Eine Gruppe mit dem gleichen Traum: eine autonome Zone. Wir treffen die Anarchist*innen in dem Moment, als dieser Traum zu enden scheint, als ihre Besetzung gerade von der Polizei geräumt wird. Die Gefährt*innen ziehen weiter, verlieren sich aus den Augen und treffen andernorts wieder aufeinander, kommen beieinander zu Besuch – um zu bleiben. Denn Zuhause ist das, was entsteht, wenn Menschen sich ein Feuer teilen. Ein Feuer, das Ideen speichert und Gemeinschaft spendet. Zuhause ist weder Herkunft oder Wurzeln noch der Ort, an dem mensch gerade lebt. Es ist ein geteilter Traum, auf den «du zurück kommen kannst, ohne immer wieder neu anfangen zu müssen.»

Raum und Zeit lösen sich auf, auch in den Worten des Textes. Der Text macht sich Sprache zu eigen, erzählt stellenweise ohne Punkt und Komma, schreibt in Dialekt und Umgangssprache, manchmal auf Englisch und manchmal poetisch wie ein Gedicht. Mensch vermutet Zitate in den Monologen der Figuren, etwa «Beliefs are the police of the mind». Und wahrscheinlich stammen die Sätze von Vorreiter*innen, werden von Person zu Person weitergegeben wie das Wissen und die Geschichten der Revolution.

Immer wieder lesen die Gefährt*innen mit-nach-füreinander in einem Buch namens «The Queerest Beasts and How to Fuck Them», eine Sammlung an kaum zusammenhängenden Erzählungen über Aktionen und die Beziehungen, die dabei entstehen. Immer wieder spiegeln sich ihre eigenen Erlebnisse darin, sodass die Figuren beginnen sich mit den Buchcharakteren zu identifizieren. Die Grenzen von Erlebtem und Erzähltem brechen auf, wie die Grenzen der autonomen Zone. Die autonome Zone hat keine Grenze und kein Ende. Sie hat nur einen Anfang. Und auch wenn es zu spät ist – und zu spät war es schon immer – ist es jetzt höchste Zeit, etwas Grosses zu erschaffen. Denn «eine andere Welt ist nur möglich, wenn du nicht vorher fragst oder darüber abstimmen lässt, sondern sie dir einfach machst. Mit anderen zusammen.» Und irgendwann wird aus einer einzelnen Esche ein ganzer Wald wachsen, auch wenn die einzelne vergeht.

Text von Sophie (sie/ihr), 2003, Bern/Stans, sophie@milchjugend.ch
Illustration von Mischa (keine/er/sie), 1999, Bern, raundmischa.mmm.page

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