu sehen. Erschöpft setzte ich mich unter eine grosse Fichte und liess meinen Blick durch den Wald schweifen. Er blieb an einem grossen Spalt in einer Felswand stehen. Ich stand auf und ging darauf zu.Im erdigen Waldboden konnte ich hufeisenförmige Spuren erkennen. Erneut zückte ich mein Handy und leuchtete mit der Taschenlampe in die Höhle. Sofort füllte sich der Hohlraum mit funkelnden Lichtreflexionen in allen Farben des Regenbogens. Ich wurde so stark geblendet, dass ich mit zugekniffenen Augen rückwärts aus der Höhle stolperte. Als ich meine Augen wieder öffnete, setzte mein Herz für einen Moment aus. Vor mir stand in seiner ganzen Pracht ein glitzerndes Einhorn, welches mich gutmütig ansah. Ich kam nicht mehr aus dem Staunen raus und starrte es mit offenem Mund an. Es unterbrach die Stille, indem es mit sanfter Stimme zu mir sprach: «Ich weiss, warum du hier bist, Philipp. Ich habe dich kommen sehen und weiss, dass du Antworten suchst.» Ich brachte kein Wort heraus und nickte nur stumm. Es fuhr fort: «Vor einigen Jahren kamen die Gründer_innen des Milchbüechlis ins Dorf und wollten mich für die erste Ausgabe von ihrem Magazin interviewen. Ich willigte ein, jedoch nur unter der Voraussetzung, dass sie keine Fotos von mir machen und meinen Standort nicht preisgeben. Damit waren sie einverstanden. Später erfuhr ich, dass es ein Missverständnis gab und im Artikel über mich stand, wo ich mich aufhalte. Ich wollte es ändern lassen, aber mir wurde gesagt, dass die Magazine bereits gedruckt waren. Ich wusste, dass sie in einem Bauernhaus ganz in der Nähe aufbewahrt wurden und so schlich ich mich nachts dort hin und bohrte mit meinem Horn Löcher in den Milchtank direkt neben dem Kellerfenster. Das Zimmer wurde mit Milch geflutet und die Hefte wurden zerstört. Ich sah keinen anderen Ausweg. Die Menschen durften nicht erfahren, wo ich wohne.»

Während es sprach, traute ich mich nicht, das Einhorn zu unterbrechen. Es half mir auf die Beine und sagte, ich müsse jetzt wieder gehen. Es begleitete mich noch bis zum Waldrand und wir trafen die Abmachung, dass ich diese Geschichte schreiben darf, solange ich den Ort nicht preisgebe.

Völlig in Trance stieg ich in den Bus und beobachtete die vorbeiziehende Landschaft. Ich fragte mich, ob das alles wirklich gerade passiert war. Ich rollte die Landkarte nochmal aus. Ein Schaudern durchströmte meinen Körper. Der rote Filzstift war verschwunden. Ich wusste noch, wo die Markierung sein müsste, aber sie war weg.

Schnell entsperrte ich mein Handy und suchte nach dem Redaktionsfoto, welches ich im Keller abfotografiert hatte. Nichts. Das neueste Bild hatte mir meine Mutter geschickt. Es zeigte meine Katze, wie sie in einem Blumentopf schläft. Ich seufzte und schaute wieder aus dem Fenster. Ein Lächeln huschte mir übers Gesicht und ich schloss die Augen.

Egal, ob diese Geschichte nun wahr ist oder nicht, ich habe etwas gelernt. Solltet ihr mal ein Einhorn treffen, haltet euch an die Abmachungen, die ihr mit ihm trefft.

 

 

Comment

TAKE ME FOR A RIDE

Comment

TAKE ME FOR A RIDE

Philipp, 22   Chemielaborant aus Zürich

Philipp, 22

Chemielaborant aus Zürich

Sara lebt in einer ruhigen Kleinstadt in Ecuador und befindet sich gerade im letzten Jahr der High School. Da sie keine Geschwister hat und in der Schule eher unbeliebt ist, ist sie als Einzelgängerin unterwegs. Zu ihrer überfürsorglichen Mutter und dem wortkargen Vater hat Sara ein distanziertes Verhältnis. Deshalb zieht sie sich zuhause lieber in ihr Zimmer zurück und liest. Besonders unzufrieden ist sie mit dieser Situation aber nicht.

Andrea wird in Saras Klasse versetzt und als die beiden in der Pause den gleichen Ort aufsuchen, um heimlich zu rauchen, kommen sie ins Gespräch.

Sie verstehen sich von Anfang an gut und verlieben sich schliesslich. Sie versuchen ihre Liebe so gut wie möglich geheim zu halten. Weil sie aber von einem Mitschüler zusammen an einem Konzert gesehen werden, scheint ein Outing unausweichlich - oder ist es das Ende ihrer Liebschaft?

Die Regisseurin Micaela Rueda erzählt die realitätsnahe Liebesgeschichte zweier Aussenseiterinnen. Sie zeichnet starke Bilder und so finden sich viele gute Aufnahmen in der 68 minütigen Co-Produktion dreier Länder (Ecuador, Kolumbien und Mexiko).

Leider zeigt Rueda kaum konflikthafte Gespräche. Die bruchstückhafte Darstellung der Konversationen nehmen der Erzählung ihre Kraft, die gerade auch in unangenehmen Dialogen zur Geltung kommen könnte.

Nachhallende Eindrücke bleiben zwar aus, aber der gelungene Soundtrack und der Einblick in die das jugendliche Leben in Ecuador schaffen einen sehenswerten Film.

Comment

Mit Strapsen und Burlesque-Show zum Sieg

Comment

Mit Strapsen und Burlesque-Show zum Sieg

Bereits zum dritten Mal suchte der Heaven Club in Zürich die beste Drag Queen des Landes. Sechs Kandidatinnen kämpften mit Lipsync, Tanz und fabulösen Kostümen um die Krone.

Philipp, 22   Zivildienst

Philipp, 22

Zivildienst

Odette Hella’Grand begeisterte mit ihrer stilvollen Performance sowohl die Jury wie auch das Publikum und wurde von der letztjährigen Gewinnerin Vicky Goldfinger zur Miss Heaven 2016 gekrönt. Wir trafen Odette Hel- la’Grand kurz nach ihrem Sieg am 24. September.

Guten Abend Odette, wie geht es Dir nach der Krönung?

Hervorragend, wenn auch ein bisschen gestresst. In diesem Jahr wird Vie- les auf mich zukommen. Aber hauptsächlich bin ich überglücklich!

Alexander, 21   Indogermanistik Student*

Alexander, 21

Indogermanistik Student*

Wie hast Du Dich auf den Auftritt an diesemAbend vorbereitet?Hartes Training – da ich mich erst seit kurzem mit Drag befasse. Ich habe mich besonders mit alten Filmklassikern wie Der Blaue Engel, Cabaret, Vic- tor/Victoria auseinandergesetzt. Anschliessend habe ich aus dieser Epoche passende Musik ausgewählt und dazu dann eine Choreographie entwickelt. Zwei bis vier Stunden täglich für ein paar Wochen, mit und ohne High Heels, um sicherzustellen, dass auch alles klappt. Das Make-Up entstand dann wegen Zeitmangel im Auto von Basel nach Zürich (lacht).

Wie waren die Proben im Vorfeld?

Ich bin nur einmal ins Heaven gereist, damit die Organisator_innen sehen konnten, was ich drauf habe. Sonst habe ich zuhause geprobt, dann gab es kurz eine Generalprobe im Neumarkt Theater, und dann stand ich auch schon auf der Bühne.

Wer war deine grösste Konkurrenz?

(lacht) Wenn ich so zurückdenke, dann war es Mia mit ihrer Adele-Perfor- mance, sie macht ja auch schon länger Drag und dann Ali Scha, die tolles Make-up hatte und auf der Bühne ihre Perücke wechselte.

Wie lange machst Du selber schon Drag?

Seit Januar habe ich als Maskottchen von Break the Chains bei der AIDS-Hil- fe gelernt in Heels zu gehen und wie ich mich verhalte, wenn ich in Drag auftrete. Aber angefangen ernsthaft Drag zu machen, habe ich erst in diesem Jahr nach dem Drag Race in der Gay Ski-Week in Arosa. Da habe ich gewon- nen und von da an habe ich mich mit Travestie auseinandergesetzt.

Hattest Du noch Auftritte ausserhalb dieses Rahmens?

Bis Mai war ich wie gesagt Mitarbeiterin bei der AIDS-Hilfe. Unter anderem trat ich bei Queens of the Night und mehrheitlich in kleinen Schwulenbars in Basel auf und dann kam schon das Heaven Drag Race.

Wie beschreibst Du deinen Stil?

Da ich Travestie als Kunstform sehe und Liza Minneli eines meiner grossen Vorbilder ist, habe ich Burlesque-Elemente, Pelz und Glitzer eingebaut. Es war ein gewagter Schritt für mich, in Strapsen dort oben zu stehen!

Wo sieht man Dich demnächst?

Dass ich jedes Wochenende in Zürich anzutreffen sein werde, wird relativ schwierig, da ich in Basel zuhause bin. Doch sicherlich werde ich dieses Jahr ab und zu im Heaven sein. Was im Zusammenhang mit dem Sieg alles auf mich zukommen wird, ist noch nicht ganz sicher, denn ich bin ja gerade frisch gekürt worden.

Was sind deine Ziele in deinem Amtsjahr?

Ich habe nicht damit gerechnet, zu gewinnen. Ich möchte diese Verant- wortung nutzen, um Menschen zu unterhalten, sie aber gleichzeitig zum Nachdenken herauszufordern. Ich möchte gesellschaftliche Grenzen über- schreiten und den Menschen einen Spiegel vor das Gesicht halten.

Ich möchte nicht nur ein Aushängeschild fürs Heaven sein (lacht).

Wäre es denn für Dich vorstellbar, mit Drag durchzustartenund davon zu leben?Ich bin hier eher Realistin. Die Travestieszene in der Schweiz ist dafür zu klein. Wenn es aber doch so kommen sollte, dann würde ich mich natürlich auf Drag fokussieren. Diese Erwartung habe ich aber nicht. Wenn ich aber mithelfen kann, gewisse politische Botschaften zu transportieren, reicht mir das.

Welche Tipps kannst Du jungen Menschen auf den Weg geben, die auch Drag machen wollen?Ich glaube, mensch muss unterscheiden, ob man Drag spasseshalber und zur Unterhaltung anderer machen will, oder ob mensch Travestie machen will und sich mit der Kunstform intensiv auseinandersetzen möchte. Tra- vestie wird ja noch heute in unserer Szene belächelt. Es wird behauptet, dass du halt ein Mann bist, der sich gerne als Frau verkleidet oder gar gerne eine sein möchte. Das Letztere stimmt nicht und das interpretieren viele Leute falsch. Aber denen, die sich für diese Kunstform begeistern können, rate ich, sich mit ihr auseinanderzusetzen. Wie sieht die Gesichte aus, was hat Drag un- serer Community gebracht, wer waren die grossen Künstler_innen vor uns. Jede_r soll aber das machen, was er_sie gern macht. Mensch muss glück- lich damit werden, also go for it!

Wer sind denn deine Vorbilder und/oderliebsten Dragmenschen?Sicherlich Liza Minelli als Schwulenikone, natürlich Julie Andrews in Victor/ Victoria, Bianca del Rio weil sie ihre Kunst als Gesellschaftskritik nutzt. Ich find sie super deswegen. Das heisst zwar nicht, dass ich genau wie sie sein möchte, aber ich will mithelfen die Geschlechterrollen zu demontieren.

Was für Reaktionen erfährst du, wenn du ausserhalbder Community unterwegs bist?Es ist ganz unterschiedlich. Einige sind begeistert, finden es cool und laden dich zu Events ein. Dann gibt es andere, die dir vor die Füsse spucken. Körperlich angegriffen worden bin ich bis jetzt aber noch nicht. Das könnte auch an meiner Grösse liegen.

Wieso denkst du, hört mensch nicht so viel von Dragkings?

Ich weiss es nicht, da bin ich überfragt. Es ist vielleicht eine Kunstform, die nicht so weit verbreitet ist. Es kann auch sein, dass sie auftreten, aber einfach an den Orten an denen wir nicht feiern.

Selber kenne ich nur wenige, vielleicht zwei, die sich ab und zu als Männer verkleiden.

Am Heaven Drag Race sind meines Wissens nur Drag Queens erlaubt. Das heisst, Drag Kings oder Faux-Drags (das sind Frauen die ein übertriebe- nes Frauenbild darstellen) sind nicht zugelassen. Ich hätte nichts dagegen, wenn sie auch teilnehmen dürften. Trotzdem ist es die Sache der Veranstal- ter_innen. Vielleicht ändert sich ja auch die Popularität der Drag Kings in den nächsten Jahren.

Was willst du unseren Leser_innen noch auf den Weg mitgeben?

Macht, was ihr möchtet und wobei ihr euch wohl fühlt, so findet ihr auch euer Glück.

Auf Englisch klingt das alles besser: Stay true to yourself and keep finding happiness in you. Egal wer mensch ist und was mensch tut, das ist die Quintessenz.

 

Comment