In meiner Stadt gibt es Bänke mit Zwischenarmlehnen, Geröll unter Brücken und Bolzen in den Böden, die so aussehen wie die Nägel, mit denen mensch versucht Tauben aus unserer Gesellschaft zu verdrängen.

Und wenn ich überlege, dann haben die Anti-Tauben-Nägel und Bolzen doch vieles gemein. Beide versuchen, den öffentlichen Raum zu gestalten, indem sie ihn für jemensch unbenutzbar machen. Im Falle der Nägel werden Vögel verdrängt, welche der Mensch zuerst zähmte und danach wieder verwilderte. Durch die Bolzen werden die potenziellen Schlafplätze von obdachlosen Menschen so zugebaut, dass Personen, die auf der Strasse schlafen (sogenannte Rough Sleeper) aus dem Stadtbild vertrieben und unsichtbar gemacht werden.

Die Bolzen, das Geröll und die Zwischenarmlehnen gehören zur «Crime Prevention through Environmental Design», kurz CPTED-Bewegung, welche zurück auf die 60er Jahre geführt werden kann. Ziel dieser Bewegung ist es, durch gezielte Gestaltung der Umwelt Kriminalität zu bekämpfen. Einerseits durch das Fördern von sozialer Überwachung (z.B. Zäune über welche mensch die Nachbar*innen beobachten kann). Und andererseits wird versucht, die Umgebung so zu gestalten, dass sie, wie im Falle meiner Stadt, für bestimmte Personengruppen nicht mehr nutzbar ist oder mensch sich fehl am Platz fühlt (Zugriffskontrolle).

Oft wird mit dem Prinzip eines kaputten Fensters argumentiert: Wenn in einer Nachbarschaft ein Fenster kaputt ist und nicht ersetzt wird, führt dies zu einem Anstieg an Gewalt und Kriminalität, da die sozialen Hemmungen gesenkt werden.

Dieses Prinzip deutet ein umstrittenes Konzept der Kriminologie an. Es wird dabei angenommen, dass durch das Stoppen von kleineren kriminellen Handlungen und einer «sauberen und ordentlichen» Nachbar*innenschaft die Kriminalität insgesamt reduziert werden kann. Die Obdachlosen und Tauben meiner Stadt passen nicht in dieses Bild. Als Folge werden sie selbst kriminalisiert. Dieses Konzept wird heute zum Glück breit kritisiert, denn was wir als sicher und was als kriminell betrachten, ist geprägt von Vorurteilen, Rassismus und Klassismus.

Bei der Verdrängung von Obdachlosen werden so Personen, welche häufig auf Hilfe und Gemeinschaft angewiesen sind, aus der öffentlichen Debatte verplant. Anstatt das Problem der Wohnungslosigkeit zu bekämpfen, durch Hilfestellung und Soziale Arbeit, wird das Leben der Betroffenen erschwert und kriminalisiert. Diese Art des Designs gaukelt vor, ein Problem zu lösen, ohne auch nur den Ansatz einer Lösung vorzuschlagen.

Dabei stellen sich grundsätzliche Fragen zur Gestaltung von öffentlichen Räumen und Design selbst. Meist sind es Kleinigkeiten, die eine Person von der Nutzung eines Ortes abhalten. Nicht Betroffenen fallen diese kaum auf, doch kann sehr viel gewonnen werden, durch die Eliminierung der Barrieren. So sind wir doch alle mal glücklich darüber, wenn wir ein Notfall-Nickerchen auf einer Parkbank machen können, oder der Fenstersims vor der Bibliothek breit genug ist, um sich bei der Hitze kurz hinsetzen und etwas trinken zu können.

Menschenfeindliches Design schadet uns allen. Besonders schadet es aber den Personen in unserer Gesellschaft, welche eh schon um ihre Sichtbarkeit und ihr Dasein kämpfen müssen.

Text von Clara (sie/er), 2005

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