Wer bestimmt die sexuelle Selbstbestimmung? Sexarbeit und Moralpolitik

Polit Bibliothek: Montag, 29. Juni, 19:00 Uhr
Erdgeschoss, Zugang Güterstrasse 8
Mit Benjamin Abt, Sprachwissenschaftler und Aktivist für die Rechte von Sexarbeiter:innen, gibt in seinem Vortrag einen Einblick in seinen Forschungsschwerpunkt. Mit Diskussion und anschliessendem Apéro.
Prostitution ist in der Schweiz seit 1942 weitgehend legal. Doch was bedeutet das eigentlich? Sexarbeit wird auf Bundesebene primär durch das Strafrecht reguliert – nicht durch das Arbeitsrecht. Zwischen der formalen Legalität und der tatsächlichen Entkriminalisierung besteht damit eine bemerkenswerte Diskrepanz. Während Neuseeland und Belgien den Schritt zur vollständigen Entkriminalisierung gewagt haben, bleibt die Schweiz einem Regulierungsmodell verpflichtet, das von strafrechtlichen Bestimmungen und einem Dschungel kantonaler und kommunaler Sonderregelungen geprägt ist.
Diese Konstellation wirft grundsätzliche Fragen auf: Wozu eine derart intensive staatliche Regulierung? Weshalb wird Sexarbeit nicht wie andere Formen von Erwerbsarbeit behandelt? Wie steht es um das Verhältnis von Staat, Sexualität und Autonomie, wenn staatliche Institutionen sexuelle Selbstbestimmung zwar schützen, zugleich aber festlegen, unter welchen Bedingungen sie legitim ist?
Der Vortrag nimmt diese Widersprüche der Prostitutionspolitik zum Ausgangspunkt und diskutiert, inwiefern sich an ihnen die Funktionsweise moderner Moralpolitik beobachten lässt.


