Lavender Marriages entstanden in den 1920er Jahren in den USA, genauer gesagt in Hollywood. Dort mussten Schauspielende in ihren Arbeitsverträgen sogenannte «Moralklauseln» unterzeichnen, worin Verhaltensregeln aufgestellt wurden, die die Schauspielenden als öffentlich bekannte Personen befolgen mussten. Unter anderem waren damals queere Handlungen verboten und auch stark in der Gesellschaft stigmatisiert. Um diesem Stigma zu entgehen und keine negative Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, wurde queeren Schauspielenden geraten, eine nach aussen heterosexuell wirkende Ehe einzugehen. Von diesen Scheinehen profitierten die Filmstudios, weil sie so das Image der «guten» und «moralischen» Firma aufrechterhielten und somit weiterhin Profit schlagen konnten. Ebenfalls ermöglichte es Schauspielenden, die beim «anderen» Geschlecht als besonders attraktiv galten, ihr Image als Sex-Symbol beizubehalten.

Es gab viele Schauspielende, die solchen Ehen zustimmten. Diejenigen, die sich weigerten, wurden dafür von den Filmstudios bestraft: Manche erhielten keinen Lohn, andere wurden entlassen und fanden auch bei anderen Filmstudios keine Arbeit mehr. Bis zum Stonewall-Aufstand 1969 wurden regelmässig Lavender Marriages geschlossen. Danach wurden queeren Menschen mehr Rechte zugesprochen und sie erlangten zunehmend Sichtbarkeit in der Gesellschaft, wodurch die Anzahl an Lavender Marriages langsam zurückging. Bis heute kommen sie aber weiterhin vor, auch ausserhalb von Hollywood.

Wenn queere Menschen heutzutage Lavender Marriages eingehen, hat das meist nichts mit dem Arbeitsverhältnis zu tun, sondern mehr mit Druck von der Gesellschaft und der Familie. In China ist das ein weitverbreitetes Phänomen für das sogar eigene Begriffe existieren: Ehen zwischen heterosexuellen Frauen und schwulen Männern werden «Tongqi» genannt, Ehen zwischen heterosexuellen Männern und lesbischen Frauen dagegen «Tongfu». Es ist in China üblich, Anfang zwanzig zu heiraten. Unverheiratete Menschen in ihren späten Zwanzigern werden oft schräg angesehen und schlecht behandelt, weil sie keine Kinder bekommen. Bei den Frauen ist der Druck jung zu heiraten noch stärker als bei den Männern. Dazu kommt noch, dass Queerness nach wie vor stark stigmatisiert ist, weshalb sich Lavender Marriages für queere Chines*innen gut anbieten. Es gab sogar eine Zeit lang eine Dating App in China, die extra für Personen gemacht wurde, die eine solche Ehe eingehen möchten.

Lavender Marriages entstehen aus sozialem Druck und Stigmatisierung. Damit sie nicht mehr nötig sind, braucht es einen Wandel in der Gesellschaft. Wir Queers haben das Recht darauf, so wahrgenommen zu werden wie wir sind und mit den Personen zusammen zu sein, die wir lieben. Genauso sollten wir alle das Recht haben, diese Personen zu heiraten und öffentlich dazu zu stehen.

Comments are closed.