Es war einmal ein Tal. Dort regnete es sieben Tage die Woche. Nach und nach erschien immer öfter die Sonne zwischen den Wolken hindurch und am Himmel erschienen unzählige Regenbögen. Deshalb nannten die Menschen ihr Zuhause das Regenbogental.
Die grünen Felder und schillernden Regenbögen zogen Gäste von Weither an. Unter ihnen war auch eine reiche Baronin. Ihr gefiel das Regenbogental so gut, dass sie jeden Sommer hereinschneite und das Tal in ein glitzerndes, leuchtendes Fest verwandelte. Musik hallte von den Bergen, bunte Fahnen flatterten im Wind und alle tanzten in ihren schönsten Kleidern bis ins Morgengrauen.
Jedes Mal, wenn der Sommer ins Tal zog, kam die Baronin, und die Bewohner*innen des Regenbogentals freuten sich das ganze Jahr auf ihren Besuch. Nach Einer weile war sie ihnen so vertraut wie eine gute Freundin.
Doch eines Herbstes veränderte sich das Klima. Regengüsse und Gewitterstürme erschütterten das Land und versetzten seine Bewohner*innen in Angst und Schrecken. Als der Winter kam, schöpften sie Eimerweise Wasser aus ihren Häusern und mussten zusehen, wie ihr Hab und Gut von den Fluten mitgerissen wurde.
Als der Frühling nahte und die Ströme noch immer nicht wichen, blieb ihnen nur ein letzter Lichtblick: Ihre Freundin, die Baronin. Trotz Schlamm und Wasser versammelten sie sich auf dem Dorfplatz. Hoffnungsvoll erwarteten sie ihre prachtvolle Kutsche.
Der erste Juni kam und ging. Und die so ersehnte Ankunft ihrer Freundin blieb aus. Da liessen die Menschen im Regenbogental zuerst ihre Köpfe hängen.
Aber dann merkten sie etwas: Sie selbst waren es gewesen, die einander durch den winter geholfen hatten. Sie hatten gemeinsam ihre Dächer repariert, Suppe gekocht und sich gegenseitig vor dem Sturm geschützt.
Und so tanzten sie im Regen. Denn weder der Sturm noch die reichste Baronin der Welt konnte über ihre Freude und Gemeinschaft bestimmen. Die gehörten ihnen ganz allein.
Wer da war, wenn die Sonne schien, jedoch bei Gewitter fernblieb, war nie eine gute Freundin. Sondern eben nur eine reiche Baronin.

