Ich liebe beispielsweise meine Freund*innen. Es ist Liebe, wenn wir beide einander immer Teaser für unsere Geburtstagsgeschenke geben, weil die Vorfreude irgendwie geteilt werden muss, und niemensch sonst gleich mitfühlen würde. Und wenn wir uns dann eine computergeschriebene Karte schenken, weil es einfach viel zu viel zu sagen gibt, als das mensch das von Hand schreiben könnte. Genauso ist es Liebe, wenn er mich beim gemeinsamen Bouldern wieder einmal erfolgreich durch eine herausfordernde Route coached – weil ich ohne ihn einfach viel zu früh aufgebe. Und wenn wir in den Pausen über die Zukunft reden und er mir das Gefühl gibt, dass irgendwie alles gut kommt und ich nicht alleine bin. Es ist Liebe, wenn sie weiss, sie kann sich bei mir melden, wenn es ihr schlecht geht, ich ihre guten Prüfungsresultate mit einem Katzen GIF feiere und wenn sie mich klar aber bestimmt daran erinnert, das Leben nicht zu ernst zu nehmen und auch einfach mal Pause zu machen. Genauso ist es Liebe, wenn ihr gesamtes Umfeld für ein Geburtstagsgeschenk mobilisiere, wenn sie mich ermutigt, mir mehr zu gönnen und wenn wir beide die Gewissheit haben, dass wir für immer sind. Es ist auch Liebe, wenn wir uns nach Monaten zum ersten Mal wiedersehen und ich mich nach einem Abend voller schlechter Witze und dem Gefühl, dass wir nur das Beste für den*die andere*n wollen, frage, wieso wir das eigentlich nicht öfter machen.
Auch meine Familie liebe ich: Es ist Liebe, wenn ich immer die doppelte Menge backe, weil sie sich darüber jedes Mal aufs Neue freuen. Es ist Liebe, wenn meine Schwester mich jedes Jahr dabei unterstützt, meine Pride Nägel zu machen und wenn wir am Familienanlass wieder einmal aussehen, als wären wir zwei unterschiedlichen Fashion Welten entsprungen und trotzdem mehr Schnittmengen als Unterschiede finden. Wenn meine Mutter und ich über fragwürdige Protagonist*innen und spannende Plottwists diskutieren und uns gegenseitig die Bücher schenken, die wir selbst am besten finden. Wenn mein Vater mich für Lernphasen mit meinen Lieblingssnacks versorgt und mir fürs neue Jahr statt einem generischen Wunsch mitgibt, dass meine Wünsche in Erfüllung gehen sollen, was auch immer diese sind, weil wir ja schliesslich nicht alle das Gleiche brauchen, um glücklich zu sein.
Und alle diese Menschen bringen nochmals so viel mehr Liebe mit: den Freund, mit dem ich endlos über schlechte Bücher, die hätten gut sein können, herziehen kann, den Mitbewohner, bei dem ich schon fast ebenfalls zu Hause bin, die Mutter, mit der ich die Begeisterung fürs Schwimmen teile.
Es ist aber auch Liebe, wenn ich mich um 6:00 Uhr überwinde meine Joggingschuhe anzuziehen und den geplanten Lauf mache, weil ich mich danach immer gut fühle und das verdient habe. Genauso ist es Liebe, wenn ich an einem schlechten Tag meine To Do Liste kürze und stattdessen eine Komfort Serie schaue, während ich eine Tiefkühlpizza esse. Wenn ich mir ein neues Buch kaufe, mir in hektischen Zeiten einen Moment nehme um durchzuatmen und wenn ich Vertrauen in mich selbst habe. Wenn ich in den richtigen Momenten Ja und in den falschen Nein sage…
Ich werde nie alle Menschen und Formen der Liebe aufzählen können, die mein Leben bereichern – nicht einmal, wenn ich das ganze Milchbüechli füllen würde. Aber diese Seite reicht, um meinen Punkt rüberzubringen und die anderen wissen hoffentlich sowieso, dass sie eigentlich ebenfalls in diesen Text gehören würden.
