Viele queere Menschen erleben im Gesundheitssystem Unsicherheit, Fehldiagnosen oder werden schlicht nicht ernst genommen. Symptome werden heruntergespielt, Identitäten ignoriert und Bedürfnisse übergangen. Dabei geht es um zentrale Themen: Schmerzen, Hormone, Fruchtbarkeit, Identität und Selbstbestimmung.

Starke Regelschmerzen? «Das ist halt normal.» Nein, ist es nicht. Es könnte sich zum Beispiel um Endometriose handeln. Dabei wächst gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe ausserhalb der Gebärmutter, zum Beispiel an Darm, Blase, Lunge oder anderen Organen. Die Folgen können stark lebenseinschränkend sein: Schmerzen, die den Alltag einschränken, zum Beispiel beim Wasserlassen, beim Sex, Verdauungsprobleme, Unfruchtbarkeit oder starke Müdigkeit. Trotzdem dauert es oft mehr als 10 Jahre bis zur Diagnose.

Auch bei Adenomyose passiert etwas Ähnliches, nur innerhalb der Gebärmutter. Die Schleimhaut wächst in die Muskelschicht ein. Das kann zu extrem starken Blutungen, Schmerzen beim Sex und chronischen Schmerzen führen.

Beide Erkrankungen sind nicht «einfach Periode». Beide sind real. Und beide brauchen Sichtbarkeit.

Das polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) ist eine weitere Krankheit, die viele Menschen betrifft und trotzdem oft erst spät erkannt wird. Typische Symptome sind unregelmässige oder ausbleibende Menstruation, kleine Zysten an den Eierstöcken, Insulinresistenz, Akne und verstärkte Körperbehaarung bis hin zu psychischen Folgen wie Depressionen oder Essstörungen.

Auch ungewollte Schwangerschaften werden selten aus queerer Sicht besprochen. Vielen ist zum Beispiel nicht bewusst: Testosteron ist keine Verhütung. Trans Männer, nicht-binäre und genderdiverse Menschen mit Uterus können schwanger werden auch ohne sichtbaren Zyklus.

Vor ungewollter Schwangerschaft schützen Kondome, Kupferspirale, Femidome, hormonelle Methoden (Pille, Minipille, Hormonspirale) oder operative Optionen wie Vasektomie oder das Durchtrennen der Eileiter. Wichtig hierbei ist im Kopf zu behalten, dass Verhütung nicht nur für das Verhindern einer Schwangerschaft gebraucht wird, sondern auch, um Geschlechtskrankheiten nicht zu übertragen. Dazu gehören zum Beispiel Lecktücher, Kondome oder Femidome.

Oft fehlen verständliche Informationen zu Verhütung oder queersensible Beratungsangebote. Dabei ginge es um Entscheidungen, die niemensch alleine treffen sollte. Viele Menschen werden jedoch nicht passend beraten. Nebenwirkungen, besonders bei hormoneller Verhütung, werden oft unterschätzt. Stimmungsschwankungen, Depressionen oder körperliche Beschwerden sind real und verdienen ernst genommen zu werden.

Verhütung sollte immer bedeuten: informiert entscheiden können. Queer Emergency bedeutet deshalb auch hinschauen, benennen und Wissen zugänglich machen.

Text von Jenni (She/Her), 2005, Rheinfelden, @jennislife_official — Illustration von Cosmo (er/ihm, they/he)

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