Ich fühle mich weder weiblich noch männlich. Was bin ich dann? Das war immer ein zentraler Gedanke in meinem Leben. Ich wusste lange Zeit nicht, was ich eigentlich bin, bis ich begann, mich zu informieren und Bücher über die LGBTQIA*-Community zu lesen. Dort begegnete mir der Begriff «non-binär» zum ersten Mal.

«Non-binär» ist vielen Menschen kein Begriff. Es ist ein Thema, das seinen Platz in der heutigen Gesellschaft noch nicht gefunden hat. Das wird in vielen Lebenssituationen erkennbar: Sei es bei der Toilettensuche, wo es immer noch sehr wenige genderneutrale WCs gibt, oder auch beim Gebrauch von Pronomen. Dort wird grösstenteils von «er» oder «sie» gesprochen und selten von dem, was es zwischendrin sonst noch alles gibt. Es ist aber auch frustrierend, dass es in der deutschen Sprache kaum geschlechtsneutrale Pronomen gibt. Wenn doch, dann sind sie oft aus dem Englischen übernommen.

Ausserdem ist es enttäuschend, dass beim Menschen häufig nur auf die «Verpackung» geschaut wird. Es ist doch viel schöner, wenn unsere inneren Werte beachtet werden und wir nicht permanent aufgrund unseres Aussehens in irgendwelche Geschlechterschubladen gesteckt werden.

Einen weiteren Punkt erlebe ich bei amtlichen Angelegenheiten. Wie eben bei der Tatsache, dass mensch den neutralen Geschlechtseintrag noch gar nicht zur Verfügung hat. Das ist für mich als non-binäre Person, welche diesen Text hier verfasst, sehr entmutigend. Deswegen ist es auch so wichtig, dass wir uns Gehör verschaffen. Sei es bei genehmigten Demonstrationen oder auch im alltäglichen Leben.

Für sich selbst einzustehen, vor allem bei einem Thema, das nicht von allen verstanden wird, kann sehr schwer sein. Damit habe auch ich jeden Tag zu kämpfen. Deswegen schreibe ich diesen Text: Geht an die Öffentlichkeit mit euren Themen und lasst euch nicht von der heutigen Gesellschaft unterdrücken! Ihr seid grossartig, genau so wie ihr seid! Mir hat es geholfen zu wissen, dass ich nicht allein bin mit diesen queeren Themen. Sucht euch das richtige Umfeld, in dem ihr so akzeptiert werdet, wie ihr seid. Ihr seid nicht allein!

Text von Liam Inderbitzi (they/er), 2010
Illustration von Mischa (keine/er/sie), 1999, Bern, raundmischa.mmm.page

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