Als ich für meinen Text zum Thema «Lavender Marriage» recherchiert habe, ist mir etwas Interessantes aufgefallen: Die Farbe Lila wird ziemlich oft mit Queerness in Verbindung gesetzt. Bei «Lavender Marriage» geht es um die Scheinehe von Personen, um ihre Queerness zu verbergen. «Das lila Lied» gilt als die erste Hymne der queeren Bewegung. Und natürlich dürfen wir nicht das lila. queer festival der Milchjugend vergessen!

Aber warum gerade Lila? Was macht diese Farbe so queer?

Für die Antwort auf diese Frage müssen wir ein kleines bisschen in der Zeit zurückreisen, etwa 2’600 Jahre. Im antiken Griechenland gab es eine Dichterin mit dem Namen Sappho, die auf der Insel Lesbos lebte. Sappho schrieb viele Gedichte über die Liebe zwischen Frauen. Von der Insel Lesbos stammt auch das Wort «lesbisch». In ihren Gedichten trugen die Frauen oft Haarschmuck, der aus lila Blüten bestand.

Lilafarbene Blumen wurden dann Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts wieder als Symbole für Queerness verwendet. Queere Frauen in Paris und London trugen die Blumen in den 1920ern und 1930ern gern in ihren Haaren, um ihr potenzielles Interesse zu signalisieren. 1920 wurde dann in der Weimarer Republik (im heutigen Deutschland) das bereits erwähnte «lila Lied» geschrieben und mit grossem Erfolg veröffentlicht. Das Lied thematisiert das Anderssein queerer Menschen und sagt, dass queere Menschen stolz darauf sein und es feiern sollten. Zu diesem Zeitpunkt erlebten queere Menschen aufgrund von Gesetzesänderungen einen kleinen Aufschwung und wurden gesellschaftlich mehr akzeptiert.

Der Begriff «Lavender Marriage» kam ungefähr zur gleichen Zeit in Hollywood auf. In den 1950ern kam dann der sogenannte «Lavender Scare» (so in etwa «Lavendel-Furcht») auf. In US-amerikanischen Behörden und Verwaltungen ging die Angst um, es könnten sich queere Menschen unter den Angestellten befinden. Viele Angestellte wurden dann auf Queerness «getestet» und es wurden massenweise Menschen entlassen, bei denen Queerness «festgestellt» wurde. Ist das nicht total absurd?

Um 1970 formte sich eine Gruppe radikaler lesbischer Feminist*innen, die «Lavender Menace» («Lavendel-Bedrohung»). Deren Ziel war es, den Feminismus mit dem Lesbisch-Sein in Einklang zu bringen. Diese Bewegung war einer der Grundsteine des Queer-Feminismus, wie wir ihn heute kennen.

2017 fand dann das erste lila. queer festival statt. Der Name davon stammt vom lila Lied. Im September wird das Festival zum zehnten Mal stattfinden und es wird hoffentlich noch viele weitere geben. Genauso hoffe ich, wird es noch viele weitere lila Bewegungen geben!

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