Dieses Projekt, welches ich in der 52. Ausgabe des Milchbüechlis ausführlicher vorstellen durfte, ist eine von vielen Arbeiten, in denen ich meine aufrichtige Bewunderung und Inspiration für Frauen und die Vielfalt der Weiblichkeit aus der Perspektive eines schwulen Mannes zum Ausdruck bringe.

Ausgangspunkt für dieses Projekt war das im Jahr 1974 veröffentlichte Werk A Portfolio of Models der renommierten Performance-Künstlerin Martha Wilson, die sechs verschiedene weibliche Charaktere durch Fotografie und Schrift präsentierte. Diese überspitzten Stereotypen wiesen kritisch auf die begrenzten, für Frauen verfügbaren Rollen hin und brachten die politischen Veränderungen ihrer Zeit zum Ausdruck.

Was mich besonders inspiriert hat, war das Thema der Identität und wie sehr sie performativ sein kann, wenn wir es zulassen, mit ihr zu spielen, statt sie als gegeben zu betrachten. Bei diesem Projekt konnte ich genau das umsetzen: Ich stellte verschiedene Bilder und Vorstellungen von Frauen zusammen und erweckte sie zum Leben, indem ich im Austausch mit der Fotografin ihre Kostüme entwarf, sie schminkte, sie in Textform beschrieb und die geeigneten Aufnahmeorte auswählte.

Mir ging es bei meiner Arbeit nicht in erster Linie darum, ein politisches Statement abzugeben, denn für mich sollte dieses Projekt, das ich vor zwei Jahren begonnen hatte, auch Spass machen und eine Gelegenheit zum Experimentieren sein. Aber ist es politisch? Diese Frage stellt sich vor allem angesichts des politischen Klimas in den Vereinigten Staaten, das im Jahr [JAHR] die Rechte vieler Menschen eingeschränkt hat.

In den letzten Monaten habe ich beobachtet, wie satirische Drag-Performances, die sich über konservative Frauen wie Erika Kirk oder Melania Trump wegen ihrer oft unnatürlichen und ungewollt hysterischen Körpersprache und Redeweise lustig machen, eine Welle von Reaktionen ausgelöst hat. Die Mehrheit von ihnen verstehen die Ironie, jedoch waren viele schnell dabei, sie wegen dem Drag und Whiteface als sexistisch und rassistisch zu beschuldigen. Die Doppelmoral dabei ist, wie harmlos diese Performances sind verglichen mit den politischen Figuren, die aktuell an der Macht sind.

Für mich sind solche Reaktionen Beweis dafür, dass diese queere Kunst politisch, und auch schützenswert ist. Und auch wenn es in meinem Fall nicht absichtlich als Statement gedacht war, bin ich stolz, wenn es für manche Menschen letztendlich so rüberkommt.

Als letzten und besten Auftritt des Abends präsentieren wir euch nun, ohne weitere Umschweife:

The Diva

Once upon a time, there was a little girl born in the suburbs with a dream of making it in the big city. At age seventeen, she was spotted by a talent scout who signed her to her first contract and her singing career took off.

The Diva is an icon who is known and loved by everyone. Poise and confidence make her stand out, even in the vastest sea of people. Her legacy is supported by the girls and the gays even during the darker eras of her career. The stage is her home where the spotlights keep her warm. To her, nothing in the world matters as long as the crowd is shouting her name and those cameras are rolling. We are all stars, yet some shine brighter than others.

Her face is immaculately beat as she performs her greatest hits medley in a gold lamé gown along with her scene-stealing attire that the House of Gaultier custom-made for her. She will go down in history as the most glamourous being on earth.

Die Diva

Es war einmal ein junges Mädchen aus einem öden Vorort, das davon träumte, eines Tages in der grossen Stadt erfolgreich zu werden. Mit siebzehn fiel sie einer Talentagentur auf, die sie unter Vertrag nahm und ihre Gesangskarriere nahm ihren Lauf.

Die Diva ist eine Ikone, die alle kennen und lieben. Eleganz und Selbstvertrauen machen sie stets bemerkbar, selbst in der grössten Menschenmenge. Ihr Erfolg wird durch die Tussis und Tunten gefeiert, selbst in den dunkleren Epochen ihrer langen Karriere. Die Bühne ist für sie wie ein Zuhause, wo die Scheinwerfer sie warmhalten. Nichts ist ihr im Leben wichtig, solange das Publikum ihren Namen schreit und die Kameras auf sie gerichtet sind. Klar, wir sind alle Sterne, doch manche leuchten heller als andere.

Ihr makellos geschminktes Gesicht strahlt, während sie in einem Abendkleid aus goldener Seide und atemberaubendem Schmuck vom Modehaus Gaultier ein Medley ihrer erfolgreichsten Hits aufführt. Sie wird als das glamouröseste Wesen der Erde in die Geschichte eingehen.


Kollektiv Chroma @aboutchroma

Künstlerische Leitung: Paul Grieguszies / Shelby Cummings (er / sie), 1995, @ishelbycummings

Fotografie: Eva Schneuwly (sie), 1995, @eggasch

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