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Filmtipp

Kunterbunt? Kuntergrau!

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Kunterbunt? Kuntergrau!

Die Webseries von anyway e.V. in Köln, gibt es auf YouTube zu sehen!

David, 21  Student aus Zürich

David, 21

Student aus Zürich

Nicht Kunterbunt, sondern Kuntergrau zeigt treffend die Realität einer schwulen Jugend ohne Diskriminierung auf: Liebe und Fremdgehen, Sex und STDs und besorgte Grossmütter, die zu viel nörgeln. Die Beziehung zwei frustrierter Medizinstudenten, ein Bankangestellter und seine vielen Liebhaber, der Praktikant und sein verunsichertes Date: mit einer dramatischen Wende zur nächsten lernt mensch eine Clique fünf schwuler Jugendlichen kennen. Von Sex als zentraler Bestandteil des Lebens zu sehen bis zur Weigerung sich durch die eigene sexuelle Orientierung zu definieren – die Jungs aus Köln könnten nicht unterschiedlicher – und spannender – sein.

Eine urbane Ästhetik, ruhige Kameraführung und coole Locations erinnern kaum an eine Kleinpro- duktion. Auch der Soundtrack lässt nichts zum Meckern übrig – ausser vielleicht, dass mensch nach dem fünften Mal das Intro überspringt. Inzwischen in der 2. Staffel, zwingt dich Kuntergrau mit strategisch platzierten Cliffhanger schon fast eine YouTube-Playlist zu kreieren, um möglichst Unterbrüche zu vermeiden.

Drama ist an der Tagesordnung und hübsche Boys lassen nichts zu wünschen übrig. Lass dich deshalb mit Kuntergrau in ein Köln voller Sex und Liebe verführen!

Mehr Informationen zur Kurzserie von anyway e.V. in Köln sowie alle Folgen in voller Länge findet mensch auf www.kuntergrau.net

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Priscilla - Königin der Wüste

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Priscilla - Königin der Wüste

Robert, 22  Student aus Liebefeld

Robert, 22

Student aus Liebefeld

Der Kultfilm aus dem Jahre 1994 erzählt von drei Dragperformer_innen, die ins australische Outback fahren, um in Alice Springs eine Dragshow auf die Bühne zu bringen. Die drei Performer_innen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, bringen dem Film seine erfrischende Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit; die Figuren sind nicht eine Karikatur der LGBT+ Community, sondern stehen mit all ihren Problemen und Fragen authentisch vor der Kamera. Die Rolle der Bernadette Bassinger (gespielt von Terence Stamp) bringt Tiefe in die Unterhaltungen und kritisiert die Unreflektiertheit der jüngeren zwei Queens, Adam Whitely respektive Felicia Jollyfellow (gespielt von Guy Pierce) und Anthony «Tick» Belrose respektive Mitzi Del Bra (gespielt von Hugo Weaving). Bernadette, eine Transfrau mittlernen Alters besticht nicht nur mit ihrem «Resting-Bitchface» sondern auch mit ihren unglaublich schlagfertigen Antworten. Themen wie Liebe, Familie, Diskriminierung und Selbstliebe gleichen die komödiantischen Unterhaltungen und Showeinlagen aus und so entsteht eine abgerundete Tragikkomödie. Einzig sauer stösst die stereotypisierte Figur der Cynthia auf – eine Phillipina, die nicht nur hysterisch und sexistisch dargestellt wird, sondern auch durch ihre Show (in der sie Pingpongbälle aus ihrem Sexualorgan presst) vielschichtigen Rassismus gegenüber Phillipinas unterstützt. Produzent Al Clark verteidigt ihre Rolle, denn Cynthia sei ebensowenig repräsentativ der phillipinischen Frauen wie die drei Dragperformer_innen repräsentativ der australischen Männer und Transfrauen seien. Diese Problematik beiseitegestellt hat Stephan Elliott einen Film produziert, der einen wichtigen Beitrag zur Sichtbarkeit und Nahbarkeit von LGBT+ Menschen geschaffen hat.

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CHECK IT

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CHECK IT

Gewaltwarnung

Tobi, 22   Student aus Zürich

Tobi, 22

Student aus Zürich

Der Dokumentarfilm «Check it» erzählt die Geschichte einer ungewöhnlichen Gang in Washington D.C. – die Mitglieder der Gang tragen nämlich nicht nur Messer und Schlagringe bei sich, sondern auch Mascara und Louis Vuitton. «Check it» ist ein wilder Haufen von afroamerikanischen Schwulen und Transfrauen, die sich zu einer Familie zusammengeschlossen haben und sich gegenseitig Halt geben.

In die Vorstädte verdrängt, wuchsen die Check-it-Leute in einem Klima des strukturellen Rassismus auf; Drogen und Gewalten spielten schon früh eine Rolle im Leben der jungen Menschen. Nicht genug, dass sie aufgrund ihrer Hautfarbe diskriminiert wurden, auch in der eigenen Gruppee erfuhren sie wegen ihrer Falschsexualität starke Ablehnung. Kommt hinzu, dass es in Washington D.C. immer wieder zu brutalen Hate Crimes gegen LGBT*s kommt und vor allem Transfrauen in die Sexarbeit gedrängt werden. Als Antwort auf diese Ausgrenzung und die Gewalt, rotteten sich die Check-it-Leute zusammen und verteidigen sich gegenseitig bis aufs Blut.So schön das auch klingt – sich zu einer Familie zusammenfinden – so problematisch ist es auch, dass sich die Wut der Check-it-Leute in neue Gewalt wandelt. So zeigt der Film auch eine Szene, wie die Gang ohne schlechtes Gewissen einen Tankstellenshop ausraubt.

Manche Check-it-Leute suchen aber auch einen Ausweg aus dem Milieu der Gewalt und der Sexarbeit. Eine Möglichkeit bietet ein Wettbewerb, wo sie ihre eigenen Modekreationen vorstellen können. Der Hauptgewinn: Eine Reise an die New York Fashion Week. Ob das gelingt, sei hier nicht verraten. Nur so viel: Dem einfühlsamen Film gelingt es, sein Publikum ganz nah an die Check-it-Gang zu führen. Er zeigt die negativen, aber auch die positiven Seiten der Gang und beleuchtet die verschiedenen Aspekte in respektvoller Weise. Absolut sehenswert!

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