Erst habe ich mich vor allem für mich selbst beim Milchbüechli engagiert. Um andere Queers zu treffen, mich in einem Safer Space mit diesem Teil meiner Identität auseinanderzusetzen und einen Platz zu haben, an dem ich meine Anliegen vertreten konnte. Und zwar auf die Art, wie es mir am meisten liegt: In Texten, für die ich recherchieren und mich vertieft mit den Themen auseinandersetzen kann, bevor ich dann sozusagen das Fazit nach Aussen vertrete. Das hat mir erlaubt, meine Stimme zu finden und etwas beizutragen, ohne das ich mich exponieren und direkten Reaktionen aussetzen musste. Natürlich kann jede*r das Milchbüechli lesen, aber die Wahrscheinlichkeit, dass jemensch, der queeren Themen gegenüber negativ eingestellt ist, meine Texte in einem queeren Magazin liest, ist dann doch eher klein. Aber sie sind wichtig für mich und haben mir geholfen mein Queersein nicht nur anzunehmen, sondern stolz darauf zu sein und offen damit umzugehen. Ausserdem öffnen sie mir auch immer wieder Möglichkeiten, Menschen in meinem Umfeld meine Anliegen näher zu bringen, wenn ich das möchte – und zwar auch hier ohne mich der ersten Reaktion auszusetzen. Geblieben bin ich dann immer mehr auch für die anderen. Weil ich nun ein Teil dieses Safer Spaces sein kann und hoffentlich für neue Menschen das bieten kann, was ich damals bekommen habe: Unbedingte Akzeptanz, Ermutigung und Unterstützung. Natürlich in erster Linie für ihre Ideen und Texte, aber auch dafür, wie und wer sie sind. Weil ich weiss, was es bedeuten kann, wenn mensch diese Bestätigung erhält, besonders während dem Questioning, wenn mensch sowieso gerade alles hinterfragt. In der Hoffnung, dass ich etwas Ähnliches für sie sein kann, wie das Redaktionsteam vor Jahren für mich: Jemensch der (seine) Queerness offen feiert und zeigt, wie schön der Umgang damit eigentlich sein kann. Dass (Baby)Queers sehen, dass sie nicht alleine sind. Auch dafür schreibe ich meine Texte – in der Hoffnung das jemensch sie liest, sich dabei verstanden fühlt und merkt, dass da noch andere sind. Manchmal ist es eine Überwindung, etwas zu teilen, für das mensch eher Verurteilung gewöhnt ist. Aber genau dadurch zeigen wir den Leser*innen, dass es einen Platz gibt, an dem nicht verurteilt wird. Dass das Problem nicht wir/sie selbst, sondern die Gesellschaft um uns herum ist. Deshalb braucht es das Milchbüechli. Als Ort für unsere Themen, an dem queere Jugendliche in ihrem Tempo lernen, dass sie und ihre Anliegen Raum einnehmen dürfen. Um Menschen zusammen zu bringen, die eine Erfahrung teilen – um allen, die möchten und es brauchen, eine Community zu geben. Wenn mich also das nächste Mal jemensch fragt, antworte ich das – oder leite gleich diesen Artikel weiter 😉 


«Babyqueer» ist eine Bezeichnung für Menschen, die erst seit Kurzem ihre Queerness entdecken und/oder leben und die deswegen vielleicht auch eher neu in der queeren Community sind. 

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